Statements

Glasfaser-Anbieter zum Routerzwang

Die Routerfreiheit könnte für die Anbieter von Glasfaser massive Umstellungen bedeuten. Wir haben nachgefragt, wie die Provider konkret mit der Problemstellung umgehen werden.
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Laut M-net müssen sich Nutzer auf keine großen Änderungen einstellenLaut M-net müssen sich Nutzer auf keine großen Änderungen einstellen Künftig sollen Nutzer bei der Wahl des Routers nicht mehr durch den Anbieter bevormundet werden. Bevor die Umsetzungsfrist für die Abschaffung des Routerzwangs in einigen Monaten in Kraft tritt, bereiten sich die Glasfaser-Anbieter auf die neue Rechtslage vor. Wir zeigen Ihnen, wie die Provider im einzelnen auf die Neuregelung reagieren.

baMBit (Glasfasernetz in Bamberg)

Der Glasfaser-Anbieter aus Bamberg gibt zu bedenken, dass das Unternehmen mit den bereitgestellten Routern (Fritz!Box 7360 bzw. 7490) vertraut sei und deshalb den Kunden den besten Service bei Beratung, Installation, Konfiguration, und Entstörung anbieten können. Dadurch sei etwa schnelle Hilfe auch direkt am Telefon möglich. Mietkosten würden für den Router nicht anfallen, da diese bereits durch den Bereitstellungspreis abgedeckt seien. Tatsächlich sieht der Anbieter einige Probleme durch die neue Gesetzgebung. So werde durch die Abschaffung des Routerzwangs der Beratungsaufwand steigen, "da dem Endkunden viele technische Besonderheiten nicht bewusst sind, die jedoch bei der Routerauswahl und der Routerkonfiguration von Bedeutung sind", prognostiziert ein baMBit-Mitarbeiter. Als Beispiele führt der Pressesprecher Vectoring, VLAN und SIP an und weist darauf hin, dass nicht nachvollziehbar sei, wie bei den unterschiedlichen Anschlussarten (FTTC, FTTH und FTTB) ein passiver Netzabschluss definiert sei, wie er vom Gesetz verlangt wird.

M-net (Glasfasernetz in München)

Für Kunden von M-net sollen sich durch die künftige Routerfreiheit keine Nachteile ergeben, insbesondere dann, wenn Kunden die gängigen Router verwenden würden, wie uns der Münchner-Anbieter auf Nachfrage mitteilte. Allerdings seien viele am Markt befindliche Fremd-Router derzeit nur bedingt verwendbar und könnten infolgedessen Funktionsstörungen aufweisen. (Korrekturhinweis: Zunächst hatten wir die Aussage des Anbieters falsch interpretiert und unterstellt, der Anbieter habe mitgeteilt, dass bereits eine Vielzahl an Routermodellen von Drittanbietern fehlerfrei funktionieren). M-net werde dafür einen Service anbieten, allerdings müssten sich Kunden bei individuellen Router-Problemen direkt an den Hersteller wenden. Gewährleistung oder Mangelbehebung für die Geräte könne M-net allein aus rechtlichen Gründen nicht anbieten.

Weiterhin sei die Verteilung sicherheitsrelevanter Software-Updates eine Herausforderung. Unabhängig von dem Inkrafttreten des Gesetzes informiere M-net seine Kunden bereits jetzt über den Sachverhalt.

willy.tel (Regionaler Anbieter in Hamburg)

Nach einer kurzen Zeit der technischen Anpassung und Änderung der Prozesse werde die Routerzwang-Abschaffung bei willy.tel Tagesgeschäft sein. Laut Schätzung von willy.tel werden nur etwa zwei Prozent der Kunden einen eigenen Router nutzen wollen. Im Bereich des FTTH-Netzes mit dem Doppel-Flat-Tarif rechne willy.tel "mit einer Quote unter einem Prozent, die einen eigenen Router verwenden möchten". Über die Veränderungen werde der Anbieter in der nächsten Ausgabe seines Kundenmagazins ausführlich berichten und auch auf seiner Homepage darüber informieren.

Ewe.Tel (Anbieter im Raum Norddeutschland)

Ewe.Tel hätte sich eine andere Entscheidung des Gesetzgebers gewünscht, heißt es im Statement des Anbieters. Allerdings werde man die Neuregelung natürlich dennoch umsetzen. Die Kundennachfrage, ein eigenes Endgerät anzuschließen, schätzt Ewe.Tel als gering ein: "Denn der überwiegende Teil unserer Kunden legt erheblichen Wert darauf, den Anschluss und hochwertige Endgeräte aus einer Hand zu bekommen", erklärt eine Mitarbeiterin von Ewe.Tel. Ein großes technische Herausforderungen sieht der Anbieter bei der gleichzeitigen Bereitstellung von Internet und TV-Produkten. Aktuell setze der Konzern einen aktiven Medienkonverter ein, um seinen Kunden zusätzlich auch ein TV-Produkt anbieten zu können. Durch die Bereitstellung des künftig geforderten passiven Glasfaserabschlusses käme es zu Problemen, da die TV-Signale die Internet-Signale überlagern und somit stören würden. Ewe.Tel befände sich derzeit in der Prüfung, wie sie mit dieser Problem­stellung umgehen können.

In weiteren Meldungen sind wir auf die Statements der DSL- und Kabelnetzanbieter zum Ende des Routerzwangs eingegangen.

teltarif.de-Podcast geht auf Glasfaser-Internet ein

In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" sind wir in der ersten Folge auf die unterschiedlichen Internet-Zugangsarten (DSL, VDSL, FTTB und FTTH) eingegangen und haben die Unterschiede erklärt. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder als MP3 herunterladen:

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