Nachgefragt

Festnetz: Günstige Gesprächspreise zum Handy nicht in Sicht

Festnetzanbieter sehen keinen Bedarf zur Preissenkung
AAA

Laut den Vollanschlussanbietern nutzen die meisten Kunden nicht das Festnetz, um ein Handy anzurufenLaut den Vollanschlussanbietern nutzen die meisten Kunden nicht das Festnetz, um ein Handy anzurufen Vergangene Woche hat die Bundesnetzagentur als Regulierer des Telekommunikationsmarktes neue Interconnection-Preise für Gespräche in die deutschen Mobilfunknetze festgelegt. Diese Vorleistungspreise sind entscheidend für die Verbindungspreise bei Gesprächen in die jeweiligen Handynetze. Doch während der neue Interconnection-Preis bei 1,85 Cent pro Minute (netto) liegt, verlangen viele Anbieter von Telefonanschlüssen für Gespräche zu Handys immer noch Minutenpreise von 15 bis über 20 Cent pro Minute (brutto). Wir haben bei zahlreichen Festnetzanbietern nachfragt, ob man hier nun umdenken will und den Kunden auch günstigere Preise in die Mobilfunknetze anbieten wird.

Auf unsere Anfrage bei verschiedenen bedeutenden Vollanschlussanbietern bekamen wir binnen der gesetzten Frist nur wenig Feedback. Es scheint, als würden die Anbieter zu diesem Thema lieber keine Stellung nehmen. Doch auch die wenigen eingetroffenen Statements werden den Kunden wenig Hoffnungen machen, dass es in nächster Zeit realistische Preise für Gespräche zum Handy gibt. "Der überwältigende Anteil von Telefonminuten wird innerhalb des Festnetzes geführt", heißt es beispielsweise von EWE Tel. Und auch Tele Columbus konnte keine großen Gesprächsanteile zu Handys verzeichnen, wie uns ein Sprecher wissen ließ.

Es sei ein seit Jahren andauernder Trend, dass weniger Minuten aus dem Festnetz zum Handy telefoniert würden als vom Handy zum Handy. Begründet wird dieser Umstand damit, dass die meisten Handynummern in Handys gespeichert seien und die räumliche Flexibilität und der Komfort weitere wichtige Gründe seien, warum mehr Menschen auch zuhause zum Handy/Smartphone greifen würden. Unterstrichen würde dies durch Community-Flatrates, Netzflatrates und ähnliches. Auch bei einem reduzierten Festnetz-zu-Handy-Preis würden Kunden weiter die Handys vorrangig nutzen, ist EWE Tel überzeugt.

Einige Anbieter müssen Lieferverträge nachverhandeln

"Leider ist nicht in jedem Liefervertrag mit einem Carrier die Weitergabe von Kostenersparnissen durch Interconnection-Preissenkungen festgeschrieben", gibt easybell-Geschäftsführer Lars Urban gegenüber teltarif.de zu bedenken. Teilweise könne so etwas erst durch Nachverhandlungen erwirkt werden. Das betrifft vor allem jene Anbieter, die keinen direkten Interconnect mit den Mobilfunkanbietern haben, sondern die Gespräche einem Partner mit Interconnect-Verträgen übergeben. Dieses können beispielsweise die Telekom oder Telefónica sein. Diese Anbieter zahlen dann zwar den regulierten Interconnect an die Mobilfunker, berechnen ihren Kunden aber andere Minutenpreise, um auch Geld an dem Transit-Verkehr zu verdienen.

"Eine Korrektur der Endkundenpreise wird demnach nie bei allen Anbietern gleichzeitig erfolgen", so easybell. Selbstverständlich sei man aber bemüht, mögliche Preissenkungen so schnell wie möglich an die Kunden weiterzugeben. easybell berechnet seinen Vollanschlusskunden in der Regel nur 9,9 Cent pro Minute, während zahlreiche Mitbewerber in diesem Markt Minutenpreise um 20 Cent verlangen. Dass die Preise der Mitbewerber ebenfalls auf einem hohen Niveau liegen, ist auch ein gerne genanntes Argument der Netzbetreiber, ebenfalls hohe Minutenpreise anzubieten.

