Diskussionsforum
  • 07.06.2010 12:48
    SpeedyGo schreibt
    Der Datenverkehr im Netz wird bezahlt. In Byte, Megabyte und Petabyte. Alleine ein Netz aufbauen reicht nicht. Abgesehen vom Traffic im eigenen Netz muss der jeweilige Provider für den Traffic zahlen, den seine Nutzer verursachen.
    Und selbst im eigenen Netz erhöht mehr Traffic die Kosten. Denn der Provider muss mehr/bessere Hardware beschaffen und unterhalten, wenn die Nutzer mehr Traffic produzieren. Allerdings ist hier die Verbindung zwischen Traffic und Kosten nicht so direkt. Denn einem Gigabit-Router ist es egal, ob 10 oder 20 MBit durchgehen. Das heißt hier treten subjektiv erst einmal keine höheren Kosten durch mehr Traffic auf.

    Nachdem das geklärt ist. Warum gibt es Flatrates? Das ist eine Marketing-Geschichte.
    Der Nachteil ist dabei, dass die, die das Netz wenig nutzen die subventionieren, die das Netz viel nutzen. Und ich gehöre zu den Vielnutzern. Trotzdem finde ich das System bescheuert und es fördert falsche Erwartungen und falsches Verhalten.
    Momentan wird sehr viel Bandbreite auch einfach verschwendet.

    Eine generelle Abschaffung von Flatrates wäre fair. Traffic sollte einfach bezahlt werden. Aber das wird nicht passieren. Denn solche transparenten Tarife sind im Marketing dem Kunden nicht vermittelbar.
  • 07.06.2010 13:54
    koelli antwortet auf SpeedyGo
    Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > Abgesehen vom
    > Traffic im eigenen Netz muss der jeweilige Provider für den
    > Traffic zahlen, den seine Nutzer verursachen.

    Das gilt offensichtlich im Festnetz-DSL längst nicht mehr.
    Heute darf jeder Saugen, so viel er lustig ist. Die Zeiten, in denen Vielsauger von 1&1 eine Sonderkündigung nahegelegt bekamen, sind längst vorbei.
    Wäre ja auch unsinnig, wenn die Anbieter nach wie vor pro MB an ihre Vorleister zahlen müssten. Schließlich sind heute datenintensive Anwendungen wie IP-TV schon Standard.
  • 07.06.2010 14:15
    SpeedyGo antwortet auf koelli
    Schönes Beispiel wie die Flatrates wirken
    Benutzer koelli schrieb:
    > Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > > Abgesehen vom
    > > Traffic im eigenen Netz muss der jeweilige Provider für den
    > > Traffic zahlen, den seine Nutzer verursachen.
    >
    > Das gilt offensichtlich im Festnetz-DSL längst nicht mehr.
    > Heute darf jeder Saugen, so viel er lustig ist. Die Zeiten, in
    > denen Vielsauger von 1&1 eine Sonderkündigung nahegelegt
    > bekamen, sind längst vorbei.
    > Wäre ja auch unsinnig, wenn die Anbieter nach wie vor pro MB an
    > ihre Vorleister zahlen müssten. Schließlich sind heute
    > datenintensive Anwendungen wie IP-TV schon Standard.

    Eben nicht. Der Provider zahlt für den Traffic. Die User denken sich: Das kann nicht sein! Stimmt aber. Nur sind die Preise natürlich entsprechend niedriger als noch vor ein paar Jahren.
    Und falls der Flatrate-Unsinn abgeschafft würde (wovon ich nicht ausgehe) erwarte ich auch entsprechend niedrige Preise für den Kunden.

    Ein "faires" Preismodell wäre eine Grundgebühr (für den Anschluss und das Vorhalten der Hardware auf der Gegenseite) und eine Traffic-Gebühr (natürlich entsprechend niedrig, ein paar Cent pro GB bei DSL wären angemessen).
  • 07.06.2010 14:20
    koelli antwortet auf SpeedyGo
    RE: Schönes Beispiel wie die Flatrates wirken
    Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > Eben nicht. Der Provider zahlt für den Traffic.

