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Editorial: Facebook und die Zwangs-Mail-Adresse

Facebook geizt mit Informationen - dabei gäbe es einiges zu klären
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Kommentar: Facebook und die Zwangs-Mail-AdresseKommentar: Facebook und die Zwangs-Mail-Adresse Facebook führt - wie berichtet - eine grundlegende Neuerung ein: De facto bekommt zukünftig jeder Nutzer automatisch eine E-Mail-Adresse unter @facebook.com zugeteilt, die sich aus seiner so genannten Vanity-URL ableiten lässt. Bei dieser URL handelt es sich um eine Kurz-URL, die sich unter anderem aus dem gewählten Nutzernamen zusammensetzt. Auf den ersten Blick also quasi einfach ein integrierter Freemail-Service - klingt praktisch, doch ganz so simpel ist die Sache nicht.

Das Unternehmen informiert über die Neuerung lediglich per sechszeiliger Pressemitteilung ohne weitere Details und auch über die Pressevertreterin in Deutschland war nicht mehr zu erfahren.

Das knappe Informationspolitik öffnet natürlich mal wieder Spekulationen Tür und Tor: Die vor allem hierzulande sensiblen Datenschützer werden angesichts der bisherigen Erfahrungen mit Facebook befürchten, dass das Unternehmen manches Detail rund um den E-Mail-Dienst nicht gerade nutzerfreundlich löst - und Facebook versäumt es einmal wieder, mit dem Image der Geheimniskrämerei aufzuräumen.

Wichtige Fragen - und wenig Antworten

Denn es gäbe wichtige Fragen zu klären: Was stellt Facebook mit den durch den E-Mail-Verkehr gewonnenen Daten an - schließlich gewährt der Nutzer Facebook per se Zugriff auf externe Adressen, wenn er über den Facebook-Maildienst eine elektronische Mitteilung an einen Empfänger außerhalb von Facebook senden will? Knüpft das Unternehmen zum Beispiel auch hier an die Unsitte an, unbeteiligte Nutzer mit Einladungsmails ködern zu wollen?

Und auch der umgekehrte Fall könnte problematisch sein: Potenziell sind Nutzer per Mail ungewollt kontaktierbar. Anzunehmen, dass es hier eine Lösung geben wird, bei der Mails von extern geblockt oder gefiltert werden können. Welche Voreinstellungen gewählt sind, ist allerdings ebenfalls offen - und ob sich diese in allgemein verständlicher Weise ändern lassen, ist unklar.

Das Bewusstsein des Nutzers

Wie schon bei manch anderem Facebook-Feature könnte nämlich genau hier die Crux liegen: Viele Nutzer wissen gar nicht, welche Probleme die Nutzung in puncto Datenschutz mit sich bringen kann - und wie man diese Probleme, wenn man denn Facebook nutzen will, abmildert. Schon in der Vergangenheit konnte man sich mit gesundem Menschenverstand fragen, wer zum Beispiel tatsächlich freiwillig die Daten für sein E-Mail-Konto an Facebook abgibt, um sein Adressbuch zu öffnen. Viele unbedarfte Nutzer tun aber genau dies, denn Facebook wird eben nicht nur von Menschen genutzt, die sich um den Schutz personenbezogener Daten Gedanken machen und mit den Tiefen der Facebook-Menüs vertraut sind.

Apropos gesunder Menschenverstand: Für alle Facebook-Nutzer bliebe natürlich eine einfache Lösung für das Zwangs-E-Mail-Dilemma. Sie könnten auf die Nutzung der Adresse ganz einfach verzichten, zumindest solange die genauen Konditionen nicht geklärt sind. Doch auch abseits der Frage, ob Facebook dann nicht mit ständigen Information über neue Mails nervt, gilt auch hier: Viele Anwender werden sich solche Gedanken überhaupt nicht machen.

Mehr Transparenz

Aus Sicht des Nutzers wäre es daher natürlich sinnvoll, wenn das Feature nicht zwangsweise eingeführt würde - aus Sicht von Facebook dagegen ist die E-Mail-Integration ein logischer Schritt, da er die Nutzer noch mehr ans eigene Ökosystem bindet. Viele Bedenken hinsichtlich dieser Neuerung ließen sich aber aus der Welt schaffen, wenn die Kommunikation des Unternehmens stimmig wäre - sowohl gegenüber der Öffentlichkeit, als auch konkret gegenüber den jeweiligen Nutzern. Jetzt kann wieder nur die Praxis zeigen, was den Anwender bei der Facebook-Mail tatsächlich erwartet. Transparenz sieht auf jeden Fall anders aus.

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