Fernsehgipfel

TV-Branche sieht Zukunft in nichtlinearem Angebot

Noch geringe Werbeerlöse, aber hoher Zuspruch der Zuschauer
Von der Anga Cable in Köln berichtet
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Smart-TV als Erweiterung zum klassischen FernsehenSmart-TV als Erweiterung zum klassischen Fernsehen Dass Smart-TV keine Konkurrenz für das klassische Fernsehen, sondern eine interessante Erweiterung ist, darin waren sich beim Fernsehgipfel auf der Anga-Cable alle einig. Mit dabei waren unter anderem Brian Sullivan (Sky-Chef), Karola Wille, (Intendantin des MDR), Conrad Albert (Vorstandsmitglied ProSiebenSat.1), Christian P. Illek (Marketing-Chef Deutsche Telekom) und Manuel Cubero (Vorstandsmitglied Kabel Deutschland) sowie Michael T. Fries (CEO vom Unitymedia-Mutterkonzern Liberty Global).

Fries beschrieb im Rahmen des Podiums, was seine Branche gut könne und was nicht. Man sei erfolgreich und gut darin, schnelle Leitungen zur Verfügung zu stellen und Zugriff auf TV-Inhalte zu gewähren. Doch es scheitert bei allem, was darüber hinaus geht. Sei es, die Inhalte auf anderen Endgeräten wie Tablets zu sehen oder Internet auf die Set-Top-Boxen zu bringen.

Second Screen als Buzzword

Second Screen war eines der Buzzwords auf dem Fernsehgipfel. Gemeint ist der Zuschauer, der parallel zum TV-Signal mit Smartphone, Tablet oder PC im Internet surft - im Idealfall um zusätzliche Infos zur Sendung zu bekommen oder sich mit anderen über die Sendung auszuschauen. Als erfolgreiches Beispiel für Second Screen aus dem eigenen Hause nannte Conrad Albert von ProSiebenSat.1 die Begleitung von The Voice of Germany, die im Internet nach seinen Angaben 18 Millionen Abrufe erzielte. Allerdings gab er zu bedenken, dass sich aktuell mit dem Internet-Angebot nur begrenzt Geld verdienen ließe. Die Werbekunden würden eher nach der wirklich hohen Reichweite fragen - und das sei noch das lineare TV.

Die Sendergruppe investiere aber viel in neue Technologien und setze darauf, mit Smart-TV zusätzlich Werbeerlöse erzielen zu können. Dass der Sender trotz schwacher erlöse auf die neuen Verbreitungswege setzt, kommentierte er mit den Worten "Man darf die Zuschauer nicht zwingen, das Signal auf einen bestimmten Weg zu schauen, sonst verliert man." Auch Brian Sullivan, als Sky-Chef selbst Chef einer Vielzahl linearer Sender, ist Fan von nichtlinearen Fernsehen. Er schaue dann, wenn er Zeit habe, sagte er. Möglicherweise ein Grund für die Einführung von Sky Go aber auch Sky Anytime, die genau dieses ermöglichen. Sky selbst sei zwar kein Technologieanbieter, habe aber trotzdem ein hohes Interesse, den Kunden eine gute Nutzungserfahrung zu bieten. Das wirke sich schließlich auf die Kundenzufriedenheit aus. Und diese sorgt dafür, dass die Kunden weiterhin zahlen.

MDR-Intendantin Wille hat mit dem aktuellen nichtlinearen Angebot keine Probleme. Fragen kommen ihr aber, wenn die Integration von nichtlinearen Inhalten auf den TV-Bildschirm zunimmt. "Wie finden die Nutzer einen dort und wie wird man einsortiert", fragte sie sich. Deswegen sind die Sender auch eher skeptisch, geht es um Angebote wie das geplante Google TV. Hier spielen zudem noch Monetarisierungsgründe mit. Die Sender wollen nicht, dass mit ihren Inhalten jemand Drittes Geld verdient.

Telekom-Marketing-Chef Illek hielt sich in dieser Runde erstaunlich weit zurück. Dabei hätte der mit dem gestern angekündigten Entertain to Go ein Beispiel anbringen können, wie die Telekom den von Michael T. Fries angesprochenen Problemen begegnet.

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