verfiebert

Deutsche Telekom: Glasfaser in die Wohnung

LTE und FTTH für das Netzwerk der Zukunft
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Am Rande des Broadband World Forum hatten wir heute die Gelegenheit, mit Olivier Baujard zu sprechen, dem Chief Technology Officer der Deutschen Telekom. Besonderer Fokus lag dabei auf den beiden Technologien FTTH (fibre to the home) und dem kommenden Mobilfunk-Standard LTE. Olivier Baujard, Chief Technology Officer der Deutschen Telekom: LTE oder FTTHOlivier Baujard, Chief Technology Officer der Deutschen Telekom: LTE oder FTTH

Baujard hob die große Bedeutung von LTE für die Deutsche Telekom hervor. Man sei ständig um neue Frequenzbereiche bemüht, und um deren optimale Nutzung. Da LTE für Datendienste und nicht für Sprachdienste optimiert sei, würden die Latenzzeiten drastisch sinken. Entsprechend weniger Zeit vergeht zum Beispiel zwischen dem Aufruf einer Website und deren Anzeige.

Telekom-CTO Baujard erwartet, dass es aufgrund der hohen Bitrate von mindestens 10 MBit/s beim Endkunden und der geringen Latenz kaum mehr Unterschiede in der Datennutzung zwischen einem mit LTE angebundenen und einen mit DSL angebundenen Kunden geben wird.

Freilich wird auch UMTS/HSPA weiter wachsen. Baujard nannte Bitraten von mindestens 160 MBit/s, die mit der "alten" mobilen Breitbandtechnologie bald möglich sein werden.

Glasfaser bis in die Wohnung

Aber Baujard lässt auch das Festnetz weiter ausbauen. Basierend auf den Erfahrungen des FTTH-Versuchs in Dresden entwickelt die Deutsche Telekom aktuell einen Ausbauplan für die Versorgung der Kunden mit breitbandigem Internet im Bereich von 100 MBit/s und mehr über Glasfaserkabel in die Wohnungen. Bis Ende 2012 soll das FTTH-Ausbaugebiet bis zu zehn Prozent der deutschen Haushalte abdecken. Die dazu nötigen Investitionen sollen von der Deutschen Telekom selber gestemmt werden. Ein noch schnellerer Ausbau scheitert an der "Capex Wall", vor der laut Baujard alle Operator stehen, die massiv in diese Technologie investieren.

Eine der zentralen Entscheidungen, die laut Baujard getroffen werden müssen, ist die Wahl der Ausbaugebiete: Sollen Kunden aus dicht besiedelten Gebieten, in denen meist schon VDSL verfügbar ist, auf FTTH upgegradet werden? Oder soll FTTH vor allem dort angeboten werden, wo VDSL (noch) nicht verfügbar ist, und sich die Kunden derzeit noch mit vergleichsweise langsamen Standard-DSL-Anschlüssen begnügen müssen?

Zuletzt macht Baujard den Ausbau auch von den Entscheidungen der deutschen Bundesnetzagentur abhängig. Ganz offen fragt er: "Wie lange können wir die Netze alleine nutzen?" Die österreichische Lösung, wo eine staatliche Gesellschaft die FTTH-Netze aufbaut und allen Tk-Unternehmen anbietet, gefällt ihm nicht. Die schweizer Lösung, wo die nationale Regulierungsbehörde BAKOM die Anbieter zu getrenntem Aufbau und gegenseitiger Zugänglichmachung der FTTH-Fasern verpflichtet hat, scheitert in Deutschland seiner Ansicht nach daran, dass keiner der Konkurrenten zu den hohen Investitionen bereit ist.

Tatsächlich liegt die FTTH-Durchdringung in Deutschland mit etwa einem Prozent aller Haushalte noch sehr niedrig. So haben etwa ein Dutzend europäische Länder bereits eine FTTH-Durchdringung von 20 Prozent erreicht. Dabei sind es in vielen Ländern Versorger und konkurrierende Telekommunikationsunternehmen, die FTTH vorantreiben, und nicht die Ex-Monopolisten. In Deutschland macht nun die Telekom einen klaren, wenn auch noch vergleichsweise kleinen, Schritt in Richtung auf die neue Breitband-Technologie.

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