Fernsehen

DVB-T: Hintergründe zur Fernseh-Technologie

Durch DVB-T ergaben sich gegenüber dem früheren analogen Fernsehen sowohl für den mobilen als auch den stationären Empfang neue Einsatzmöglichkeiten. Mit DVB-T2 steht schon ein Nachfolge-Standard in den Startlöchern, der die bisherige Technik zwischen 2017 und 2019 ablöst.
Vom teltarif.de-Team zusammengestellt
Kommentare (991)
AAA
Teilen (64)

DVB-T: Details zur TechnikDVB-T: Details zur Technik DVB-T ist neben Kabel und Satellit die dritte Möglichkeit das TV-Programm als Multicast zu empfangen. Während sich bspw. beim Fernsehen übers Internet die Übertragung als Unicast individuell von Anschluss zu Anschluss unterscheidet, wird beim Multicast ein und dasselbe Signal von der Sende-Anlage ausgestrahlt und bei jedem Empfangsgerät gleichermaßen aufgefangen. Einige private Sender haben versucht im Antennenfernsehen ein Pay-TV-Konzept zu etablieren. Während dies bei DVB-T gescheitert ist, wird das Bezahlfernsehen im Nachfolge-Standard DVB-T2 durchgesetzt. Und der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern. Eine Ablösung von DVB-T durch DVB-T2 ist in Deutschland zwischen 2017 und 2019 geplant. In gesonderten Artikeln finden sich die wesentlichen Details der Umstellung und alles Wissenwerte über DVB-T2.

DVB-T: Die Technik

Per DVB-T werden, je nach Region, zwischen acht und über 30 Fernseh-Programme ausgestrahlt. Die Übertragungs­frequenzen von DVB-T entsprechen den vom analogen Rundfunk bekannten UHF- und VHF-Kanälen. Mit der digitalen Ausstrahlungs­technik lassen sich diese Kanäle effizienter ausnutzen, da mehrere Sender pro Kanal übertragen werden können. Möglich wird dies durch das Modulations­verfahren COFDM, das die Bandbreite in mehrere tausend Einzelträger aufteilt. Jeder dieser Einzelträger wird dann per QPSK, 16-QAM oder 64-QAM moduliert. Dabei wird generell als Kompressions­standard MPEG-2 verwen­det. In einigen Regionen und für das Pay-TV-Konzept wurde zusätzlich das Format H.264/MPEG-4 eingesetzt. Neben einer besseren Bild- und Tonqualität wurde die Effizienzsteigerung genutzt um Teile des Frequenzbandes als Digitale Dividende für die Mobilfunknetze freizugeben. Diese nutzten den zusätzlichen Frequenzen um schnelles Breitband-Internet auszubauen. Somit fand quasi eine Umverteilung der Bandbreiten vom Multicast des DVB-T zum Unicast durch LTE. Im Jahr 2010 wurde die Umwidmung des 800-Mhz-Bandes durchgeführt und 2015 mit der geplanten Einführung von DVB-T2 die Verwendung des 700-MHz-Bands an die Mobilfunk-Anbieter verkauft.

Auf Seiten des Zuschauers ist in der Regel eine Zimmer- oder Dachantenne notwendig um das Funksignal aufzufangen sowie ein digitaler DVB-T-Receiver (Tuner), welcher die codierten Daten in Bild und Ton überträgt. Nahezu alle neu verkauften Fernseher besitzen heute einen integrierten DVB-T-Tuner. Mit dem ebenfalls weit verbreiteten HbbTV Standard in neueren Fernsehgeräten lässt sich das digital-terrestrische TV-Signal durch ein vielfältiges und stetig erweiterbares Online-Angebot, wie Mediatheken, Apps, Programm-Guides, Livestreams etc. erweitern.

Mobiler TV-Empfang mit DVB-T

Die Einführung von DVB-T hat den günstigen und einfachen TV-Empfang auch unterwegs möglich gemacht. Tragbare Mini-DVD-Player mit integriertem Bildschirm und DVB-T-Empfangsteil sind schon für unter 100 Euro zu bekommen und USB-Empfänger, die Laptop oder Tablet zum tragbaren Fernseher und Videorekorder machen, gibt es bereits ab zehn Euro. Einige Tablets bringen auch einen integrierten DVB-T-Empfänger mit - Handys mit DVB-T konnten sich dagegen auf dem Markt nicht etablieren. Eine konstante Signalübertragung ist prinzipiell auch bei höheren Geschwindigkeiten möglich und sorgt so für eine mobile Nutzung bei der Autofahrt. Allerdings sind hierfür spezielle Antennen notwendig, da es sonst zu häufigeren Bildausfällen kommen kann.

Pay-TV-Vorhaben über DVB-T gescheitert

Heinrich-Hertz-Turm in HamburgNeue Sende-Anlagen für die Umstellung auf DVB-T. Dies wird auch für DVB-T2 erforderlich sein.

Zahlen und Fakten rund um die Digitalisierung
Durch die Einführung von DVB-T ist es möglich geworden, Programme verschlüsselt zu übertragen, was beim analogen Antennenfernsehen in der Form nicht möglich war. Verschlüsselte Pay-TV-Programme gab es daher zuvor nur via TV-Kabel oder Satellit. Einige Privatsender wollten die Einführung von DVB-T nutzen, um Pay-TV via DVB-T zu verbreiten. In den Regionen Stuttgart und Halle/Leipzig übertrug der Anbieter Viseo+ daher Programme der RTL-Gruppe (RTL, Vox, Super RTL und RTL II) grundverschlüsselt, so dass für deren Empfang ein besonderer Receiver notwendig war. Mit einem kostenpflichtigen Abonnement wurden weitere Programme verfügbar. Dieses Vertriebs­modell konnte allerdings nur wenige Kunden an sich binden, insbesondere da die öffentlich-rechtlichen Programme weiterhin mit herkömmlichen DVB-T-Geräten empfang­bar waren. Nach einer fünfjährigen Laufzeit wurde dieser Verbreitungs­weg daher Ende 2014 eingestellt. Allerdings wird mit der Umstellung auf DVB-T2 das Pay-TV-Konzept der Privatsender abermals eingeführt.

Unter den Multicast TV-Technologien spielt die DVB-T eher eine untergeordnete, ergänzende Rolle. Vor allem durch den kostenlosen Empfang wie auch die mobile Nutzung abseits des TV via Internet findet DVB-T seine Daseinsberechtigung. Noch ist nicht abzusehen, ob die angepriesene Verbesserung der Bildqualität bei DVB-T2 genug Anreize für die Verbraucher bieten wird, um für unbegrenztes Full-HD-Fernsehen auch den entsprechenden Preis zu zahlen.

Teilen (64)

Mehr zum Thema DVB-T