Eigeninitiative

Nordfriesland will sein eigenes Glasfasernetz bauen

700-Einwohner-Dorf als Pilotprojekt für 1600-Kilometer-Netz
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In Nordfriesland hat man genug von der Kupferleitung. Ein Glasfasernetz muss her.In Nordfriesland hat man genug von der Kupferleitung. Ein Glasfasernetz muss her. Selbst ist der Nordfriese. Weil kein Telekommunikationsanbieter die Region mit schnellem Internet versorgen will und die Einwohner (immerhin) nur DSL light mit 384 kBit/s nutzen können, wollen sie sich ihren Highspeed-Anschluss nun selbst schaffen. In den kommenden Jahren will eine eigens gegründete Bürgergesellschaft ein Glasfasernetz mit einer Länge von 1 600 Kilometern aufbauen. Billig wird das nicht: Kommt alles wie geplant, so sollen 70 Millionen Euro investiert werden. Diese Kosten müssen die Bürger tragen.

Vor einem Jahr wurde die BürgerBreitbandNetz GmbH (BBNG) gegründet. Mit im Boot die Ämter Eiderstedt, Nordsee-Treene, Viöl sowie der Städte Husum und Tönning. Im Herbst hat die BBNG den persönlichen Kontakt zu den Bürgern aufgenommen: Bis zu vier Mal in der Woche stellten die Vertreterinnen der Gesellschaft auf abendlichen Veranstaltungen das Ziel der Gesellschaft vor, sammelten Gesellschafterkapital ein. Anfang November hatte man nach eigenen Angaben 1 Million Euro eingesammelt. Heute besteht die Gesellschaft aus 650 Kommanditisten, das Gesellschaftskapital beläuft sich auf rund 1,65 Millionen Euro. Zeit für die Gesellschaft, einen Schritt weiter zu gehen: Start des Pilotprojektes Löwenstedt.

Löwenstedt: Anschlussquote von 68 Prozent war erforderlich

Löwenstedt wird die erste Gemeinde im Ausbaugebiet sein, die die Chance erhält, noch in diesem Jahr an das schnelle Internet angeschlossen zu werden. Die Gemeinde im Amt Viöl umfasst 235 Haushalte. Aus diesen 235 Haushalten stammen bereits 145 der Gesellschafter der BBNG. Damit es nun losgehen kann, muss jedoch eine andere Quote erreicht werden: 68 Prozent der Haushalte mussten sich entschließen, auch einen Anschluss an das schnelle Netz zu wollen. Bürgermeister Peter Thoröe wird in einer schon einige Tage alten Mitteilung der BBNG mit den Worten zitiert: "Die Quote schaffen wir ganz bestimmt. Ich bin davon fest überzeugt, dass die Quote sogar deutlich höher liegen wird." Und er sollte recht behalten: Aktuell liegen 170 Unterschriften vor, 160 waren notwendig.

Während das Netz von der Gesellschaft errichtet wird, ist der Provider ein anderer. Als Kooperationspartner konnte TNG aus Kiel gewonnen werden. Der Anbieter übernimmt die Versorgung mit Telefonie und Internet im südlichen Nordfriesland. Mit dem "Breitband-Paket NF" kann künftig für 42,90 Euro im Monat rund um die Uhr im Festnetz telefoniert und im Internet mit 50 MBit/s im Down- und 5 MBit/s im Upstream gesurft werden. Eine Verdopplung der Bandbreite auf 100 und 10 MBit/s kostet 4 Euro im Monat mehr. Auch eine Flatrate zum Handy gibt es (9,80 Euro monatlich).

Einmalige Kosten von über 1 000 Euro

1600 Kilometer Glasfaserkabel sollen verlegt werden1600 Kilometer Glasfaserkabel sollen verlegt werden Allerdings kostet auch der einmalige Anschluss mit 95 Euro noch einmal Geld beim Provider. Und: Die Netzgesellschaft will für den Anschluss auch Geld sehen. Aktuell sind es einmalig 199 Euro, wird eine Anschlussquote von 80 Prozent erreicht sind es 99 Euro. Wer kein Gesellschafter ist, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen: Je nach Anschlussquote liegt der Preis bei 699 bis 999 Euro. Auch für den Beitritt zur Gesellschaft werden jedoch mindestens 1 000 Euro fällig, die in 30 Jahren mit Zinsen zurückgezahlt werden sollen.

Viel Geld - allerdings wohl die einzige Möglichkeit, einen schnellen Internetanschluss zu bekommen. Und mit einem echten Glasfaseranschluss sind die Bürger in Nordfriesland auf viele Jahre gesehen schneller im Internet unterwegs als so mancher Metropolen-Bewohner.

In den kommenden Jahren soll es weiter gehen mit dem Netzausbau. Geplant ist, bis zum Jahr 2019 in insgesamt 59 Gemeinden der Region das Glasfasernetz zu verlegen. Erschlossen werden damit 26 000 Haushalte in 23 000 Häusern auf einer Fläche von 900 km². Die Kosten für den Ausbau im Pilotgebiet Löwenstedt sollen übrigens bei 900 000 Euro liegen.

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