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Editorial: Wieder einer weniger

freenet-Übernahme zeigt: Der DSL-Markt wird immer schwieriger
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Binnen eines Jahrzehnts ist der schnelle Internetzugang DSL vom Hype (Ende 2000 kam die Deutsche Telekom nicht mit dem Schalten hinterher, so dass eine Viertelmillion Kunden auf ihren DSL-Anschluss warteten) zum Fast-schon-Ladenhüter mutiert. Und das, obwohl DSL bis heute noch nicht einmal flächendeckend verfügbar ist.

Aber anders ist es kaum zu erklären, dass der freenet-Konzern beim Verkauf seines DSL-Breitbandgeschäfts an United Internet (1 & 1, GMX etc.) zahlreiche Bedingungen zu seinem Nachteil akzeptiert hat: Bezahlung des Kaufpreises zum großen Teil erst nach Kundenmigration, Bewertung in Abhängigkeit der Zahl der Kunden zum Migrationszeitpunkt, bei starken Kursverlusten der 1&1-Aktie nur teilweiser Ausgleich, obwohl ein Teil des Kaufpreises in Aktien gezahlt werden soll, und dergleichen mehr.

Das klingt nicht gerade so, als ob sich die Interessenten um das Breitbandgeschäft von freenet gerissen haben. Nun zwingt sicher auch die aktuelle Wirtschaftskrise den einen oder anderen möglichen Investor zur Zurückhaltung. Dennoch: Ein gutes Geschäft lässt sich auch in der aktuellen Lage noch verkaufen, nur ist DSL anscheinend kein gutes Geschäft mehr.

Die meisten Kunden, die breitbandiges Internet wünschen, sind bereits unter Vertrag, die Zeiten des schnellen DSL-Wachstums sind vorbei. Anbieter können so ihren Marktanteil praktisch nur noch dadurch steigern, dass sie anderen Anbietern deren Kunden abspenstig machen. Das geht aber vor allem über günstigere Preise, und so bleiben die Margen auf der Strecke.

Zunehmende Konkurrenz

Schließlich drücken schnelle Internetzugänge über das Breitbandkabel und die Handynetze zunehmend in den Markt und machen den DSL-Anbietern die Breitbandkunden zunehmend streitig. Die Breitbandkabelanbieter sind dabei insofern Spätstarter, als die für die Aufrüstung der TV-Kabelnetze nötige Technologie praktisch zeitgleich mit der DSL-Technologie verfügbar war, Kabel Deutschland und Co. aber erst Jahre später mit dem Ausbau begannen.

Die Handynetze sind hingegen erst seit kurzem mit HSPA schnell genug, um mit DSL mithalten zu können. Sie werden sich aber in den kommenden Jahren mit HSPA+ und LTE nochmals erheblich beschleunigen und mit den Frequenzen aus der digitalen Dividende ihre Abdeckung stark verbessern, vielleicht sogar über die mit DSL erreichbare hinaus.

Die DSL-Anbieter wehren sich, indem sie ihre Zugänge mit höheren Bitraten oder zusätzlichen Diensten aufrüsten, insbesondere der Möglichkeit zum Fernsehen. Allerdings bleiben diese Triple-Play-Angebote eher hinter den hochgesteckten Erwartungen der DSL-Anbieter zurück.

Und so wird die zunehmende Konkurrenz zur Folge haben, dass die Zahl der DSL-Anschlüsse in Deutschland bereits in wenigen Jahren ihr Maximum erreichen und danach wieder sinken wird. Damit einhergehen wird ein ziemlich harter Preiskampf zwischen den drei Alternativen DSL, Breitbandkabel und mobilem Internetzugang. Das freut den Kunden, denn er bekommt künftig für immer weniger Geld einen immer besseren Onlinezugang.

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