
Kein Einsatz der Spionage-Software
bei Facebook
Die Staatskanzlei hat nach Kritik ihre Pläne
verworfen, eine spezielle
Software zur Beobachtung sozialer Netze
einzusetzen. "Nach genauer Betrachtung der bereits vorhandenen
Möglichkeiten und der Kosten (...) habe ich entschieden, dass das
Projekt nicht weiter verfolgt wird", sagte Staatskanzleichef
Johannes Beermann (CDU) gestern laut Mitteilung seines
Hauses. "Wir verlassen uns da in Zukunft weiter auf repräsentative
und wissenschaftlich fundierte Bevölkerungsumfragen, die für unsere
Arbeit sehr hilfreich sind."
Die Pläne, Konten von Facebook-Nutzern auszuspähen, um Meinungen
der Bürger zu Wahlkampfzwecken zu sammeln, waren in den vergangenen Tagen immer wieder diskutiert
worden. "Ich halte das für eine Schnapsidee, die von wenig
Fingerspitzengefühl zeugt", sagte SPD-Generalsekretär Dirk Panter
der Nachrichtenagentur dpa. Eine solche Software habe einen
"Touch von staatlicher Überwachung". "Das löst Unbehagen aus. Es gibt
so viele Meinungsforschungsinstitute, die auch Web-Monitoring
anbieten." Das mache eine Software im eigenen Haus überflüssig. "Mir
ist unklar, wie das datenschutzrechtlich funktionieren soll."
Heftige Kritik nach Bekanntwerden der Pläne
Grünen-Politiker Johannes Lichdi hatte das Begehren der
Staatskanzlei unlängst mit einer Anfrage im Parlament öffentlich
gemacht. "Meinungsforschung gehört nicht zu den Kernaufgaben des
Staates", erklärte der Landtagsabgeordnete. "Ich finde es mehr als
bedenklich, wenn die Staatsregierung die Kommunikation unter
Zuhilfenahme IT-gestützter Verfahren überwacht, wie auch immer
auswertet und qualitative Schlüsse für ihre Politik zieht", sagte er
und warf der Regierung ein "anmaßendes Staatsverständnis" vor.
Innenminister Markus Ulbig (CDU) hatte Lichdi im Auftrag der
Staatskanzlei geantwortet. Für deren Aufgaben sei es wichtig, "ein
Bild von der Diskussion bestimmter gesellschaftspolitischer Themen zu
erhalten". Zur Aufgabenerfüllung der Regierung gehöre heute "zwingend
auch die Beobachtung der öffentlichen Debatte im Internet, um auf
Krisen und auf Besorgnisse der Bürger schnell und sachgerecht
reagieren zu können". Es gehe darum, "ohne einen Personenbezug
herzustellen, abstrakte Meinungsbilder zu erfassen, um - soweit
erforderlich - die Politik daran orientieren zu können".
Der Staatskanzleichef erklärte: "Die Ausschreibung einer Social
Monitoring Software war öffentlich und für jeden einsehbar. (...) Die
Verwaltung hatte das vorbereitet, ich habe mich heute erstmalig mit
den Ausschreibungsunterlagen und den Ergebnissen befasst." Allerdings
sehe er es kritisch, Steuergelder für eine zusätzliche Software
auszugeben, wenn man die frei im Internet verfügbaren Daten über
Suchprogramme ohnehin nach Stichworten durchforsten könne.
Heftige Kritik nach Bekanntwerden der Pläne
Wie bereits bei einer Vielzahl von Ideen zur Datenbeschaffung,
mussten die Beteiligten auch in diesem Fall aufgrund
heftiger Kritik von ihrem Vorhaben absehen. Ähnlich ist
es auch der Schufa ergangen, die zur Prüfung der Kreditwürdigkeit
die Facebook-Konten der Bürger nutzen wollte. Folglich scheint
es wenig verwunderlich, dass sich eine Großzahl der Social-Media-Nutzer
in den Netzwerken um die Sicherheit ihrer privaten Daten fürchten.
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