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Fluxflux: schlankes Slackware-Derivat für's Netbook

Von Falko Benthin
AAA

Fluxflux 1 FluxFlux ist eine kleine, auf Slackware-Linux basierende Live-Distribution, die sehr ressourcenschonend daher kommt und damit ein ideales System für Netbooks abgibt. Es läuft als Livesystem, das sich bei Gefallen schnell auf dem Rechner installieren lässt. Mobicroco hat sich die aktuelle, als stabil markierte Version 2010.2 aus dem Juli dieses Jahres vorgeknöpft und etwas genauer angeguckt.

Vorbereitung

Windows-Nutzer haben es leicht, denn für sie haben die FluxFlux-Entwickler die Installations-Assistentin InA erschaffen, die auf dem GeexBox-Installer basiert und Anwendern dabei hilft, FluxFlux parallel zu Windows in Betrieb zu nehmen. Unter Linux ist es nicht ganz so einfach, aber auch nicht wirklich schwierig. Hier ist lediglich das FluxFlux-ISO-Image herunterzuladen und mittels "mount -t iso9660 -o loop,ro fluxflux-2010.2.iso /mnt" zu mounten. Anschließend sind alle in /mnt/ enthaltenen Dateien auf einen mit FAT32 oder ext2 (empfohlen) formatierten USB-Stick zu kopieren ("cp -ax /mnt/* /usbstick") und die in /usbstick/boot/ abgelegte, zum Dateisystem des USB-Sticks passende bootinst_xxx.sh auszuführen, um den USB-Stick oder die SD-Karte bootfähig zu machen. Diese muss eventuell im Vorfeld noch ausführbar gemacht werden ("chmod 755 /usbstick/boot/bootinst_xxx.sh").

Beim anschließenden Booten offeriert FluxFlux ein Auswahlmenu für eine Standard- und eine EeePC-Version. Während erstere für Desktop-Rechner, Note- und (andere) Netbooks gedacht ist, wurde die EeePC-Variante speziell an Eee PCs angepasst. Die Dauer des Bootvorgang hängt von der Lesegeschwindigkeit des USB-Sticks oder der SD-Karte ab und sollte sich auch bei auch bei langsamen Medien in einem erträglichen Rahmen halten.

Ausstattung

Fluxflux 2 Fluxflux setzt auf einen Kernel 2.6.32 und bringt eine runde Vorauswahl an Anwendungsprogrammen mit, so dass Nutzer gleich loslegen können. Die in unserem Testgerät Eee PC 901 verbaute Hardware funktionierte tadellos. Bei der grafischen Oberfläche entschieden sich die Entwickler anstelle einer Desktopumgebung für den Windowmanager OpenBox, der sehr sparsam mit den Systemressourcen umgeht und um die Mac OS X-ähnliche Dockleiste WBar ergänzt wurde. Um die Netzwerkeinstellungen zu konfigurieren, können Anwender auf das komfortable Wicd zurückgreifen, hier kann es vorkommen, dass noch das richtige WiFi-Netzwerkinterface eingestellt werden muss, bevor sich Wicd auf die Suche nach Funknetzwerken begibt.

Fluxflux 3 Standardmäßig sind in Fluxflux 2010.2 der Browser Firefox 3.6.8, der Mailclient Thunderbird 3.1.1, die Telefonieanwendung Skype, der Multimessenger Pidgin, der IRC-Client XChat und der FTP-Client gFTP enthalten. Darüber hinaus gibt es für netzaffine Nutzer auch noch Hilfsprogramme zum Aufbau von UMTS-Verbindungen, zur Samba- und OpenVPN-Konfiguration. Für die Büroarbeit haben die Entwickler OpenOffice.org 3.2.1, Abiword 2.8.6 sowie den Dokumentenbetrachter Evince beigelegt, für multimediale Abschweifungen gibt es Xine 0.99.5 und Mplayer, die Webcamanwendung wxCam, den Bildbetrachter Geeqie, die Bildbearbeitung Gimp sowie den Audioplayer Xmms. Mit GnomeBaker, Xfburn und Simpleburn sind in Fluxflux gleich drei Brennprogramme enthalten.

Nutzung

Fluxflux 4 In der Nutzung gibt sich Fluxflux zahm. Das System ist auf der Höhe der Zeit und bringt für die meisten Einstellungsfragen grafische Konfigurationsprogramme mit. Die anfänglich für Netbookmonitore etwas zu große Schriftart ist schnell via "Einstellungen -> GTK-Stil ändern" angepasst. Werden zusätzliche Programme benötigt, können sich Anwender aus den reichhaltigen Slackware-Repositories bedienen, für die Paketverwaltung ist das grafische Werkzeug GSlapt enthalten. Dateien lassen sich mit dem Werkzeug PCMan von einem Verzeichnis ins andere schubsen, der Systemmonitor GKrellm plauscht kontinuierlich über den Systemzustand. Als Editoren sind Leafpad und Pico vorhanden, für Fernseheulen mit DVB-T-Dongles sind Scripte vorhanden, die Sendersuchlauf, Fernglotzabend und Aufnahme starten.

Installation auf Festplatte

Fluxflux 5 Gefällt das Live-System, kann es mit Hilfe des mitgelieferten Installers auf die Festplatte des favorisierten Rechners installiert werden. Der Installationsdialog ist zwar nicht so komfortabel wie der eines *buntus, trotzdem sollten auch Anfänger die Installation problemlos meistern können. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Passwörter in den Dialog-Feldern im Klartext angezeigt werden, so dass die Installation etwas für das abseits gelegene Kämmerlein ist. Die Installation geht innerhalb weniger Minuten über die Bühne, anstelle eines Fortschrittbalkens prangt ein "Bitte Geduld, die Daten werden auf den Datenträger kopiert ..." auf dem Bildschirm. Ist der Kopiervorgang abgeschlossen, richtet Fluxflux noch den Bootmanager Grub auf dem Zielmedium ein. Hier ist Obacht zu geben, dass die Vorgaben systemabhängig von den Voreinstellungen abweichen können und diese Einträge ggf. zu ändern sind. Ist das alles erledigt, kann Fluxflux von schnellen Medien gestartet werden.

Fazit

Fluxflux 6 Fluxflux ist eine Distribution, die sich durch kleine feine Details von Marktführern wie *buntu abhebt, die durchaus einen Versuch wert ist. Das System ist klein und performant, ohne dass Anwender Abstriche beim Komfort machen müssen. Die sinnvolle Vorauswahl der Software ermöglicht es, dass Anwender für fast alle gewöhnlich anfallenden Einsatzszenarien ein passendes Werkzeug finden. Bis auf die Grub-Konfiguration bei der Festplatten-Installation gibt sich das System sehr anfängerfreundlich, im Rechner verbaute Hardware wurde in unserem Test vollständig erkannt und anstandslos eingebunden. Bevor sich Anwender für Fluxflux entscheiden, können sie das System aufgrund der Livebetriebsfähigkeit ausgiebig testen. Neben dem Einsatz als Hauptsystem kann Fluxflux auch parallel neben einem bereits installierten Windows oder als Rettungssystem verwendet werden.