Diskussionsforum
  • 14.05.2013 14:25
    getodavid schreibt

    Absurdes, Weltfremdes Urteil

    Wenn ich Autovervollständigen nicht nutze sondern einfach den Suchbegriff mit einem Enter bestätige, bekomme ich genau die gleichen Zusammenhänge angezeigt wie mit Autovervollständigen - nur dass das offenbar dann nicht rechtswiedrig zu sein scheint. Am besten schalten wir das Internet komplett ab, die deutsche Politik & Justiz scheint mit der modernen Welt hoffnungslos überfordert zu sein.
  • 14.05.2013 14:29
    paeffgen antwortet auf getodavid
    Benutzer getodavid schrieb:
    > Wenn ich Autovervollständigen nicht nutze sondern einfach den
    > Suchbegriff mit einem Enter bestätige, bekomme ich genau die
    > gleichen Zusammenhänge angezeigt wie mit Autovervollständigen -
    > nur dass das offenbar dann nicht rechtswiedrig zu sein scheint.
    > Am besten schalten wir das Internet komplett ab, die deutsche
    > Politik & Justiz scheint mit der modernen Welt hoffnungslos
    > überfordert zu sein.

    Sehe ich ähnlich. Vervollständigt wird aufgrund eines Algorithmusses, also letzendlich deswegen, weil viele Leute eine bestimmte Kombination von Suchbegriffen eingegeben haben. Es ist also ohne Weiteres möglich, gezielt Zusammenhänge zu konstruieren, wenn Tausende von Nutzern dieselbe Kombination eingeben. Hier wurde letztendlich ein mathematischer Algorithmus verurteilt. Das ist in der Tat absurd.
  • 14.05.2013 16:18
    Kai Petzke antwortet auf paeffgen
    Benutzer paeffgen schrieb:

    > Sehe ich ähnlich. Vervollständigt wird aufgrund eines
    > Algorithmusses, also letzendlich deswegen, weil viele Leute
    > eine bestimmte Kombination von Suchbegriffen eingegeben haben.

    Genau, wenn alle schreien, dass Du ein Betrüger bist, dann ist das ja keine Persönlichkeitsverletzung mehr, weil es alle schreien.

    [Sarkasmus wieder aus]

    > Es ist also ohne Weiteres möglich, gezielt Zusammenhänge zu
    > konstruieren, wenn Tausende von Nutzern dieselbe Kombination
    > eingeben.

    Hier kommen wir der Sache schon näher: Die Auto-Vervollständigen-Funktion ist sogar ggfls. durch die Nutzer manipulierbar. Indem nur genügend viele "X Y Betrüger" oder "Bettina Wulff Escort" in das Suchfeld eingeben, wird das plötzlich für alle sichtbar.

    > Hier wurde letztendlich ein mathematischer Algorithmus verurteilt.

    Nein. Google wird nicht dafür verurteilt, dass deren Algorithmus etwas produziert hat, sondern dafür, dass sie sich standhaft weigerten, von Hand anzugreifen, nachdem sie auf das Problem hingewiesen wurden. Gemäß Telemediengesetz (früher Teledienstegesetz) ist google für das, was es an Informationen sammelt, nicht verantwortlich. Wird google aber auf ein Problem (Urheberrechtsverletzung, Persönlichkeitsr­echtsverletzung) hingewiesen, dann sind sie verpflichtet, problematische Inhalte zu löschen. Nicht nur aus dem Cache der Suche, sondern eben auch aus Auto-Vervollständigen. Übrigens werden v.a. aus Copyright-Gründen täglich tausende Dokumente gelöscht.

    Im Fall von Bettina Wulff besonders pikant war dann noch, dass zu den Zeiten, als die Sache durch die Medien ging, einer der Ergänzungsvorschläge: "bettina wulff escort" lautete. Gab man in das Suchfeld aber nur "esco" ein, weigerte sich Google, überhaupt einen Vorschlag anzuzeigen, insbesondere also auch nicht das häufige Suchwort "Escort". "bettina wulff escort" war also offen und "escort" immer schon gesperrt. Besser kann man kein Eigentor schießen. Warum Google das überhaupt bis zum BGH hochlaufen hat lassen, um sich dort die unvermeidliche Klatsche abzuholen, wissen nur die Googleianer bzw. deren Rechtsbeistände.

    Inzwischen scheint übrigens "bettina wulff escort" gesperrt zu sein. Einige wenige längere Kombinationen (etwa: "bettina wulff escort service") gehen noch, aber auch hier dürfte es nach dem aktuellen BGH-Urteil nur noch eine Frage von Tagen sein, bis Google die nach erneutem Hinweis der Rechtsanwälte von Fr. Wulff ebenfalls sperrt.


    Kai
  • 14.05.2013 17:13
    paeffgen antwortet auf Kai Petzke
    Benutzer Kai Petzke schrieb:
    > Benutzer paeffgen schrieb:
    >
    > > Sehe ich ähnlich. Vervollständigt wird aufgrund eines
    > > Algorithmusses, also letzendlich deswegen, weil viele Leute
    > > eine bestimmte Kombination von Suchbegriffen eingegeben haben.
    >
    > Genau, wenn alle schreien, dass Du ein Betrüger bist, dann ist
    > das ja keine Persönlichkeitsverletzung mehr, weil es alle
    > schreien.
    >
    > [Sarkasmus wieder aus]
    > (...)

    Google hat ja nicht "Betrüger" gerufen, sondern allenfalls die User. So gesehen hätte man diese verurteilen müssen.
  • 14.05.2013 19:59
    Kai Petzke antwortet auf paeffgen
    Benutzer paeffgen schrieb:

    > Google hat ja nicht "Betrüger" gerufen, sondern allenfalls die
    > User. So gesehen hätte man diese verurteilen müssen.

    Google hat die Rufe der User aber verstärkt und weitergetratscht. Das ist auch legal. Google ist laut Urteil nicht verpflichtet, vorab zu prüfen, ob es fragwürdige Rufe verstärkt und weitertratscht. Wenn es davon erfährt, dass es im konkreten Einzelfall aber ein Problem mit den Rufen gibt, dann muss Google für diesen Einzelfall eben die Weitertratschfunktion abschalten. Dass sie sich standhaft weigerten, das zu tun, hat ihnen nun das aktuelle Urteil beschert.


    Kai
  • 06.06.2013 20:56
    vier.fragen antwortet auf getodavid
    Benutzer getodavid schrieb:
    > Wenn ich Autovervollständigen nicht nutze sondern einfach den
    > Suchbegriff mit einem Enter bestätige, bekomme ich genau die
    > gleichen Zusammenhänge angezeigt wie mit Autovervollständigen -

    leider nicht immer so. in meinem fall habe hatte ich mit meinem real name auf ein posting über michael jackson geantwortet wo es um kindesmissbrauch ging.

    zeitweise wurde bei der eingabe meines namens bei google als vorschlag auch kindesmissbrauch angezeigt. ich glaube du kannst dir vorstellen wie ich geschaut habe als ich darauf hingewiesen wurde.

    die vorschläge sind teilweise völlig aus dem zusammenhang gerissen, und dieses kann fatale folgen haben.