Mobilfunknetz

Sure Signal: Vodafone will ab Sommer Femtozellen anbieten

Offerte vorerst nur für Geschäftskunden geplant
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Huawei UAP 3801 Huawei UAP 3801 Mit dem Start des digitalen Mobilfunks war ein entscheidendes Kriterium: Welcher Anbieter versorgt mein Einsatzgebiet besser? Gab es zu viele Funklöcher, konnte man seinem Anbieter mit Kündigung drohen. Oft wurde ein Bautrupp in Marsch gesetzt, um das vorhandene Funkloch zu schließen oder einen vorhandenen Sender irgendwie zu optimieren. Bei Minutenpreisen von bis zu umgerechnet 1 Euro hatten die Netzbetreiber noch Lust, ihre Netze möglichst dicht auszubauen.

Seit einiger Zeit herrscht bei den Kostenrechnern der Mobilfunkanbieter der grundfalsche Eindruck vor, als ob Deutschland längst flächendeckend versorgt sei. Ein Ausbau diene nur noch dazu, um mehr Kapazität (mehr Daten-Bandbreite, schneller Übertragung) bereit zu stellen.

Bauen die Kunden ihr Netz jetzt selbst aus?

Da neue Basisstationen eine umfangreiche Genehmigung und viel organisatorischen Vorlauf brauchen und da ihr Anblick nicht nur bei Ästheten mitunter "Kopfschmerzen" verursachen kann, hat sich eine alternative Lösung abgezeichnet: die Femtozelle. Das ist eine sehr kleine Mobilfunk-Basisstation, der in den Räumen des Kunden steht und eine relativ geringe Reichweite hat, etwa wie die Basisstation eines schnurlosen DECT-Telefons.

In dieser Femtozelle steckt eine spezielle SIM-Karte, über die festgelegt wird, welche Geräte darüber telefonieren und surfen dürfen. Die für das Handy bestimmten Signale transportiert die Femtozelle über eine vorhandene schnelle Internetleitung (z.B. einen DSL-Internetzugang) zum Netzbetreiber. Ein Online-Tool erlaubt es dem Kunden, im Router einzutragen, wer diese Zelle nutzen darf und wer nicht. Vodafone UK bietet "Sure Signal" schon länger an, bei Vodafone Griechenland wurde die Technik SIMA getauft.

Die englischen Sure-Signal-Geräte funken übrigens nur via UMTS-Technologie, reine GSM-Geräte können sie daher nicht versorgen. Die von Vodafone Deutschland angedachten Router sollen nach Foren-Berichten entweder für acht oder 24 Nutzer geeignet sein. Dabei ist noch unklar, ob es sich dabei um die Zahl der Nutzer handelt, die gleichzeitig online sein können oder ob es sich hier um die Maximalzahl der möglichen Nutzer eines Routers handelt, die allerdings nicht alle zur gleichen Zeit anwesend (sprich eingebucht) sein müssen. Nur wenn die Teilnehmerkennung der genutzten SIM-Karte (IMSI) in der Femto-Zelle eingetragen ist, kann ein Gerät sie nutzen.

Telekom: Nur für Eigenbedarf und ausgewählte Geschäftskunden

Nach ersten Betriebsversuchen in Großbritannien ist das Thema Femto-Zelle auch nach Deutschland herübergeschwappt. Die Deutsche Telekom experimentierte hierzulande mit Femtozellen, die über einen eigens von der Telekom Deutschland exklusiv dafür bereitgestellten DSL-Anschluss angebunden wurden. Diese Telekom-Router blieben dabei in Eigentum und Hoheit der Deutschen Telekom.

Die Telekom bot Femtozellen 2009 in einem Nutzer-Test für Privatkunden an. Heute setzt sie diese nur in einigen funktechnisch heiklen Fällen bei Geschäftskunden und in verschiedenen Telekom-Shops ein. Privatkunden, die am Friendly-User-Test teilnahmen, können ihre Femtozelle auch heute noch zum Einsatz bringen. Eine generelle Einführung stehe aber "derzeit nicht im Fokus", so ein Sprecher in Bonn gegenüber teltarif.de,

In den USA bietet T-Mobile USA schon länger einen traumhaften Dienst an: Mobilfunkgespräche können automatisch vom GSM-Handy auf einen heimischen WLAN-Router "gehandovert" werden, ohne dass die Verbindung abreißt. In Deutschland sei dieser Service nicht geplant, da hier die Funkversorgung wesentlich besser sei, so der damalige T-Mobile und heutige Telekom-Chef, Rene Obermann.

Femtozellen bei Vodafone - Nur für Geschäftskunden

Bei Vodafone in Düsseldorf ist man längst einen Schritt weiter. Verschiedene Geschäftskunden wurden zu Produktpräsentationen von "Sure Signal" gebeten und berichteten anschließend ausführlich im Internet. Die Sure-Signal-Femtozelle könne vom Kunden an einen vor Ort bereits vorhandenen schnellen Internetzugang eines beliebigen Internetproviders angeschlossen werden. Das könne auch ein Mitbewerber von Vodafone sein. Auf Nachfrage wurde angekündigt, dass es im August 2012 losgehen solle.

