Kabelanbieter gewinnen 61 Prozent der Breitband-Neukunden
24.01.2012 11:58
Prof. Dr. Torsten J. Gerpott über die Zukunft des Kabelmarktes
Aus Köln berichtet
 Prof. Dr. Torsten J. Gerpott auf der Euroforum-Jahrestagung
Die Zukunft der Kabelnetze steht in den kommenden zwei Tagen auf dem Programm
der Euroforum-Jahrestagung
in Köln. Zum Auftakt gibt Professor
Dr. Torsten J. Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung mit Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, traditionell einen Überblick über den Markt, um den es
geht. "Ich mache jetzt erst einmal den 'Bad Guy'
bevor Ihnen die Anbieter in den kommenden Tagen dann sagen,
dass der Herr aus dem Elfenbeinturm eh keine Ahnung hat", eröffnete Gerpott seinen
Marktüberblick, der zumindest auf dem klassischen TV-Markt in der Tat kein gutes Haar
an den Kabelnetzbetreibern ließ. Lobend äußerte sich Gerpott jedoch über die Internet-Aktivitäten
der Anbieter.
Ende 2011 hatten alle Kabelnetzbetreiber zusammen schätzungsweise
3,64 Millionen Anschlüsse geschaltet. Das macht einen Anteil von 13,3 Prozent am
gesamten Breitbandmarkt aus. Zum Vergleich: Die alternativen Anbieter
verzeichnen einen Anteil von 41,9 Prozent, die Telekom 44,8 Prozent.
"Fast jeder 6. Breitbandnutzer ist somit inzwischen ein Kabelkunde", so Gerpott.
"Das ist eine Wachstumsgeschichte, die sich sehen lassen kann". Aus Sicht der Kabelnetzbetreiber
musste das aber auch so geschehen. Schließlich wurden in
den vergangenen Jahren enorme Investitionen in die Kabelnetze getätigt:
"Es muss Wachstum und Cash erzielt werden."
Eine Million Breitband-Neukunden im Jahr 2011
Dieser Zuwachs scheint den Anbietern auch zu gelingen. Der Breitbandmarkt
verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 1 Million Kunden.
Davon entschieden sich 61 Prozent der Kunden für einen Kabelzugang.
33,5 Prozent der Kunden ließen ihren Anschluss von der Telekom schalten.
Eine erschreckende Zahl gibt es von den alternativen Anbietern: Diese konnten
nur 5,5 Prozent der Kunden für sich gewinnen.
"Die Kabelnetze sind im Vorteil, wenn es um hohe Bandbreiten geht." Alleine bei
den Bandbreiten von 50 MBit/s und mehr konnten die Kabelanbieter schon vor mehr als einem Jahr in 37,2 Prozent
aller Haushalte liefern. Bei den DSL- und Glasfaser-Anbietern wurden nur 9,3 Prozent der Haushalte
erreicht. Gerpott denkt nicht, dass das Ziel der Bundesregierung, bis Ende 2014 mehr als 75 Prozent
der Haushalte mit 50 MBit/s versorgen zu können, erreicht wird. Doch
für eine Quote von 60 Prozent sieht er gute Chancen.
Glasfasernetze spielen aus seiner Sicht jedoch vorerst keine Rolle.
"Bei der 54. Jahrestagung [in etwa 35 Jahren, Anmerkung d. Redaktion]
können wir über signifikante Glasfaserrate reden", sagte er mit einem Augenzwinkern.
Dennoch unterstrich er, dass der Glasfaserausbau eher als
generationsübergreifende Aufgabe zu verstehen sei und nicht kurzfristig realisiert werden kann.
Die Analysen Gerpotts zur Rolle des Kabelmarktes im klassischen TV-Markt lesen Sie in den kommenden beiden Tagen in weiteren Artikeln von der Euroforum-Jahrestagung in Köln.
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