Glasfaser

Deutschland bei FTTH-Dichte in Europa noch abgeschlagen

Skandinavien bleibt vorne, Süd-und Osteuropa holen auf
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Glasfasernetze spielen in Deutschland nur eine kleine Rolle. Im Bild: Netzausbau von M-Net in MünchenGlasfasernetze spielen in Deutschland nur eine kleine Rolle. Im Bild: Netzausbau von M-Net in München Trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation ist die Glasfaseranbindung privater Haushalte in Europa weiter auf dem Vormarsch. Ende 2011 haben über 5,1 Millionen Haushalte in den 35 europäischen Staaten die Vorteile dieser schnellen Internet-Verbindung genutzt, etwa 600 000 mehr als ein Jahr zuvor. Zu den 35 Staaten zählen die Länder der EU sowie Andorra, Island, Israel, Kroatien, Norwegen, die Schweiz, Serbien und die Türkei. Insgesamt konnten zum Jahreswechsel fast 28 Millionen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden. Die Zahl der Neuanschlüsse stieg im Jahr 2011 um 41 Prozent gegenüber 2010. Gezählt werden dabei sowohl FTTH- als auch FTTB-Anschlüsse, also jene Anschlussformen, wo die Glasfaser mindestens bis ins Gebäude des Nutzers geführt wird. Die Zahlen stammen vom FTTH Council Europe.

Mit 28,3 Prozent liegt Litauen weiterhin vor Norwegen (14,7 Prozent) und Schweden (13,6 Prozent). Zu den Ländern mit den höchsten Wachstumsraten zählten Norwegen, Lettland und die Türkei, die Italien überholt hat. Ungarn fiel um zwei Positionen zurück und liegt nun hinter Estland und Portugal.

Deutschland: Nur 0,4 Prozent der Haushalte mit Glasfaser versorgt

In Litauen stieg die Zahl der versorgten Haushalte um 3 Prozentpunkte, in Norwegen um 2 und in Schweden lediglich um 0,4. Das stärkste Wachstum in Europa konnte Spanien mit einem Plus von 184 Prozent vorweisen; das südeuropäische Land wird vermutlich in absehbarer Zeit die Marke von 1 Prozent aller Haushalte erreichen und damit in das Ranking des FTTH Council aufgenommen werden. Mit 0,4 Prozent ist Deutschland davon noch weit entfernt. Auch Telekommunikationsexperte Professor Torsten J. Gerpott sieht die Bedeutung von Glasfaseranschlüssen in Deutschland ähnlich: Diese Netze spielen auf absehbare Zeit keine Rolle, sagte er im Januar beim Euroforum Kabelnetze in Köln.

Die Breitband-Kommission für digitale Entwicklung der UN erwartet von allen Ländern bis 2015 einen nationalen Breitband-Plan und fordert, den Internetzugang als Menschenrecht und Grundbedürfnis anzusehen. Sie geht davon aus, dass Breitbandnetze das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern. Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, zwischen 2014 und 2020 insgesamt 9,2 Milliarden Euro in Breitbandnetze und zugehörige Dienste zu investieren, davon 7 Milliarden in die Infrastruktur.

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