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Festnetznummer: So funktioniert die "Homezone" beim Handy

Überblick: Hier bekommen Sie die Festnetznummer für das Handy
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Kennen Sie noch das "Häuschen auf dem Display"? Mit diesem Symbol haben einst Viag Interkom und der Nachfolger o2 die Homezone angezeigt. o2 war seit 1999 Vorreiter der Branche, ging es darum, unter einer Festnetznummer auch auf dem Handy erreichbar zu sein. Heute bieten dieses alle vier Netzbetreiber an. Doch wie funktioniert das ganze technisch? Woher weiß die Festnetznummer, wo sie klingeln muss und woher weiß das Handy, ob der Homezone- oder der Mobilfunktarif gilt? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen. Während Sie auf der zweiten Seite lesen, wie die Homezones heute realisiert werden, erfahren Sie auf der dritten Seite, wer die Festnetznummer auf dem Handy heute anbietet.

Rückblick: Bei Genion-Einführung 1999 war ein Handygespräch noch Luxus

Das Häuschen auf dem Display - inzwischen ist es aber quasi ausgestorbenDas Häuschen auf dem Display - inzwischen ist es aber quasi ausgestorben Viag Interkom führte die Homezone kurz nach dem Netzstart 1998 dann im Jahr 1999 ein. Damals war es eine Revolution. Unter einer Festnetznummer auf dem Handy erreichbar zu sein bedeutete für viele, dass sie keinen Festnetzanschluss mehr brauchten. DSL und Internet spielten noch nicht die Rolle wie heute. Zudem waren die Preise für Telefonate vor 14 Jahren auf einem ganz anderen Niveau. Für ein Gespräch vom Festnetz zum Handy zahlte man umgerechnet bis zu 50 Cent. Heute liegen die Preise bei 2 bis 5 Cent pro Minute.

Nutzbar war die Viag-Interkom-Homezone nur dort, wo Viag sein Netz ausgebaut hatte. Das war ausschließlich in Ballungszentren der Fall. Auf dem Land gab es ein Roamingabkommen mit anderen Netzbetreibern. Damals gab es auch nur einen Netzstandard: GSM. UMTS war zwar angedacht, die Lizenzen aber noch nicht einmal vergeben, an LTE dachte noch niemand. Daher war es für Viag Interkom und später o2 vergleichsweise einfach, die Homezone umzusetzen.

Zu Beginn lag die Homezone auf der SIM-Karte

Der Netzbetreiber bediente sich der Möglichkeit, die Homezone - einfach ausgedrückt - auf der SIM-Karte zu hinterlegen. Die Homezone ließ sich mathematisch errechnen und auf der SIM speichern. Durch über das Netz ausgestrahlte Koordinaten und somit eindeutige IDs konnte ermittelt werden, ob sich der Nutzer in der Homezone aufhält oder nicht. Möglich machten das die so genannten Gauß-Krüger-Koordinaten zusammen mit einem Übertragungsverfahren im Mobilfunknetz, das heute in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist - dem CellBroadcast. Beim CellBroadcast, das nur im GSM-Netz möglich ist, gibt es verschiedene Kanäle, über die wie beim Radio Informationen übertragen werden. Wie beim Radio funktioniert das, da das Handy den Empfang nicht bestätigt, sondern einfach empfängt und bei Aktivierung auf dem Display anzeigt. Zeitweise wurde CellBroadcast beispielsweise genutzt, um Nachrichten zu übertragen. Vodafone übermittelte seinen Kunden hierüber die Vorwahlbereiche, die die Kunden gerade zum Ortstarif anrufen konnten (wandernde Cityzone).

Viag/o2 nutzt den CellBroadcast-Kanal 221, um eine Zahlenkolonne zu übertragen. Diese Zahlen beschreiben den genauen Standort des Senders, den das Handy gerade nutzt. Alle möglichen Sender bzw. Zahlenkolonnen, die sich in der Homezone befinden, werden auf der SIM-Karte hinterlegt. Diese Information kommen mit einer stillen SMS auf die SIM-Karten. Bei einem Anruf erfolgte dann die Überprüfung, ob sich der Nutzer in der Homezone befindet oder ob er außerhalb ist. Diese Informationen wurde dem Netz übermittelt und der Anruf zur Festnetznummer wurde durchgestellt oder auf die Mailbox umgeleitet.

UMTS-Netze und neue Handys machten Änderungen notwendig

Bei UMTS-Netzen gibt es kein CellBroadcast mehr. Stattdessen werden nur bestimmte Cell-IDs, die für den Homezone-Bereich infrage kommen, ans Handy geschickt. Beide Funktionen werden nach Angaben von o2 heute allerdings nur noch bei Kunden unterstützt, die einen alten Vertrag haben und im Besitz eines älteren Mobilfunk-Geräts sind. Denn inzwischen lassen die Betriebssysteme der Hersteller keine spezifischen Providerkonfigurationen diesbezüglich mehr zu.

Wie das heute genutzte, neue o2-Verfahren funktioniert und welche Verfahren die Telekom und Vodafone für ihren @home- bzw. den Zu-Hause-Bereich anbieten, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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