    Dann nenn mal bitte eine konkrete Quelle, wo man das nachlesen kann.

    > Und falls der Flatrate-Unsinn abgeschafft würde (wovon ich
    > nicht ausgehe) erwarte ich auch entsprechend niedrige Preise
    > für den Kunden.

    Hältst du 25 Euro für ne DSL- und Telefonflat für teuer?

    > Ein "faires" Preismodell wäre eine Grundgebühr

    Bloß nicht! Was glaubst du, warum sich zum Glück die Doppelflat-Angebote mit integriertem DSL-Telefonanschluss durchgesetzt haben?
    Weil die Leute eben nicht mehr bereit waren, 17 Euro Grundgebühr ausschließlich für das Bereitstellen einer Telefonnummer zu zahlen!
  • 07.06.2010 14:44
    SpeedyGo antwortet auf koelli
    RE: Schönes Beispiel wie die Flatrates wirken
    Benutzer koelli schrieb:
    > Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > > Eben nicht. Der Provider zahlt für den Traffic.
    >
    > Dann nenn mal bitte eine konkrete Quelle, wo man das nachlesen
    > kann.


    http://is.gd/cFOmW


    > Hältst du 25 Euro für ne DSL- und Telefonflat für teuer?
    >
    > > Ein "faires" Preismodell wäre eine Grundgebühr
    >
    > Bloß nicht! Was glaubst du, warum sich zum Glück die
    > Doppelflat-Angebote mit integriertem DSL-Telefonanschluss
    > durchgesetzt haben?
    > Weil die Leute eben nicht mehr bereit waren, 17 Euro
    > Grundgebühr ausschließlich für das Bereitstellen einer
    > Telefonnummer zu zahlen!



    Ich habe nur etwas über die Art der Abrechnung gesagt. Nicht über die Höhe des Preises.

    __________________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________­__________________
  • 07.06.2010 22:04
    jos antwortet auf SpeedyGo
    RE: Schönes Beispiel wie die Flatrates wirken
    Benutzer SpeedyGo schrieb:

    > Ein "faires" Preismodell wäre eine Grundgebühr (für
    > den Anschluss und das Vorhalten der Hardware auf der
    > Gegenseite) und eine Traffic-Gebühr (natürlich entsprechend
    > niedrig, ein paar Cent pro GB bei DSL wären angemessen).

    Viel zu kompliziert.
    Die Kosten für den Upstream machen beim normalen DSL-Anschluss mittlerweile nur noch einen Bruchteil der Gesamtkosten aus.
    Was viel mehr kostet, sind Betrieb bzw. Miete der Leitung (TAL), vorhalten der Hardware in Vermittelungsstellen (Kapitalkosten!) und natürlich Vertrieb, Support, Abrechnung, Mahnwesen, ...

    Würde man auf ein Preismodell setzen, bei dem einige Cent pro GB verlängt würden und dafür der Grundpreis geringfgig niedriger wäre, wäre der Supportaufwand noch deutlich höher. Und bei den Privatkunden kämen solche Tarife auch nicht besonders gut an. (Wieviel ist ein GB? Ja, 1024 MB - aber was bedeutet das in der Praxis?)

    Selbst wenn ein DSL-Kunde seine Leitung den ganzen Tag lang "dicht" saugt, schadet das dem Anbieter nicht ernsthaft. Zumal für die Kunden da auch langsam der Witz raus ist. Schnelle Leitungen und Flatrate sind nicht mehr soooo das Novum. Der Anteil derer, die den ganzen Tag Daten laden, nur weil sie ja Flatrate haben, dürfte nur noch minimal sein.

