IT-Gipfel

Fahrplan im Handy: Kampf um öffentliche Daten

Deutschland liegt bei Open Data im internationalen Vergleich hinten
Von mit Material von dpa
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Jonas WittDer Student Jonas Witt auf dem IT-Gipfel in Essen. Seine App "Fahrinfo" stellte Jonas Witt 2008 in den App Store für Apples iPhone. Das kleine Programm des heute 25-jährigen Studenten am Hasso-Plattner-Instituts liefert aktuelle Fahrpläne und Verbindungen für den Berliner Nahverkehr direkt auf das Smartphone. "Ich habe die App veröffentlicht, um zu schauen, was passiert", erzählt Witt.

Tausendfach wurde "Fahrinfo" auf Smartphones installiert, lediglich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schätzten den Service zunächst nicht. Die BVG forderte Witt damals auf, die Netzpläne aus urheberrechtlichen Gründen zu entfernen und hatte Bedenken wegen Schadenersatzklagen, sollte die fremde App eine falsche Auskunft geben. Inzwischen ist die App mit einem Vermerk versehen, dass sie kein offizielles Produkt der BVG oder des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) sei und nur eine Oberfläche zur Abfrage des Internetfahrplans zur Verfügung stelle.

"Eigentlich sollte es kein Geheimnis sein, wann ein Bus oder eine Bahn fährt"

"Bei offenen Daten für den öffentlichen Nahverkehr ist Deutschland ein weißer Fleck in Europa", urteilt Jonas Witt beim IT-Gipfel in Essen. Entwickeln die Verkehrsunternehmen nicht selbst Apps, hätten freie Programmierer kaum Chancen, an die nötigen Daten zu kommen. Fahrinfo BerlinDie App Fahrinfo wurde tausendfach installiert. Apps für Nahverkehrs-Fahrpläne sind in den Download-Plattformen gemessen an der Größe Deutschlands dünn gesät. Von Witts Firma metaquark zum Beispiel gibt es noch Fahrinfo-Apps für München, Stuttgart und Dresden.

"Eigentlich sollte es kein Geheimnis sein, wann ein Bus oder eine Bahn fährt", sagt Witt. Trotzdem machen nur wenige öffentliche Verwaltungen und Unternehmen ihre Daten im maschinenlesbaren Format zugänglich, damit freie Entwickler wie Witt neue Anwendungen mit zusätzlichen Nutzen programmieren können. Open Data wird dieses Prinzip genannt, das vorhandene Daten über Schnittstellen für alle Bürger verfügbar machen soll.

Deutschland liegt bei Open Data im internationalen Vergleich hinten

Dass Deutschland bei Open Data im internationalen Vergleich "noch recht weit hinten" liegt, hat verschiedene Gründe. Jonas Witt sieht vor allem ein Mentalitätsproblem: "Bei uns werden oft nur die Risiken und nicht die Chancen gesehen". Zudem werde Open Data durch die föderalen Strukturen in Deutschland gebremst, die viel Abstimmung und Rechteklärung zwischen den Beteiligten erfordern. Auf dem Gipfel werden die Themen digitale Wirtschaft und mobile Sicherheit behandelt.

Erst vor wenigen Monaten startete Google mit seinem neuen Dienst Transit für die Planung von Routen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Integriert ist jedoch nur Zugverbindungen der Deutschen Bahn im Nah- und Fernverkehr. Mittlerweile steht Google in Verhandlungen mit weiteren Verkehrsbetrieben, wie etwa dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV).

Vor eineinhalb Jahren gründete Jonas Witt mit drei Bekannten die Firma Metaquark. Das kleine Unternehmen bietet systemübergreifende App-Marktplätze für Unternehmen an, die ihre Mitarbeitern mit internen und öffentlichen Apps für ihre mobilen Geräte versorgen wollen.

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