Ortung

Facebook will via App Nutzer und deren Freunde überwachen

Streit zwischen Facebook und Datenschützern vorprogrammiert
Von mit Material von dpa
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Freunde über Smartphone-App aufspürenFreunde über Smartphone-App aufspüren Facebook will mit einer neuen Anwendung laut einem US-Medienbericht den aktuellen Aufenthaltsort seiner Mitglieder verfolgen, um sie über Freunde in ihrer Nähe zu informieren. Die App solle Mitte März herauskommen, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen berichtet. Der Entwickler Peter Deng soll für die Ortungs-App von Facebook verantwortlich sein. Außerdem sollen die Entwickler von Gowalla und Glancee ihren Beitrag zur App geleistet haben. Das Programm solle auf einem Smartphone ständig im Hintergrund laufen, auch wenn es nicht geöffnet sei, hieß es. Mit den Daten könnte Facebook seinen Nutzern auch ortsbezogene Werbung einblenden.

Eine App, die stärker auf Ortungsdaten setzt, würde zum aktuellen Kurs von Facebook passen, das mobile Geschäft in den Vordergrund zu stellen. Die Mitglieder laufen schnell vom PC auf Smartphones und Tablets über. Im vergangenen Quartal griffen von den mobilen Geräten erstmals mehr tägliche Nutzer auf das Netzwerk zu als von Notebook oder Desktop. Bis vor kurzem war das Werbesystem von Facebook aber vor allem auf die PC-Welt ausgerichtet.

Im vergangenen Jahr begann das Netzwerk umzusteuern und die Werbeeinnahmen von mobilen Geräten machten zuletzt ein Viertel der Anzeigenerlöse aus. Werbung ist die wichtigste Geldquelle von Facebook, damit ist es überlebenswichtig, sich auf Smartphone und Tablet zu etablieren.

Ähnliche Dienste bietet auch Google mit Latitude an - hier kann der Nutzer ebenfalls seinen Standort mitteilen. Aber auch Apple hat mit Find my Friends einen solchen Dienst im Sortiment. Foursquare verfügt auch über derartige Eigenschaften.

Facebook und die Datenschützer

Eine solches Programm könnte für neuen Streit zwischen Facebook und den Datenschützern sorgen. Während die Nutzer der permanenten Erfassung ihrer Ortsinformationen durch eine neue App wohl ausdrücklich zustimmen müssten, sicherte sich Facebook in seinen Nutzungsbedingungen bereits die grundsätzliche Erlaubnis, für seine Dienste auch GPS-Daten zu verarbeiten.

Interessant dürfte sein, welche Einstellungsmöglichkeiten die neue App von Facebook mitbringt. Immerhin sollte für den Nutzer die Möglichkeit bestehen, seine privaten Daten selber zu verwalten. Bereits in der Vergangenheit ist Facebook, aber auch Google und Apple, ins Visier der Datenschützer geraten, da die Unternehmen Daten von ihren Nutzern sammeln.

Deutsche Datenschützer zeigten sich beispielsweise besorgt, dass sich bei Facebook mit seiner über einer Milliarde Nutzern zu viele Informationen über zu viele Menschen in einer Hand sammelten. So sahen sie zum Beispiel die automatische Gesichtserkennung in Facebook-Fotos sehr kritisch, die Nutzern helfen sollte, Freunde schnell in Bildern zu markieren. Die Funktionen wurde nach Einwänden der Datenschützer in Europa auf Eis gelegt.

Erst zu Beginn des neuen Jahres hat das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein die Datenschützer dazu aufgerufen, eine Stellungnahme bezüglich des Streits mit Facebook um den Klarnamenzwag abzugeben.

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