    Dass es bei V-DSL Tarifen Obergrenzen für den Traffic gibt, hat hingegen andere Gründe: Kleine und Mittelständische Betriebe könnten schnell auf die Idee kommen, den ganzen Betrieb mit so einer Leitung anzubinden. Bei Firmen, die nicht gerade IT-Dienstleistungen im weiteren Sinne erbringen, dürfte so eine Leitung für ein Büro mit einigen hundert Arbeitsplätzen locker reichen (e-mail etc).
    Dann würde so ein Kunde mal eben seine Festverbindung für einige hundert Euro im Monat kündigen und fortan eine Privatkundenleitung für 50 EUR verwenden. Das wollen die Anbieter dringend verhindern.
  • 09.07.2010 10:09
    tom.stein antwortet auf SpeedyGo
    RE: Schönes Beispiel wie die Flatrates wirken
    Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > Und falls der Flatrate-Unsinn abgeschafft würde (wovon ich
    > nicht ausgehe) erwarte ich auch entsprechend niedrige Preise
    > für den Kunden.

    Genau darum werden Flatrates vermutlich nicht abgeschafft: Die Tarife sind so angelegt, dass der einzelne User - aus Angst, aus versehen durch intensive Nutzung einmal Horror-Preise zahlen zu müssen oder keine Daten mehr zu bekommen - einen Tarif bucht, der geringfügig über seinem Bedarf liegt, aber dafür begrenzte Kosten verursacht.

    D.h. die meisten Nutzer könnten mit einem "passenden" Volumentarif etwas (oder auch etwas mehr) Geld sparen, tragen dann aber auch ein höheres Risiko, dass 'am Ende des Monats doch noch so viel Download überbleibt'.

    Daher halte ist Flatrates mit Volumenbegrenzung und nachfolgender Drosselung sowie einen echten Volumentarif für den besten Kompromiss.

    Tatsächlich gibt es auch heute Tarife, in denen nach Verbrauch abgerechnet wird - und weil der Betreiber die Infrastruktur ständig vorhalten muss, verlangt er in diesen Tarifen am meisten Geld, d.h. die eignen sich wirklich nur für Wenig-Surfer. Mein Handy-Vertrag z.B. kostet "horrende" ca. 30 ct/MB. Aber für die Abfragen der Bahn-Abfahrtszeiten etc. reicht das mit unter 1 Euro/Monat, den Rest mache ich in der Firma oder zu Hause über WLAN.

    Tom
  • 08.06.2010 09:13
    inmado antwortet auf SpeedyGo
    Kosten pro Byte gibt es nicht, sie sind eine Marketingerfindung
    Das Gegenteil ist richtig: Nicht der Transport der Daten kostet Geld, sondern das Vorhalten der Transportkapazität. Das ist so ähnlich wie mit dem öffentlichen Nahverkehr. (Die Anzahl der Fahrgäste pro Fahrzeug ist kein wesentlicher Kostenfaktor). Denn der Datentransport selbst verursacht praktisch überhaupt keine Kosten. Allerdings kostet ein Netz, daß zB. 10 GB/s tranportieren kann, mehr als eines, daß nur auf 1 GB/s ausgelegt ist.

    Ein Netz kann nur bis zur Kapazitätsgrenze genutzt werden. Ansonsten gibt es Stau (Performance-Einbußen) für alle und die Kunden sind unzufrieden.

    Sind die Kapazitäten geringer als der Bedarf, kann man diesen durch den Preis lenken. Daraus ensteht dann ein fiktiver Preis, z.B. pro Volumen. Der aber löst das Problem der beschränkten Kapazitäten nicht wirklich. Auch werden die Kosten hierbei nicht verursachergemäß (man könnte auch sagen: gerecht) verteilt. Denn kosten verursachen im wesentlichen Verkehre zu Spitzenzeiten, die den Netzbetreiber zwingen, seine Kapazitäten auszubauen. Datenverkehr in Randzeiten hingegen könnte viel preiswerter sein.

