
Das neue Firefox-OS auf dem Alcatel OneTouch Fire
Der Neuzugang
Firefox OS
ist eines der heißen Themen des diesjährigen
Mobile World Congress. Steht
doch die Mozilla Foundation für maximale Offenheit und Transparenz,
was es den eigenen Code angeht, und zugleich für maximale
Verschlossenheit, was es die Daten der Nutzer angeht. Auch soll der
Nutzer weder die Einstellungen ändern noch gar sein Telefon rooten
oder jailbreaken müssen, um Anwendungen aus Drittquellen zu
installieren. Das neue mobile Betriebssystem der Mozilla-Stiftung
steht für Freiheit statt Kontrolle. Etwas, wonach sich nicht nur
viele Tk-Journalisten, sondern auch User sehnen. Doch leider hat
das Betriebssystem bei einem ersten Test auf Alcatel-Smartphones
keinen guten Eindruck hinterlassen.
Die Besonderheit von Firefox OS ist, dass alle
Anwendungen und Dienste mit HTML5 und Javascript implementiert sind.
Es gibt keine Programmiersprache für native Apps mehr, wie zum
Beispiel Objective-C für iOS
oder Java für Android. Auf diesem
Weg erhält man Einfachheit und Stabilität: Läuft der
Browser stabil,
kann keine App mehr crashen. Doch bei unseren Tests auf der
Messe wurde der Preis offenbar, der dafür zu zahlen ist, nämlich
Performance.
Firefox OS auf dem Alcatel OneTouch Fire getestet
Firefox OS war auf dem getesteten
Alcatel OneTouch Fire viel zu langsam, um ein flüssiges Bediengefühl
zu erreichen. Selbst in einfachen Einstellungs-Menüs dauerte es bei
unseren Tests teils eine Sekunde,
bis nach dem Berühren einer Schaltfläche eine Aktion sichtbar wurde,
zum Beispiel das Umschalten in ein Untermenü oder die Aktivierung
eines Ein-/Aus-Knopfes.

Das Menü des Alcatel OneTouch Fire
Bei einer kleinen Spiele-App gaben wir den
Versuch, diese zu starten, nach 20 Sekunden entnervt auf.
Verschärft wurde das Problem der kleinen und größeren Verzögerungen
dadurch, dass kurze Antipper teils gar nicht angenommen wurden.
Der Nutzer muss also immer die "Gedenksekunde" abwarten, um
herauszufinden, ob das Gerät die letzte Eingabe nur langsam oder
eben gar nicht bearbeitet hat.
Die weiteren Hardware-Einschränkungen des Alcatel OneTouch Fire - es
ist deutlich kleiner als die meisten aktuellen Smartphones, zugleich
dicker, und der Bildschirm löst schlechter auf, bei erheblich
höherer Blickwinkelabhängigkeit als die Masse der Konkurrenzgeräte -
wären hinnehmbar, wenn man sich den günstigen Preis von unter
100 Euro vor Augen hält. Irgendwo muss man Abstriche machen.
Aber ein Gerät mit "Feuerfuchs" zu titulieren, und dann eine lahme
Ente abzuliefern, das wird zu Ärger und Enttäuschung bei den Usern
führen.
Eindruck bestätigt sich beim Testen des ZTE open
Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt Firefox OS auch auf dem
zweiten getesteten Gerät, dem ZTE open: Die Reaktion ist langsam,
wenn auch nicht ganz so langsam wie auf dem OneTouch Fire. So
manches auf dem Testgerät installierte Spiel ließ sich gar nicht erst
starten, bei anderen blieb der Bildschirm lange dunkel, bevor überhaupt
der Splash-Screen und der Ladebalken sichtbar wurden. Man fühlt sich
in die Zeiten der Java-Spiele auf Feature Phones zurückversetzt.

Das ZTE open mit
Firefox OS
Der Browser des ZTE open lädt die teltarif-Startseite in
der Web-Version in akzeptabler Zeit und scrollt darin auch halbwegs
flüssig. Die Mobil-Version ist erstaunlicherweise nicht viel schneller.
Beide haben eine recht hohe Verzögerung nach dem Klicken eines Links,
bis das Laden der nächsten Seite beginnt. Dieser Test deutet darauf
hin, dass vielleicht gar nicht der Browser die Hauptbremse ist, sondern
möglicherweise die Kommunikation von Touch-Events vom Linux-Betriebssystem
zum Browser hängt.
In der aktuellen Version ist Firefox OS also nicht mehr, als
ein Spielzeug oder eine Machbarkeitsstudie. Schön, dass es überhaupt
funktioniert. Und hoffentlich wird bis zum Erscheinen der ersten
Geräte noch kräftig an der Performance-Schraube gedreht. Das würde
nicht nur dem neuen mobilen Betriebssystem gut tun, sondern auch dem
Desktop-Browser Firefox, dessen Javascript-Engine heutzutage der
Webkit-Konkurrenz à la Safari oder Chrome teils deutlich
hinterhinkt. Mal schauen, was sich hier bis zur Auslieferung der
ersten Geräte noch tut.
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