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Google Chrome: Der Browser im Portrait

09.12.2009
11:20

Schnelligkeit und Stabilität vs. Datenschutz und Sicherheit

Seit September 2008 mischt Google auch auf dem Browsermarkt mit. Chrome heißt die Entwicklung des Suchmaschinen-Giganten, die derzeit in der dritten Version verfügbar ist. Mittlerweile gibt es aber auch schon eine Beta-Version von Generation vier. Die Entwickler legen sich nicht zuletzt deshalb ins Zeug, um den Platzhirschen Internet Explorer und Firefox Marktanteile abzuluchsen. In manchen Punkten will sich Google aber auch gar nicht mit den etablierten Browsern messen.

An der Gesamtoptik, die sich nach dem Setup bietet, hat Google auf den ersten Blick nichts geändert. Alles ist weiterhin bewusst schlicht gehalten. Dafür zeichne er sich durch sein Tempo aus. Der Unterschied sei nicht nur messbar: Die Nutzer - im deutschen Sprachraum laut den Marktforschern Fittkau & Maaß zuletzt 2,3 Prozent aller Surfer - könnten ihn auch selbst bemerken. Vor allem aufwendige Web-2.0-Seiten wie Google Earth würden merklich schneller geladen. Apples Safari kann es in Sachen Tempo mit Chrome aufnehmen, aber die Google-Entwicklung ist optisch aufgeräumter gestaltet.

Ein zentraler Ansatz liegt in der Multiprozess-Technik von Chrome. Das sogenannte Rendering, die JavaScript-Engine und Plug-ins laufen nicht wie bei anderen Browsern nacheinander, sondern nebeneinander ab. Dies hat zur Folge, dass sich eine langsam laufende JavaScript-Anwendung nicht auf die Gesamtgeschwindigkeit des Browsers auswirkt. Google Chrome
Google Chrome: Der Browser des Suchmaschinen-Riesen
Das sei zum Beispiel bei Firefox nicht der Fall.

Damit dient die Multiprozess-Technik auch der Absturzsicherheit. Sollte eine Seite abstürzen, können alle anderen weiterarbeiten. Die Schließung des gesamten Browsers wird so umgangen. Ein weiterer Vorteil liege im Speichermanagement. Sobald ein Tab geschlossen wird, werde auch der Prozess geschlossen. Dieser Speicher stehe dann wieder zur Verfügung. Das sei besonders nützlich, wenn der Nutzer mit vielen Browserfenstern gleichzeitig arbeitet.

Multiprozess erschwert auch das Eindringen von Schadsoftware. Arbeiten der Browser und alle Tabs in einem Prozess, sei es für Malware einfacher, ins System zu gelangen. Mit einzelnen Prozessen sei diese Gefahr deutlich geringer. Das System wird auch Sandbox-Prinzip genannt.

Das sei zwar sinnvoll, es biete aber nur bei einer bestimmten Art von Schwachstellen Schutz, sagt Jan Steffan vom Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt. So werde der Schaden begrenzt, falls der Browser eine Sicherheitslücke hat und es ein Angreifer schafft, diese durch eine präparierte Webseite auszunutzen. Gefahren drohten aber wie bei allen anderen Browsern durch Lücken in Zusatzkomponenten, mit denen Web-Inhalte betrachtet werden: Flash-Player, Silverlight, Java-Applets, Video-Player oder PDF-Betrachter.

Schlanker Browser mit eingeschränkten Funktionen

Hinzu kommt: Den Browser zugunsten der Geschwindigkeit schlank zu halten, bringt für den Nutzer auch Nachteile. Bei Chrome seien viele Funktionen derart eingeschränkt, dass sie im Prinzip nutzlos sind. Wie beispielsweise die Druckfunktion. Auch Nützliches wie ein Passwort-Manager oder Mausgesten-Steuerung fehlten. Wer auf diese Features nicht verzichten möchte,sollte einen anderen Browser wählen.

Ärgerlich sei auch, dass der Nutzer nicht festlegen kann, ob und in welchem Maß JavaScript blockiert werden soll. JavaScript ist für die Darstellung der meisten Webseiten zwar fast unverzichtbar, sei aber auch ein Sicherheitsrisiko. Mit einem schadhaftem Scriptcode können Angreifer etwa Viren auf den PC schleusen oder den User automatisch auf andere, gefährlichere Seiten umleiten. Bei anderen Browsern seien die Einstellungsmöglichkeiten viel umfangreicher. Außerdem sei der Phishing-Filter nicht sonderlich leistungsfähig: In einem Test erkannte Chrome nur die Hälfte der Seiten und schnitt damit vergleichsweise schlecht ab.

Auch in Sachen Datensicherheit sei Googles Browser nach wie vor zu kritisieren. Informationen wie Sucheingaben würden zusammen mit einer Identifikationsnummer an das Unternehmen gesendet. Welche Daten Google verwendet und wofür, wisse niemand genau. Darin liegt das größte Problem: Dem Nutzer wird schlichtweg nicht gesagt, welche Daten übermittelt werden. Bei Google herrsche ein anderes Verständnis von Datenschutz und Privatsphäre als bei den meisten deutschen Anwendern. Wer darüber hinwegsehen kann und einen schlanken und schnellen Browser sucht, der sollte Chrome aber eine Chance geben.

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre