Angriffsziel Laptop-Akku
Die Integration moderner Elektronik steigt gemäß dem
Mooreschen Gesetz immer weiter. In der Folge werden nicht nur
die primären CPUs immer leistungsfähiger. Auch periphäre Elektronik,
von der man früher nicht einmal erwartet hätte, dass dort überhaupt
eine CPU sitzt, wird zunehmend mit immer schnelleren Rechenwerken
und immer mehr Speicher zur Aufnahme der Firmware ausgestattet.
Vor- und Nachteile dieser Entwicklung liegen oft nah beieinander:
Beispiel Notebook-Akku: Ein von Haupt-CPU- und -Betriebssystem
unabhängiges Power-Management kann minutiös die entnommene Leistung
mitprotokollieren und ermöglicht so eine sehr genaue Füllstandsanzeige
für den Benutzer. Ebenso kann es Ladestrom und -spannung optimal in
Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur steuern und so mithelfen,
die Akkulebensdauer zu verlängern. Andererseits können Programmierfehler
im Power-Management zu obskuren Fehlfunktionen eines Akkus führen.
Wurm drin
Wenn sich gar das Akku-Mangement über den Datenbus, mit dem es
mit dem Hauptcomputer verbunden ist, umprogrammieren lässt, droht
Gefahr: "Bestenfalls"
stürzt nach einer Umprogrammierung nur die Akku-Firmware ab und macht
den Akku unbrauchbar. Läuft hingegen die Firmware fehlgesteuert
weiter, kann es zu unsicheren Betriebszuständen des Akkus kommen,
wie drastischer Über- oder Unterladung. Zwar sollten analoge
Sicherheitsschaltkreise in diesem Fall für eine Notabschaltung des
Akkus sorgen, aber der Sicherheitsabstand zu den Betriebsparametern,
ab denen es gefährlich wird, ist bei einer Notabschaltung durch die
Sicherheitsschaltkreise im Vergleich zu einer Regelabschaltung durch
die Firmware, immer reduziert.
Weiterhin ist denkbar, dass ein Angreifer im Akku (oder jeder
anderen Firmware, wie sie in immer mehr Komponenten eines Computers
zu finden ist) gar Schadcode unterbringt, über den das Hauptsystem
regelmäßig beim Systemneustart infiziert wird. Die Treiber, die die
Kommunikation mit anderen Systemkomponenten übernehmen, sind oft
etwas nachlässig programmiert und weisen entsprechende Schwachstellen
auf: Hacker-Angriffe
erwartet
man aus dem Netz, nicht über den Umweg
über die Firmware eines Akkus oder einer Festplatte.
Dass es aktuell gerade Apple doppelt erwischt hat
(SIM-Unlock per Spezial-SIM und
unveränderte Akku-Firmware-Passwörter)
sollte man nicht überbewerten: Beim Akku-Hack fehlt zum Glück noch
der Rückweg, über den veränderte Firmware den Rechner wieder angreifen
kann. Und nach SIM-Unlocks wie Jailbreaks wird bei den Apple-Geräten
immer schon intensiver gesucht als anderswo. Schließlich kommen diese
auch dem Nutzer entgegen, wenn er sein iPhone "befreien" will.