Benutzer CyberAndi schrieb:
> Ausser Frage steht dass frühere Festnetz-Schnurlos-Telefone
> nach dem C1+ Standard wesentlich weniger strahlten und auch
> nicht die (vermutet gefährliche) gepulste Strahlung aussenden.
Ich habe noch nie gehoert, dass die Strahlung von (analogen) Fernseh- und Mittelwellensendern gefaehrlicher sei als die von UKW-Rundfunksendern. Dabei haben Fernsehsender erhebliche gepulste Anteile (Bildwechselfrequenz 50 Hz); bei alten Fernsehgeraeten hat man z.B. ein Brummen (aus dem Lautsprecher) gehoert, wenn ein kontrastreiches Bild (z.B. durch eingeblendete Schrift) uebertragen wurde.
Wuerde man einen Brummton mit einem Mittelwellensender (also mittels Amplitudenmodulation) abstrahlen, dann kaeme praktisch dasselbe heraus wie die gepulste Strahlung bei DECT oder bei GSM-Handys. Das kann jeder selber machen: Ein CB-Funkgeraet mit Amplitudenmodulation hernehmen, Brummton in die Mikrofonbuchse einspeisen, fertig ist die gepulste Strahlung mit einer Spitzenleistung von 4 Watt. (DECT-Basisstationen haben AFAIK eine Spitzenleistung von 0,1 Watt.)
IMHO hat sich durch die jahrzehntelange Erfahrung in der Ton- und Fernseh-Rundfunktechnik herausgestellt, dass es bezueglich der EMVU (Elektromagnetische Vertraeglichkeit-Umwelt) keine Unterschiede bzgl. gepulster und nicht gepulster Strahlung gibt.
> Und bei C1+ (also analogem Funk) wurde auch nur gefunkt,
> während man wirklich telefonierte. Dagegen funken DECT-Telefone
> und Basisstationen unentwegt.
AFAIK senden bei DECT nur die Basisstationen dauernd, die Telefone nicht.
> Warum lässt man nun den Verbrauchern keine Wahl, zu entscheiden
Die Mehrheit duerfte DECT bevorzugen, weil es (ausser vielleicht fuer Polizei und Geheimdienst) nicht abhoerbar ist und weil die Qualitaet besser ist (kein Aussetzer alle 10 Sekunden wie bei CT1+). Hinsichtlich der Frequenzoekonomie ist es nicht sinnvoll, wegen einer kleinen Benutzergruppe, die an CT1+ festhalten will, die Frequenzen fuers analoge Schurlostelefon weiterhin frei zu halten.
> Ich finde es ziemlich unverantwortlich und unfair, dass hier
> mit allen Mitteln dieser DECT-Standard durchgesetzt werden
> soll.
Unverantwortlich waere es dann, wenn es wissenschaftlich begruendbare Anhaltspunkte dafuer gibt, dass DECT-Telefone in irgendeiner Form "ungesund" sind. Diese Anhaltspunkte gibt es AFAIK nicht.
Viele Leute stellen sich vor, digital sei hart, es gebe steilflankige Impulse, ein Trommelfeuer gehe nieder, und die digitalen Signale seien etwas neues, etwas, mit dem man noch keine Erfahrungen habe. Die steilflankigen Impulse muessen jedoch "abgerundet" werden, wenn man sie mittels der hochfrequenten Traegerschwingung bei 1900 MHz uebertragen will, weil sonst die Bandbreite des HF-Signals viel zu gross waere¹. Aus den Rechteck-Impulsen wird quasi ein Impuls mit sinusfoermigen "Hubbeln" zur Uebertragung. Auf Empfaengerseite kann dann (z.B. mit einem Schmitt-Trigger) wieder der urspruengliche Rechteck zurueckgewonnen werden.
Marcus
¹ Ein Rechteck-Signal, bei dem man (mittels eines Tiefpassfilters) die Oberschwingungen wegfiltert, wird zum Sinus.