Privatsphäre

Neue Software für Verschlüsselung eigener Fotos im Internet

Ohne Schlüssel ist Bild auf Facebook zwar vorhanden, aber verpixelt
Von dapd /
AAA

Neue Software für Verschlüsselung eigener Fotos im InternetNeue Software für Verschlüsselung eigener Fotos im Internet Eine neue Software verspricht echte Privatsphäre für eigene Fotos im Internet. Forscher haben eine Verschlüsselung entwickelt, die Unbefugte nur ein unkenntliches Bild sehen lässt. Nur wer vom Urheber des Fotos den Schlüssel erhält, sieht auf Facebook und Co. das klare Motiv. Über ihre Entwicklung berichten Forscher auf dem Usenix Fachsymposium in Chicago.

Bisher werden Bilder nur direkt durch bestimmte Anbieter unkenntlich dargestellt, zum Beispiel in Internet-Single-Börsen. Mit der neuen Software könnte auch jeder Privatnutzer jedes beliebige online gestellte Bild verschlüsseln und damit unkenntlich machen.

Alle fünf Minuten werden weltweit 500 000 Fotos geteilt

Alle fünf Minuten werden weltweit etwa 500 000 Fotos mit anderen Menschen online geteilt. Viele dieser Fotos sind nur für Freunde oder Verwandte bestimmt. Obwohl Anbieter wie Facebook und Flickr inzwischen erlauben, Fotos nur für bestimmte Personenkreise zugänglich zu machen, hat dieses System Schwächen. Nutzer müssen sich beispielsweise darauf verlassen, dass der Anbieter seine Hausaufgaben gemacht hat und wirklich nur die ausgewählten Personen Zugriff erhalten.

"Niemand bezweifelt die Annehmlichkeit des Teilens über die Cloud, aber die Frage ist, ob wir Dritten vertrauen, unsere Fotos vor der unerlaubten Weitergabe oder Verwendung zu schützen", sagt der IT-Ingenieur Antonio Ortega von der University of Southern California in Los Angeles. Gemeinsam mit Kollegen hat er deshalb "P3" entwickelt, das "Privacy-Preserving Photo Sharing", übersetzt: "Privatsphäre bewahrendes Teilen von Fotos".

Ohne Schlüssel ist auf den Fotos nichts zu erkennen

Der Ansatz der Forscher ist nicht neu: Sie verschlüsseln die Bilddateien. Üblicherweise besteht aber das Problem, dass soziale Netzwerke wie Facebook und Flickr Fotos automatisch in verschiedene Größen skalieren, um die Darstellung beispielsweise an Smartphones anzupassen. Mit verschlüsselten Dateien ist das unmöglich. P3 entfernt deshalb aus dem unverschlüsselten Bild wichtige Informationen. Das verbleibende Bild sieht aus wie extrem verpixelt. Den winzigen, entfernten Datenanteil verschlüsselt das Programm, der Rest wird unverschlüsselt ins Internet hochgeladen. So können soziale Netzwerke das Bild problemlos skalieren, zu erkennen ist dennoch erst einmal nichts.

Der Eigentümer des Fotos kann dann - für einzelne Bilder oder ganze Alben - einen Schlüssel an Freunde verschicken. Wer diesen Schlüssel auf seinem Computer besitzt, sieht automatisch bei Facebook und Co. das klare, vollständige Bild. "Mit P3 können Sie entscheiden, wie Ihre Fotos genutzt werden, ohne die Annehmlichkeit zu verlieren, sie durch die Cloud zu teilen", erläutert Ortega.

Nutzungsrechte am Bild gelangen nicht an Facebook und Co.

Ein weiterer Vorteil der Methode besteht nach Ansicht der Forscher darin, dass die Eigentümer des Fotos auch die Rechte daran behalten. Bislang gehört es beispielsweise zu den Bedingungen von Facebook, dass das Unternehmen die Fotos nutzen darf, solange der Nutzer Mitglied des Netzwerks ist. Wurde das Foto mit einer Person geteilt, die weiter Mitglied ist, bleiben auch die (nicht-exklusiven) Nutzungsrechte bei Facebook. Durch P3 beziehen sich diese Rechte jedoch nur auf das wertlose, unkenntlich gemachte Bild. Am vollständigen Klarbild behält der Eigentümer die uneingeschränkten alleinigen Rechte.

Ortega und seine Kollegen haben auf "P3" ein vorläufiges Patent erteilt bekommen. Im Sommer wollen sie ein Unternehmen gründen, um die Technik zu vermarkten.

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