Firefox-Downloads

Browser-Auswahl: Bis zu 9 Millionen weniger Firefox-Downloads

Nach Reaktivierung steigen Downloadzahlen um 150 Prozent
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Microsoft soll seinen Windows-Nutzern eine Auswahl alternativer Browser anzeigen.Microsoft soll seinen Windows-Nutzern eine Auswahl alternativer Browser anzeigen. Der Browser Firefox wurde nach Angaben von der Mozilla Foundation wegen eines Fehlers seitens Microsoft spürbar seltener heruntergeladen. Damit liegen nun erstmals Daten vor, die die Wirkung der fehlenden Browser-Auswahl durch Microsoft belegen sollen. Insgesamt soll der Browser bis zu neun Millionen weniger Downloads generiert haben. Eine EU-Entscheidung im Jahr 2009 hatte Microsoft verpflichtet, seinen Windows-Nutzern alternative Browser anzubieten, da der Verdacht bestand, Microsoft versuche, seine Marktmacht im Bereich der Desktop-Betriebssysteme auf den Browsermarkt auszudehnen, in dem der Konzern den Internet Explorer kostenlos mit dem Betriebssystem bündelt.

Bis zu 9 Millionen weniger Firefox-Downloads

Die Grafik, die von Harvey Anderson, einem Mitarbeiter der Rechtsabteilung von Mozilla, veröffentlicht wurde, zeigt den Rückgang der Downloads sehr deutlich. Pikanterweise steigen die Downloadzahlen wieder beträchtlich, seitdem Microsoft den Auswahlbildschirm wieder anzeigt. In absoluten Zahlen sei die Zahl der Downloads stellenweise auf nur 20 000 Downloads am Tag gesunken. Bei angenommenen durchschnittlichen 50 000 Downloads am Tag kommen unter dem Strich rund 8,7 Millionen Downloads weniger zusammen. Da diese Zahlen nicht Eins-zu-Eins auf den gesamten 15-Monatszeitraum zu extrapolieren sind, stellt Anderson etwa sechs bis neun Millionen fehlende Downloads fest.

Die Neun-Millionen-Lücke: Die rot markierte Fläche steht für fehlende Downloads durch die nicht angezeigte Browserauswahl.Die Neun-Millionen-Lücke: Die rot markierte Fläche steht für fehlende Downloads durch die nicht angezeigte Browserauswahl. Interessant ist die Entwicklung der Downloads nachdem Microsoft den Auswahlbildschirm wieder anzeigt. Hier ist eine deutliche Steigerung erkennbar, wenngleich die Zahl der Downloads nicht ständig über 50 000 liegt. Um bis zu 150 Prozent seien die Zahlen nach oben geschossen. Harvey Anderson zeigt sich deshalb auch prinzipiell mit der EU-Entscheidung von 2009 zufrieden: Die nicht angezeigte Auswahl habe die Effektivität der Entscheidung deutlich gemindert. Es ist davon auszugehen, dass auch andere Browser-Hersteller ebenfalls einen Rückgang der Downloadzahlen zu verzeichnen haben.

Hintergrund: Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft

Im Jahr 2009 wurde Microsoft in einem Wettbewerbsverfahren durch die EU dazu verdonnert, alternative Browser zur Installation anzubieten. In diesem Auswahlfenster stehen neben den Branchengrößen wie Firefox, Chrome und Opera auch einige weniger prominente Browser zur Auswahl. Die Reihenfolge der angezeigten Browser-Alternativen soll bei jedem Erscheinen des Fensters nach dem Zufallsprinzip erfolgen. Microsoft sagt, ein technischer Fehler habe dazu geführt, dass der Auswahlbildschirm nicht angezeigt wurde. Dies betreffe Windows-Installationen mit installiertem Service Pack 1 für Windows 7. Im Juli 2012 sei der Fehler gemeldet worden. Microsoft will den Fehler binnen weniger Tage behoben haben. Nun droht dem Software-Konzern aus Redmond ein drakonische Strafe durch die Wettbewerbshüter aus Brüssel. Die maximale Strafe kann bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Noch hat Microsoft die Gelegenheit, sich gegenüber der EU-Kommission zu äußern.

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