    Das alles interessiert den Nutzer aber natürlich wenig. Und ein z.B. Tageszeitabhängiges Bepreisen der Verkehre ist aus Kundensicht auch wenig attraktiv. Hier ist die Flatrate ein einfaches, transparentes und daher attraktives Modell. Vorrausgesetzt, man schafft es, bei niedrigen Flatrate-Preise im Netz hinreichend Bandbreite bereit zu stellen.

    Aber das klappt im Festnetz ja auch.




  • 08.06.2010 09:16
    Beschder antwortet auf inmado
    RE: Kosten pro Byte gibt es nicht, sie sind eine Marketingerfindung
    danke für diesen beitrag! erklärt es gut und macht einiges verständlicher.

    gruss
    beschder
  • 08.06.2010 10:47
    grafkrolock antwortet auf Beschder
    RE: Kosten pro Byte gibt es nicht, sie sind eine Marketingerfindung
    Benutzer Beschder schrieb:
    > danke für diesen beitrag! erklärt es gut und macht einiges
    > verständlicher.
    ...ist aber leider nur zum Teil korrekt.
    Richtig ist natürlich, daß die Kosten sich nach der Technik richten. Jedoch wird dabei vergessen, daß die wenigsten Netzbetreiber ihre Infrastruktur komplett selbst verwalten. Vielmehr werden Leitungen bei großen Backbone-Betreibern angemietet, denn kaum ein Provider kann es sich erlauben, überall Kabel zu verbuddeln oder hunderte Kilometer lange Trassen zu bauen.
    Und hier kommt zum Tragen, daß diese Netzbetreiber wiederum nach verbrauchter Kapazität abrechnen. In der Regel kommt dabei die durchschnittliche Datenrate über 24 Stunden zur Anwendung. Also ist durchaus kostenrelevant, wieviel Daten die Mobilfunkkunden durch die Leitung jagen.
  • 08.06.2010 16:26
    inmado antwortet auf grafkrolock
    RE: Kosten pro Byte gibt es nicht, sie sind eine Marketingerfindung
    Benutzer grafkrolock schrieb:

    > ...ist aber leider nur zum Teil korrekt.
    > Richtig ist natürlich, daß die Kosten sich nach der Technik
    > richten. [...]
    > Und hier kommt zum Tragen, daß diese Netzbetreiber wiederum
    > nach verbrauchter Kapazität abrechnen.

    Ich versichere Dir, daß der Kostenanteil für den Anschluß ans Internet pro Kunde lächerlich klein ist. Am teuersten ist i.a. die "letzte Meile". Und die haben die Mobilfunkbetreiber ja selbst in der Hand.
  • 08.06.2010 11:38
    mirdochegal antwortet auf SpeedyGo
    RE: Unüberschaubare Kosten wollen die Kunden nicht
    Benutzer SpeedyGo schrieb:
    > Eine generelle Abschaffung von Flatrates wäre fair. Traffic
    > sollte einfach bezahlt werden. Aber das wird nicht passieren.
    > Denn solche transparenten Tarife sind im Marketing dem Kunden
    > nicht vermittelbar.

    Das sehe ich genau andersrum. Flats oder zumindest Pakete mit 5GB sind transparent. Wenn ich schwer absehen kann, ob mich das surfen auf einer Website nun 5ct oder vielleicht 50ct kostet, dann verzichte ich lieber fürs erste auf einen mobilen Datentarif und warte ab.
    Nach ein oder zwei Monaten sieht man natürlich, welche Kosten man zu zahlen hat und ob das vertretbar ist. Aber mit der Unsicherheit unterscheibe ich doch für keinen Vetrag, wenn ich nicht bereit bin, dafür mehr als 10-20 Euro im Monat auszugeben und dann komme ich womöglich auf deutlich mehr.

    Wenn die mobile Datenübertragung so ein kostbares Gut ist, dann belasse ich es eben bei Sprachtelefonie, SMS und E-Mail. Sollen die iPhone Kunden mit ihren 60 Euro Tarifen alleine glücklich werden.