Benutzerfreundlichkeit

"Hallo Fernseher, umschalten": Neue Konzepte für die Bedienung

Mit zunehmendem Funktionsumfang der Fernseher ist einfache Bedienung gefragt
Von mit Material von dpa
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Dass die Bedienung von elektronischen Geräten in der Zukunft viel einfacher wird, wissen Kenner bereits aus Star Trek. Der Versuch des Ingenieurs Scotty, per Sprache mit einem Computer aus dem Jahr 1986 Kontakt aufzunehmen, führt auch heute noch zu sicheren Lachern. Doch die Technik entwickelt sich weiter: Das Kommando "Hallo Fernseher, Kanal hoch" könnte in der nächsten Zeit durchaus Einzug in die Wohnzimmer halten. Dieser Tage wird auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die Zukunft des Fernsehens vorgestellt. Sp präsentiert der koreanische Hersteller Samsung einen neuen Fernseher, der aufs Wort hört.

Schön anzusehen: Samsung-FernseherModerne Fernseher können immer mehr - das erfordert neue Konzepte für die Bedienung. Noch hat das, was der Elektronik-Konzern dort vorstellt, wenig mit der Realität im Wohnzimmer der meisten Zuschauer zu tun. Viele haben mittlerweile schöne große Flachbildschirme, aber wer darauf YouTube-Videos, Blockbuster aus der Online-Videothek oder Urlaubsfotos von seinem PC gucken will, muss meistens umständlich auf der Fernbedienung herumtippen, falls er überhaupt das richtige Menü findet. Denn die neuen Fernseher können zwar immer mehr, werden aber auch immer komplizierter.

Die Branche weiß um das Problem - und will Abhilfe schaffen. "Ich glaube, dass 2012 das Jahr der Benutzeroberfläche wird", sagt Shawn Dubravac, Forschungsdirektor der Consumer Electronics Association (CEA). Die Steuerung der Geräte wird aufgeräumter und eleganter, lautet die Prognose des Experten. Die Technologie trete künftig immer mehr in den Hintergrund und erlaube eine "natürliche Interaktion". Etwa mit intuitiven Fernbedienungen - bislang eine Rarität - sowie mit Stimme und Gesten, wie bei Samsung demonstriert.

Die Zauber-Fernbediehnung

Einen Ansatz hat LG bereits im vergangenen Jahr vorgeführt: Der koreanische Hersteller verkauft einige Modelle mit einer "Magic Remote", übersetzt: Zauber-Fernbedienung. Sie ermöglicht es, mit Fingergesten durch Menüs zu navigieren. Die neue Generation des Steuergerätes hat auch ein Mikrofon und gehorcht auf Sprachkommandos. Zudem hat LG eine 3D-Kamera entwickelt, die Bewegungen registriert und umsetzt. Beides - Sprach- und Gestensteuerung - bietet Microsoft mit seiner Xbox-Steuerung Kinect schon länger.

Sony zieht nun nach: Wie LG bringt der japanische Konzern eine Fernbedienung heraus, die neben Fingerbewegungen auch Sprachbefehle versteht. Zudem enthalten alle neuen Fernseher des Herstellers ein WLAN-Modul und lassen sich somit ohne Kabelsalat ans Netz anschließen.

Mit Sprachsteuerung will auch Lenovo punkten. Der chinesische Konzern, der in Las Vegas überraschend seinen Einstieg ins umkämpfte TV-Geschäft angekündigt hat, setzt dabei auf das Betriebssystem Android: Die Sprachsteuerung der Software soll die Navigation erleichtern, die Gesichtserkennung als Kindersicherung dienen. Die Chinesen nutzen dabei nicht Google-TV, also die offizielle Fernseh-Software des Internetriesen, sondern eine selbst angepasste Variante, die auf der aktuellsten Android-Version 4.0 basiert. Allerdings wird der Android-Fernseher IdeaTV K91 zunächst nur in China auf den Markt kommen.

Für mehr Übersicht im Wirrwarr der Kanäle sollen auch neue Medienzentralen sorgen - zum Beispiel bei Sharp. Dessen "Smart Central" sortiert vor: Videos, Musik, Spiele, Soziale Netzwerke und Fotos werden zusammengefasst. Auch populäre Web-Dienste wie YouTube, Netflix und Skype fallen darunter. Samsung hat das Bedienungsmenü ebenfalls überarbeitet und nennt es "Smart Hub".

Und was macht Apple?

Dass die Unternehmen sich so viele Gedanken machen, hat auch mit einem Konkurrenten zu tun, der gar nicht nach Las Vegas gereist ist: Apple. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass dieser bald einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen will. Schon jetzt lassen sich Apple-Geräte sehr leicht miteinander vernetzen.

Der Apple TV genannten Set-Top-Box war bisher allerdings kein durchschlagender Erfolg beschieden. Es handelt sich dabei um ein Gerät, das keine Fernsehprogramme empfangen kann, sondern Filme, Musik oder Fotos vom Computer auf den Fernseher überträgt. Per AirPlay können im lokalen Netzwerk auch Inhalte von iPod, iPhone oder iPad eingespielt werden. Insofern wäre es nur konsequent, wenn Apple nun auch ein spezielles Apfel-Gerät für den Fernseh-Konsum heraus bringt. Mit Siri gibt es ja bereits eine funktionierende Spracherkennung für die einfache Bedienung.

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