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Sehr geehrter Herr 13496751,
mit einiger Belustigung wie auch einiger Befremdung habe ich Ihren offenen Brief gelesen. Als ehemaliger Kollege der von Ihnen glücklicherweise nicht genau benamten Kollegin erlaube ich mir einmal Ihnen zu antworten.
Zum einen halte ich es für befremdlich, vorsichtig ausgedrückt, wenn Sie hier Namen von Hotline-Mitarbeitern veröffentlichen wollen. Auch die, die noch „für“ 1&1 arbeiten, haben ein Privatleben. Dieses ist zumindest genauso als schützenswert zu erachten, wie Sie Ihres in Ihrem Posting zu schützen gedenken.
In Ihrem Posting erwähnen Sie die Mitarbeiter als Angehörige von 1&1. Ihre Schmeichelei gegenüber Herrn D´Avis mag für die paar Euro Ersparnis ja aus Ihrer Sicht gerechtfertig erscheinen. Es ist allerdings zweifelhaft, dass Sie überhaupt mit einem Mitarbeiter von 1&1 gesprochen haben. Es mag Sie vielleicht verwundern, dass 1&1 den von Ihnen gewünschten Service Firmen des so genannten Dialogmarketings vulgaris Callcenter - überlässt, soweit es um den ersten Kundenkontakt geht. Dazu gehören u.a. Avocis mit Standorten in Anklam, Kiel, Rostock, D + S mit Standorten in Frankfurt/Oder, Gera, Rügen, KDW in Neustrelitz, Perry & Knorr u.a. in Berlin, Flensburg, Kiel, TP HighProfessionals mit Standort u.a. in Görlitz und Neubrandenburg. Die Arbeitsbedingungen und Entlohnung der Mitarbeiter in diesen Hotlines können Sie ohne große Mühe im Internet erfahren. Hotlinemitarbeiter werden zu geringen Löhnen eingestellt und veranlasst, in einer kurzen Zeit die Kunden abzufertigen. Dies passiert sicher nicht durch direkte Anordnung: Tatsächlich ist es so, dass 1&1 die Callcenter pro Anruf bezahlt, mit bestimmten Bonus- und Malusregelungen. Das Geld kommt dann den Callcentern zu Gute, die Mitarbeiter haben einen Grundlohn von sieben Euro die Stunde, teilweise weniger, wenn man einige Nickeligkeiten in Betracht zieht, teilweise mehr, wenn es ihnen gelingt, bestimmte Normen mit kleinen Tricks zu unter- bzw. überschreiten. Die durchschnittliche Halbwertzeit eines Hotline-Mitarbeiters beträgt u.a. wegen des Stresses ein Jahr. Nicht nur aus diesen Gründen finden Sie kaum die Werbeseiten der Callcenter mit Hinweisen auf ihre Kunden, gewissermaßen als Referenz. Und diese Tatsachen sind auch Herrn D´Avis bekannt.
Die „Millionen Euro für die Kundengewinnung“ bringen anscheinend mehr ein als ein ordentlicher Service mit ordentlich bezahlten Mitarbeitern. Abgesehen davon, dass so manche „Schnäppchenjäger“ ja auch gar nicht mehr zahlen wollen, da sie glauben, einen Porsche zum Preis eines Trabbis erhalten zu können. Ihr Entschluss, in Zukunft mehr für Telefon, Internet und Handy bezahlen zu wollen, kann schon fast als lobenswerter Schritt in die richtige Richtung gewertet werden.
Was die „Servicewüste Deutschland“ betrifft so sehen die Mehrheit der Kollegen und auch ich die Sache differenzierter. Zum einen wird der Ausdruck häufig von solchen Leuten benutzt, die nur für ein paar Euro oder kostenlos gerne von oben bis unten bedient werden wollen. Zum anderen ist der Zorn mancher Anrufer wegen des Produktes sicher gerechtfertigt, aber die Hotline-Mitarbeiter sind keine Prügelknaben für Leute, die auf „Billig“ stehen und bekommen, was sie wollen. Oder für solche, die für ein paar Kröten Ersparnis gegenüber teureren Firmen, die mehr investieren, glauben, Anspruch auf den Königstitel zu haben.
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