"Indes hält sich hartnäckig das Gerücht, der Akku müsse nach dem Kauf mehrere Male voll geladen und entleert werden. Dies gilt für die aktuelle Akku-Generation jedoch nicht mehr. Es darf mit halb vollem Akku ebenso an die Steckdose gestöpselt werden wie bei nur noch einem Ladebalken auf dem Display. Aus diesem Grund ergeben die Herstellerangaben über die Anzahl Ladezyklen keinen praktischen Sinn. Selbstredend ist ein Akku, der zwanzig Mal am Tag nachgeladen wird, schneller ausgelutscht als einer, der nur alle fünf Wochen an den Strom darf."
Die Dame verwechselt drei verschiedene Dinge und stellt unhaltbare Behauptungen auf, die einem Techniker die Nackenhaare hochstehen lassen. Korrekt wäre:
1. Neue Akkus ALLER Akkutypen (außer Bleisammler) sollten VOR der ersten Benutzung komplett geladen werden. Und zwar deutlich länger, als die Akkuanzeige am Gerät es anzeigt. Typischerweise geben Hersteller 10-16 Stunden an. Der Vorgang nennt sich Formatierung und ist wichtig, damit der Akku seine volle Kapazität entfalten kann und macht auch für die Ladeelektronik und Akkuanzeige des Gerätes Sinn, die sich an Delta-V und Ladeschlussspannung justieren. Beschädigt werden die Akkus jedoch nicht, auch wenn man die Erstladung nicht korrekt durchführt, jedoch werden sie dauerhaft eine geringere Kapazität haben.
Übrigens werden Akkus in ungeöffneten Orginalverpackungen NIEMALS vorgeladen verkauft. Dass das neue Handy dennoch einen teilweise geladenen Akku anzeigt, liegt am Herstellungsprozess des Akkus und der noch nicht justierten Anzeige des Handys. Wenn möglich sollte man also sofort laden, um das Maximum aus dem Akku herausholen zu können.
2. Alle Akkus erreichen erst nach einigen Ladezyklen ihre volle Kapazität. Das ist normal. Der so genannte Formatierungsvorgang ist mit dem ersten Laden noch nicht beendet. Nach ca. 6 vollständigen Zyklen ist das Maximum der Akkukapazität erreicht und die Alterung des Akkus beginnt. Es war nie eine Pflicht und auch kein Gerücht, erst einmal mehrmals laden zu müssen. Was erzählt die Tante da nur? Es ist einfach nur eine Tatsache, dass man nach der ersten Ladung noch keine verlässlichen Aussagen zu Standbyzeiten eines Gerätes treffen kann, weil der Akku noch unformatiert ist.
Korrekt (wenn auch unvollständig) am Artikel ist nur, dass neue Akkutypen wie Li-Ion und Li-Pol keinen Memoryeffekt haben, im Gegensatz zu allerdings teilweise noch immer verwendeten Akkutypen in z.B. Rasieren, el. Zahnbürsten etc. (meist Ni-HM mit geringem Memoryeffekt und manchmal noch mit Ni-Cd mit starkem Memoryeffekt). Die Behauptung (kein Memoryeffekt) trifft also nicht auf alle Elektrogeräte zu, was man erwähnen sollte. Die alten Akkutypen haben übrigens auch Vorteile: Längere Lebensdauer und geringere Selbstentladung. Daher gibt es sie noch in Geräten, wo es nicht so sehr auf hohe Kapazität ankommt.
3. Die Herstellerangaben über Ladezyklen ergeben sehr wohl einen Sinn. Sie bedeuten, dass ein fabrikneuer Akku nach Ablauf der angegebenen Ladezyklen (bei LiIon meist 300 vollständige Ladezyklen) nur noch die Hälfte seiner maximalen Kapazität hat. Bei nur teilweisen Ladezyklen dauert es länger. Insbesondere wenn die Ladung nie Maximum oder Minimum erreicht, erhöht sich sogar die Lebensdauer. Wer, wie ich, sein iPhone also täglich lädt (leider laden muss) und dies mit einem teilweise geladenen Akku tut, dürfte länger als 1 Jahr an seinem Akku Freude haben (Apple nennt eh 400 Ladezyklen, vielleicht stimmt es sogar). Insbesondere, wenn man auf die vollständige Ladung verzichtet, was ich allerdings nicht tue, weil die Kapazität eh zu gering ist. Wer hingegen sein Handy mehrmals täglich in eine KFZ-Freisprecheinrichtung mit Ladevorrichtung ein- und ausbaut, wird seinen Akku sehr schnell verschleißen. Viele kurzzeitige Ladevorgänge sind das Schlimmste, was man dem Akku antun kann (von Überladung und Überhitzung mal abgesehen, was bei technisch intakten Geräten aber nicht passieren kann).
Liebe Kollegen, wieso veröffentlicht Ihr immer wieder solchen sinnlosen Agenturmeldungen, die von technischer Unkenntnis geprägt sind? Von teltarif.de erwarten insbesondere Laien, dass die technischen Artikel geprüft und korrekt sind, denn sie verlassen sich drauf. Man stelle sich vor, das Feuerwehr-Magazin würde immer mal wieder von explodierenden Autos in Aktionfilmen bereichten ohne zu kommentieren, dass dies so wie gezeigt unmöglich ist, solange kein Pyrotechniker nachgeholfen hat. Wäre doch blöd, insbesondere für Eingeklemmte in brennenden Fahrzeugen, denen aus Angst keiner hilft. O.k., der Vergleich hinkt, aber die Richtung sollte klar sein...
Übrigens: Wieso veröffentlicht Ihr einen neuen schlechten ddp-Artikel, wenn Ihr das gleiche Thema schon mehrfach hattet. Die hier im Forum verlinkten Vorgänger-Artikel waren korrekt. *kopfschüttel*