Rückblick 2012: Höhen und Tiefen des Facebook-Börsengangs
26.12.2012 10:00
Kann Facebook wieder Vertrauen der Anleger gewinnen?
Von dpa /
 Facebook als Flop des Jahres?
Es sollte ein glorreicher Höhepunkt für Facebook
werden, ein Triumph der neuen Internet-Ökonomie - doch stattdessen
geriet der Börsengang des weltgrößten Online-Netzwerks zum Flop des
Jahres. Die Aktie kostet nur noch etwa halb so viel wie zum Start im
Mai und Besserung ist nicht in Sicht. Milliardenwerte haben sich in
Luft aufgelöst.
Es war eine Mischung aus Gier und Fehlern bei Facebook und den
Banken sowie einer Verblendung der Investoren, die das Debakel
heraufbeschwor. Ein Facebook-Börsengang war als das Mega-Ereignis
seit Jahren erwartet worden. Entsprechend hoch war der Druck. Jeder
neue Medienbericht über potenzielle Börsenbewertungen, die aus dem
Handel mit wenigen Mitarbeiter-Aktien hochgerechnet wurden, setzte
eine Markierung, unter die man nicht mehr ohne Gesichtsverlust gehen
konnte. Zudem sollen sich die Investoren im Vorfeld förmlich um die
Aktie gerissen haben.
Im Ergebnis kletterte der angepeilte Aktienpreis immer höher und
die Investoren mussten schließlich 38 Dollar pro Papier zahlen. In
den ersten Tagen nach dem Börsengang am 18. Mai hielt sich der Kurs
gerade noch über dieser Marke. Zum Debüt konnte man das Ausbleiben
eines Kurssprungs noch mit den massiven technischen Problemen
erklären, die den Handel mit Facebook-Aktien für Stunden lähmten. Die
Banken stützen den Kurs zunächst in der Hoffnung, dass er sich wieder
fängt.
Hunger der Investoren nach Facebook-Aktien gering
Doch schon wenige Tage später wurde klar: Facebook und seine
Banken hatten mit dem Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar den
Bogen überspannt. "Die Leute, die dachten, sie könnten diese Aktie
kaufen und einen enormen Sprung erleben, waren naiv", sagte
ausgerechnet der Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley, James
Gorman. Die Skeptiker, die schon lange warnten, ein Börsengang mit
dem außergewöhnlichen Verhältnis von 1:100 zwischen Jahresgewinn und
Börsenwert gehe nie gut, konnten sich bestätigt fühlen. Zum einen war
der Hunger der Investoren nach Facebook-Aktien dann doch nicht so
hoch wie die Banken und Facebooks Finanzchef David Ebersman meinten.
Zum anderen schwächte sich das Wachstum des Online-Netzwerks
ausgerechnet zum Gang aufs Parkett merklich ab. Facebook knackte zum
Herbst zwar die Marke von einer Milliarde Mitgliedern. Doch mehr als die Hälfte von ihnen greift auf den Dienst von Smartphones und
Tablets aus zu. Damit bekommen sie bisher kaum Werbung angezeigt und
Facebook verdient deutlich weniger an ihnen. Zuletzt ging das
Unternehmen mit Top-Managerin Sheryl Sandberg in die Offensive und
verkündete erste Erfolge mit neuen Werbeformaten, die Anzeigen direkt
in den Nachrichtenstrom der Nutzer einbringen - also auch auf mobilen
Geräten. Wie sich dies in Zahlen niederschlägt, bleibt jedoch
abzuwarten.
Kann Facebook wieder Vertrauen der Anleger gewinnen?
Der Gründer, Chef und Hauptaktionär Mark Zuckerberg stürzte durch
den Kursverfall in der "Forbes"-Rangliste der reichsten Amerikaner
von Rang 14 auf 36 ab. Sein virtuelles Vermögen schmolz von 17,5 auf
9,4 Milliarden Dollar. Anleger, die am ersten Börsentag Geld in
Facebook-Aktien gesteckt haben, verloren dagegen zum heutigen Stand
die Hälfte ihres ganz realen Geldes. Und gleichzeitig heimsten das Unternehmen und seine frühen Geldgeber wie der aus Deutschland
stammende Peter Thiel satte 16 Milliarden Dollar ein. Mark
Zuckerbergs Spruch am ersten Börsentag, das sei jetzt ein "ziemlich
großartiger Hack" gewesen, bekommt angesichts der späteren
Entwicklung einen entsprechend faden Beigeschmack.
Nach einer Serie von schlechten Nachrichten tauchte Mitte November
ein Hoffnungsschimmer auf: Einige Investoren deckten sich in großem
Stil mit Aktien ein als hunderte Millionen Papiere mit dem Ablauf von
Haltefristen frei handelbar wurden. Während ein weiterer Kurseinbruch
befürchtet wurde, legte die Aktie um zehn Prozent zu - zwar von einem
niedrigen Niveau aus, aber immerhin zeugt das von etwas mehr
Vertrauen der Anleger.
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