Medizin

Baseline Study: Google vermisst den menschlichen Körper

Google will mit der Baseline Studie sämtliche Daten des menschlichen Körpers erfassen und auswerten. Die Wissenschaftler wollen vor allem herausfinden, wie der gesunde Körper funktioniert - Google spricht von einem "riesigen Schritt ins Unbekannte".
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Google will mit der Baseline Studie sämtliche Daten des menschlichen Körpers erfassen.Google will mit der Baseline Studie sämtliche Daten des menschlichen Körpers erfassen. Das Google längst nicht nur der Anbieter der erfolgreichsten Internet-Suchmaschine ist, sondern sehr viel mehr will, zeigen die Projekte, die aus dem Google-Labor Google X kommen. Die Forscher von Google X wollen jetzt eine umfassende Datenbank mit Daten über den gesunden menschlichen Körper aufbauen. Mit diesen Daten soll dann bespielsweise eine bessere Früherkennung von Krankheiten möglich sein.

Wie das Wall Street Journal berichtet, will Google mit Baseline sämtliche verfügbaren Daten zum menschlichen Körper erfassen. Am Baseline-Projekt arbeitet ein Team aus 70 bis 100 Experten aus den Bereichen Physiologie, Biochemie, Optik, Bildverarbeitung und Molekularbiologie, die Leitung hat der Molekularbiologe Dr. Andrew Conrad. Die Wissenschaftler wollen zunächst alle genetischen und molekularen Informationen von 175 Personen erfassen und speichern. Die Versuchspersonen geben dazu unter anderem Blut- , Urin und Speichelproben ab. Die Datensammlung steht nicht unter bestimmten medizinischen Fragestellungen, sondern soll für alle möglichen Anwendungsszenarien offen sein. Später sollen noch zahlreiche weitere Menschen vermessen werden, um das Datenmaterial immer weiter zu verbessern.

Das Team stellt sich vor allem die Frage, was Forscher über den menschlichen Körper wissen müssen, um in Gesundheitsfragen proaktiv handeln zu können. "Dafür muss man wissen, wie ein gut funktionierender Körper aussieht", erklärte Dr. Conrad gegenüber dem Wall Street Journal. Die zahlreiche Proben der gesunden Teilnehmer sollen deshalb mit Googles starken Rechnern analysiert werden, um bestimmte Muster oder sogenannte Biomarker, das sind Indikatoren für Umweltbelastungen oder Krankheiten, zu finden. Die Forscher wollen insgesamt mehr über den menschlichen Stoffwechsel und das Zusammenspiel von DNA, Enzymen und Proteinen herausfinden und welchen Einfluss Umweltbedingungen darauf haben.

Die Proben der Probanden sollen auf herkömmliche Weise gewonnen werden, aber künftig sollen auch immer mehr Daten mit Wearables wie Fitnessarmbändern, Smartwatches oder der smarten Kontaktlinse, die ebenfalls aus dem Google-X-Labor stammt, erfasst werden.

Google versichert, dass die Daten anonym erhoben werden und ausschließlich dem Gebrauch für medizinische Zwecke dienen sollen, auf keinen Fall werde Google die Daten beispielsweise Versicherungskonzernen zur Verfügung stellen. Über die Verwendung der Daten sollen die medizinischen Fakultäten der Duke University und der Stanford University wachen.

Ziemlich mulmig kann einem aber trotzdem werden, wenn man bedenkt, was ein Konzern wie Google, der ohnehin schon sehr viel über Internet-Nutzer weiß, mit dem Datenmaterial des kompletten Menschen anfangen kann, sofern er erst einmal darüber verfügt. Dank der vielen vernetzen Geräte, die immer mehr Menschen freiwillig mit sich herumtragen kann Google dann quasi in Echtzeit intimste Daten auswerten. Was Google dann wohl alles daraus schließen kann, wenn an bestimmten Orten zu einer bestimmten Zeit der Blutdruck sinkt oder die Pulsfrequenz steigt?

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