Kabel Deutschland verweist auf Tarifoptionen zur Kostensenkung

Die Gesprächspreise zum Handy aus dem Festnetz werden wohl so schnell nicht sinken.Die Gesprächspreise zum Handy aus dem Festnetz werden wohl so schnell nicht sinken. Auch Kabel Deutschland sieht mit der aktuellen Tarifstruktur "ein ausgewogenes und auf dem Markt führendes Preis-Leistungs-Verhältnis". Die Kunden hätten die Möglichkeit, "mit einer Vielzahl von Optionen die Telefontarife, auch zu Mobilfunknummern deutlich zu reduzieren". Der Entscheid der Bundesnetzagentur zu den neuen Terminierungsentgelten habe "zunächst nur indirekte Auswirkungen auf Kabel Deutschland". Der Kabelnetzbetreiber verweist darauf, dass die Mobilfunkanbieter Möglichkeit hätten, Rechtsmittel einzulegen. Der Preisfestsetzungsprozess sei somit noch nicht abgeschlossen. "Dennoch evaluieren wir, welche Auswirkungen eine Preisänderung für Kabel Deutschland und für unsere Kunden haben könnte", heißt es bei Kabel Deutschland abschließend. Auch dem bayerischen Vollanschlussanbieter M-net ist es aktuell noch zu früh, um über mögliche Anpassungen zu sprechen.

Auch o2 argumentiert in Bezug auf seine DSL-Tarife, dass diese sich durch Community & Family Flatrates auszeichnen, "in der unter anderem Gespräche ins Mobilfunknetz abgedeckt sind". Terminierungsentgelte würden dabei ebenso berücksichtigt "wie kontinuierliche Investitionen in Netzinfrastrukturen und neue Technologien sowie ein hochwertiger Kundenservice".

Dass die Preise für Call by Call, einem Dienst, der nur Telekom-Anschluss-Kunden zur Verfügung steht, deutlich niedriger sind, ist für die Anbieter kein Argument." Für die einzelne Minute entstehen uns keine höheren Kosten als den Call-by-Call-Anbietern. Allerdings bieten die mit reinen Call-by-Call-Minuten auch ein deutlich abgespecktes Leistungsportfolio an", ließ uns Andreas Mayer, Leiter des Produktmarketing Standardprodukte bei EWE Tel wissen. Damit zielte er darauf ab, dass die reinen Leitungsvermittler andere Marketing-, Personal-, und Rahmenkosten hätten, als ein Vollanschlussanbieter. Dass der Interconnect-Preis nur eine Teilkomponente der "Gesamtpreis-Festlegung" sei, argumentierte auch M-Net in seiner Stellungnahme. Eigene Netzkosten, Grundkosten für die Bereitstellung und Vorhaltung der Dienste "sowie nachhaltiger Kundenservice sind neben einigen weiteren Faktoren Kerngrößen, die bei der Bildung von Preisen zu berücksichtigen sind", argumentiert der Netzbetreiber.

Alternativen für die Kunden: Handy, VoIP und Callthrough

Kunden von Alternativanbietern, die entgegen der Annahme der Anbieter auch zum Handy telefonieren wollen, sollten sich ob der hohen Preise nach Alternativen umsehen. Wer eine All-Net-Flatrate für das Handy gebucht hat, sollte ohnehin mit dem Handy telefonieren, schließlich sind die Gespräche ja "schon bezahlt". Aber auch Nutzer eines Discounter sollten eher zum Handy greifen. Bis zu einem Minutenpreis von 9 Cent sind die Gespräche dann mit dem Handy in jedem Fall günstiger als über das Festnetztelefon.

Alternativ lässt sich auch ganz einfach über Callthrough-Anbieter telefonieren - auch ohne Anmeldung. Dazu können verschiedene 0180-Nummern genutzt werden, die jeweils 9 Cent pro Minute kosten. Hier meldet sich ein Vermittlungscomputer, die eigentliche Handynummer wird eingetippt und die Verbindung aufgebaut. Gezahlt wird nur die Verbindung zur 0180-Nummer. Nachteil: Die Berechnung läuft, sobald der Computer das Gespräch annimmt, also auch wenn der Gegenüber besetzt ist oder nicht ans Handy geht. Genutzt werden können beispielsweise die Nummern 01803-002693, 01803-010280, 01803-110086 oder 01803-031078. Wichtig: Vom Handy aus wird bei der Anwahl dieser Nummern ein Minutenpreis von bis zu 42 Cent pro Minute berechnet.

Letztlich gibt es noch die Internettelefonie, mit der sich Geld sparen lässt. Viele DSL-Router unterstützen das SIP-Protokoll. Entsprechende Anbieter können dann in die Anlage eingespeichert werden und so programmiert werden, dass Gespräche zu Handynummern automatisch über diese Anbieter geführt werden. Entsprechende Anbieter finden Sie in unterem VoIP-Tarifrechner.

Mehr zum Thema Regulierung Terminierungsentgelte