Femtozellen in Deutschland bei Vodafone ab August

Die von uns befragte Pressestelle von Vodafone Deutschland wollte nur den Start im August bestätigen, weitere Details (wie technische Voraussetzungen und vor allen Dingen die Preise) wolle man erst im August bekannt geben. Konkreter wurde eine Vodafone-Mitarbeiterin im Vodafone-Kundenforum: "Da die Umsetzung und Erweiterung einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellt, wird 'Femtocell' bzw. 'Sure Signal' für Privatkunden zum derzeitigen Kenntnisstand nicht zur Verfügung stehen. Businesskunden jedoch können sich freuen, eine Einführung ist für Sommer 2012 geplant."

Dabei klagen Vodafone-Kunden in verschiedenen Regionen schon länger über zeitweise erschreckend niedrige Datenraten im einst als "bestes Netz" getesteten Mobilfunknetz von Vodafone. Mit Femtozellen, die über einen stationären Internetanschluss versorgt werden, ließe sich lokal viel Last aus dem mobilen Netz nehmen und die Indoor-Versorgung würde sich drastisch verbessern. Längst verwenden viele Mobilfunkkunden ihr Handy auch indoor und rühren ihren Festnetzanschluss kaum noch an.

Der Kommentar:

Manchmal hat man den Eindruck, dass der flächenmäßige Grundausbau mit GSM-Mobilfunk bei allen Mobilfunkanbietern weitgehend zum Erliegen gekommen zu sein scheint, obwohl es noch genügend Funklöcher gibt, wo absolut gar nichts geht, auch mitten in dicht besiedelten Ballungszentren. Zwar werden immer mehr vorhandene Sendestationen mit HSPA oder gleich mit LTE ausgerüstet. Aber neue Stationen, welche langjährig beklagte Funklöcher dauerhaft schließen könnten, kommen fast kaum noch dazu, von einigen Ausnahmen abgesehen. So wird berichtet, dass Vodafone einige Seitentäler des Schwarzwaldes ganz alleine ausgebaut habe, weil den Kollegen von Telekom, E-Plus oder o2 diese Region wohl als "nicht lohnend" erschienen sei.

Selbst auf viel befahrenen Bundesstraßen muss mit empfindlichen Funklöchern gerechnet werden, besonders wenn diese durch Wald oder enge Täler führen, wo ein Funkloch nicht mit nur einem Sendemast gestopft werden kann. Die viel beschriebenen "weißen" Flecken, die von neuen LTE-Sendestationen abgedeckt wurden, betragen in erster Linie stationäre Internet-Nutzer, zumal mobiles Telefonieren über LTE derzeit offiziell noch gar nicht möglich ist.

Auch in mitunter gut geschirmten Wohn- oder Geschäftshäusern wären Femtozellen für die Netzbetreiber kostenmäßig optimal: Der Kunde kauft oder mietet sich seine eigene BTS und erspart dem Netzbetreiber die Kosten für Miete und Betrieb einer großen Station, deren Genehmigung sich hinziehen oder auch verweigert werden kann. Die Kehrseite der Medaille: Diese neuen möglicherweise vagabundierenden Stationen ("Ich nehme meine Zelle zu meinem Kumpel mit") müssen jederzeit und möglichst vollautomatisch ins Netz eingepasst werden, damit sie andere Stationen und Kunden nicht stören.

Es ist eine Philosophie-Frage, wem eine solche Femto-Zell "fernmelderechtlich gehören" soll. Gehört sie dem Netzbetreiber, dann hat sie den gleichen Status wie der Sendemast auf dem Gebäude oder der Sendeturm auf dem Berg. Dabei sind die Genehmigungen für eine Femtozelle im Vergleich unkritisch, da die Sendeleistungen unendlich viel niedriger sind. Sofern die Femtozelle dem Kunden gehört, muß der - schon aus Schutz vor Rechtsstreitigkeiten um nicht lizensierte Downloads - seinen Router für "fremde" Nutzer wirksam sperren können oder nur "befreundete" Teilnehmer reinlassen.

Immerhin: Vodafone scheint den ersten Schritt zu gehen und will das Produkt "Sure Signal" seinen Geschäftskunden anbieten. Man sollte schleunigst bald auch eine Lösung für interessante Privatkunden vorsehen. Denn unzufriedene Kunden könnten - schneller als es dem Anbieter lieb sein kann - zu einem anderen Anbieter mit besserer Versorgung wechseln. Und während das früher völlig unbemerkt passierte, wird das heute im viralen Internet breit diskutiert, was weitere Kunden zu einem Netzwechsel "anstiften" kann.

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