Bespitzelung

Facebook-Pseudonyme: Nutzer sollen Freunde-Namen verraten

Facebook verlangt Auskunft über Namens-Echtheit der Kontakte
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Unerlaubte Facebook-Pseudonyme: Nutzer sollen Freunde verratenBespitzelungsaktion bei Facebook Einige Facebook-Nutzer werden derzeit beim Login auf ihr Profil von dem sozialen Netzwerk mit einer Nachricht begrüßt, in der Facebook sie um ihre Hilfe bittet. Um "Facebook zu verbessern" wird ihnen ein Foto mit dazugehörigem Facebook-Namen eines Kontaktes angezeigt, dessen Echtheit die Nutzer bestätigen sollen. Facebook hat es dabei besonders auf Pseudonyme abgesehen - "Ist dies der echte Name deines Freundes?" lautet daher die Eingangsfrage im Dialog­fenster.

Das Fenster selbst kann nicht weggeklickt werden. Der Nutzer muss daher eine der vorgegebenen vier Antwort­möglich­keiten auswählen: "Ja", "Nein", "Ich kenne diese Person nicht" und "Ich möchte nicht antworten" stehen dabei zur Auswahl. Facebook informiert gleichzeitig, dass die Antworten anonym bleiben und keinen Einfluss auf das Konto des entsprechenden Freundes haben sollen. Betroffen von der "Bespitzelungs­methode" sind Nutzer weltweit.

Facebook erlaubt nur die echte Namen

Facebook ist seit langem dafür bekannt, alles von seinen Nutzern wissen zu wollen und diese privaten Informationen auch öffentlich zur Verfügung zu stellen. In seinen Nutzungs­bedingungen weist das Netzwerk daher auf explizit darauf hin, dass Nutzer sich mit ihrem echten Namen anmelden müssen. Ein unter einem Pseudonym laufender Account ist von Facebook nicht vorgesehen. "Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an und wir benötigen deine Hilfe, damit dies so bleibt" ist unter Punkt 4 der AGB "Registrierung und Sicherheit der Konten" zu lesen. Auch dürfen keine "keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook" bereitgestellt werden.

User, die ihren echten Namen nicht öffentlich preisgeben wollen, sind dem Netzwerk ein Dorn im Auge. Besteht der Verdacht, dass Nutzer einen falschen Namen angegeben haben, sperrt das Netzwerk das entsprechende Konto und schaltet es erst wieder frei, wenn die Kopie eines Ausweises vorliegt. Doch statt die betroffenen Nutzer selbst nach der Echtheit ihres Namens zu fragen, wendet sich Facebook an deren Kontakte. Betroffene sprechen daher von "Spitzel­nachrichten" und einer "Sauerei" durch "Stasibook", weiß das Online-Magazin heise zu berichten.

Facebook wird zum privaten Melderegister

Facebook selbst begründet die derzeitige Aktion mit dem Hinweis, die "Plattform sicherer" machen zu wollen. Doch die Bestimmung, echte Namen und Fotos bei der Registrierung eines Profils zu verwenden, schafft die Grundlage eines privaten Melderegisters, bei dem der Nutzer kaum Einsicht darüber hat, welche seiner Daten öffentlich sind. "Deine Kontakt­infor­mationen sind korrekt und du wirst sie auf dem neuesten Stand halten", so die Bestimmungen. Gleichzeitig heißt es jedoch: "Du erteilst uns die Erlaubnis, vorbehaltlich der von dir festgelegten Einschränkungen, deinen Namen und dein Profilbild in Verbindung mit diesen Inhalten zu verwenden."

Meldet sich ein Nutzer neu bei Facebook an, sind viele seine Angaben von Grund auf erst einmal öffentlich. Auch die Freundesliste gehört dazu. So erhalten Datensammler nicht nur den Namen mit dazu­gehörigem Foto einer Person, sondern auch Auskunft über dessen Kontakte. Andere Unternehmen haben längst den Vorteil des Informations-Speichers Facebook erkannt. So kündigte die Schufa vor Kurzem an, Facebook-Profile zur Daten­erfassung auslesen zu wollen - ein Plan, der aufgrund heftiger Proteste jedoch wieder fallen gelassen werden musste.

Gegenüber heise hat sich Facebook nun zu Wort gemeldet. Demnach handele es sich bei dem derzeitigen Vorgehen um einen begrenzten Test, mit dem Accounts bestätigt werden können. Facebook wolle durch die gesammelten Informationen Fake-Accounts ausfindig machen und somit die Sicherheit des Netzwerks erhöhen. Für die Nutzer ist die aktuelle Aktion jedoch einmal mehr ein Zeichen dafür, wie sehr Facebook bei der Nutzung seines Netzwerks mitmischt.

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