Zukunftsblick

700, 900, 1500 & 1800 MHz: Das ist mit den Frequenzen möglich

Bei der Frequenzauktion in Mainz kommen vier verschiedene Frequenzbänder unter den Hammer. Wir zeigen Ihnen, welche Frequenzen das sind, wie sie heute genutzt werden und wie sie künftig genutzt werden könnten.
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Aufgrund eines regionalen Feiertages pausiert heute die Frequenzauktion bei der Bundesnetzagentur in Mainz. Zeit für uns, zu erklären, was eigentlich mit den zu ersteigernden Frequenzen möglich ist, wie sie heute genutzt werden und welche Frequenzen sich für welche Dienste künftig eignen.

700 MHz: Vom Fernsehen zum LTE

Vier Frequenzbänder stehen zur VersteigerungVier Frequenzbänder stehen zur Versteigerung Die jetzt versteigerten Frequenzen befinden sich im Frequenzbereich zwischen 703 und 788 MHz mit einer Mittenlücke von 733 bis 758 MHz und werden aktuell noch für DVB-T genutzt. Diese Mittenlücke entsteht grundsätzlich bei gepaarten Frequenzen wie den hier versteigerten. Sie ist das Resultat aus dem Zwischenbereich zwischen Downstream und Upstream bei einem Handy, der über unterschiedliche Frequenzen realisiert wird. In diesem Fall soll sie künftig unter anderem für Mikrofonen bei Veranstaltungen genutzt werden.

Die 700-MHz-Frequenzen werden den Mobilfunknetzbetreibern vor allem für eine Kapazitätserhöhung bei LTE in der Fläche dienen, weniger zur besseren Netzabdeckung von LTE in der Fläche. Mit 800 MHz haben alle drei Netzbetreiber schon ein Frequenzspektrum, das über gute Ausbreitungseigenschaften verfügt. Dieses werden die Netzbetreiber in den kommenden Jahren auch primär für den Netzausbau einsetzen müssen, da davon auszugehen ist, dass die 700er-Frequenzen erst in einigen Jahren bundesweit zur Verfügung stehen - und selbst dann noch vom Ausland gestört werden können. Mehr dazu haben wir in einem Hintergrund-Text zusammengestellt.

Unterm Strich dürfte LTE 700 dann überall dort zum Einsatz kommen, wo jetzt oder demnächst LTE 800 sendet. Dazu müsste nach Angaben von Netztechnikern aber auch Hardware am Sender ausgetauscht werden, ein einfacher Knopfdruck ist demnach nicht möglich.

900 MHz: GSM und Breitband

Auf diesen Frequenzen fing alles an: Die ersten Handynetze von T-Mobil und Mannesmann D2 starten 1992 (lesen Sie unseren Rückblick zum 20. Jubiläum der Netze aus dem Jahr 2012). Die Frequenzen werden bis heute genutzt, auch wenn es inzwischen einiges an Bewegung und Verschiebungen gab. So nutzen auch E-Plus und o2 heute GSM-Frequenzen in diesem Frequenz-Bereich, Telekom und Vodafone ergänzend auch GSM 1800. Die Lizenzen für diese GSM-Frequenzen laufen jedoch Ende 2016 aus. Deswegen werden sie jetzt neu vergeben.

Vergeben werden Frequenzen zwischen 880 und 960 MHz, abermals mit einer Mittenlücke, in dem unter anderem das Handynetz der Bahn (GSM-R) zu finden ist. Dieses GSM-R ist auch der Grund, weswegen der direkt angrenzende Bereich als konkreter Block versteigert wird - hier gibt es Auflagen bei der Nutzung.

Das 900-MHz-Band dürfte weiterhin als GSM-Band bestehen bleiben, wenngleich die Vergabe erstmals technologieneutral erfolgt. Bislang waren die Netzbetreiber gezwungen, hier GSM einzusetzen. Es gibt noch zu viele alte Handys, die kein UMTS oder gar LTE beherrschen, als dass man das Netz zeitnah abschalten könnte. Geht man davon aus, dass jeder Netzbetreiber 2 x 5 MHz für GSM einsetzt, könnten die restlichen ersteigerten Blöcke ebenfalls für LTE eingesetzt werden. Durch Carrier-Aggregation können alle LTE-Netze auf unterschiedlichen Frequenzen zusammengefasst werden. So erreicht die Telekom heute schon (theoretische) Werte von 300 MBit/s. UMTS auf 900 MHz ist indes unwahrscheinlich, kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das Frequenzband bis auf weiteres ein reines GSM-Band bleibt, um die notwendigen Kapazitäten bereitzustellen. Die Telekom übergibt beispielsweise auch viele im UMTS-Netz begonnene Telefonate unbemerkt ins GSM-Netz, um die 3G-Netze für Datenübertragungen freizuhalten. Erst in einigen Jahren könnte es dann zu einer Umstellung auf LTE 900 kommen.

Auf der nächsten Seite des Artikels sehen Sie in einer Tabelle, welcher Netzbetreiber heute welche GSM-Frequenzen nutzt und was mit 1800 MHz und 1500 MHz nach der Auktion passiert.

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