Angst bei Facebook: Investoren dürfen Aktien verkaufen
15.08.2012 15:45
Kurs fällt weiter - wohin geht die Reise von Facebook?
Von dpa /
 Facebook hat Angst
Mark Zuckerberg wird jeden Tag ein bisschen
ärmer. Der Gründer, Chef und Hauptaktionär von Facebook konnte beim
Börsengang seines Sozialen Netzwerks im Mai ein Vermögen von
19,4 Milliarden Dollar vorweisen, zumindest auf dem Papier. Er
schaffte es damit unter die 40 reichsten Menschen der Welt. Doch das
war einmal. Da der Facebook-Kurs seit Wochen fällt, ist der 28-jährige Zuckerberg heute nur noch rund zehn Milliarden Dollar
schwer.
Morgen könnte Zuckerbergs Vermögen weiter
schrumpfen. Denn eine regelrechte Flut von Facebook-Aktien könnte den
Markt überschwemmen. Investoren, die noch vor dem Börsengang
eingestiegen waren, dürfen 271 Millionen Anteilsscheine an die Börse
bringen. Eine von mehreren Haltefristen läuft aus. Zum Vergleich:
Beim Börsengang selbst waren 421 Millionen Aktien verkauft worden.
Die große Frage ist: Trauen die Investoren dem Sozialen Netzwerk
noch? Das Wachstum hatte sich zuletzt abgeschwächt, die
Werbeeinnahmen steigen nicht wie erhofft und zu allem Überfluss lief
ein hoher Verlust auf. Der Kurs ist von anfangs 38 Dollar auf 20 Dollar eingebrochen. Glauben die frühen Investoren an eine Erholung?
Dann würden sie ihre Aktien behalten. Oder wollen sie nur schnell
raus und Kasse machen, weil sie ein weiteres Abrutschen fürchten?
Börsianer schauen genau, was passiert. Eine Verkaufswelle wäre ein
übles Zeichen: Denn viele der frühen Geldgeber sitzen auch im
Verwaltungsrat von Facebook, dem höchsten Firmengremium. Sie haben
damit einen tiefgreifenden Einblick, wie die Geschäfte im Moment
laufen und welche Trümpfe das Unternehmen in der Hinterhand hat. Sie
wissen, an welchen neuen Funktionen die Entwickler gerade arbeiten,
welche Übernahmen angedacht werden und welche lukrativen
Werbeverträge anstehen. Kurz gesagt: Sie wissen, wohin die Reise bei
Facebook geht.
Treue der Facebook-Insider wird auf die Probe gestellt
Zu diesen Insidern zählt der deutschstämmige Peter Thiel, der im
Silicon Valley reich geworden ist, weil er ein nahezu untrügliches
Gespür dafür besitzt, was der nächste große Hit im Internet wird.
Sein Rezept: Bei Start-Ups mit guter Idee günstig einsteigen, warten
bis das Unternehmen herangewachsen ist und dann teuer verkaufen.
Thiel griff Facebook im Jahr 2004 mit 500 000 Dollar unter die Arme -
bis zum Börsengang waren daraus 1,7 Milliarden Dollar geworden.
Einen guten Schwung Aktien hat Thiel bereits abgestoßen. Bei
seinem günstigen Einstiegspreis kann er eigentlich gar nicht
verlieren - egal, zu welchem Kurs er jetzt verkauft. Ähnlich geht es
anderen Geldgebern wie der Investmentfirma Accel Partners, die 2005
mit 12,7 Millionen Dollar Facebooks Aufstieg mitfinanziert hatte. Bis
zum Börsengang wurden daraus annähernd 7,7 Milliarden Dollar.
Derart entspannt kann der Kleinanleger nicht auf sein
Facebook-Investment schauen. Jeder weitere Kursrutsch kostet ihn
bares Geld. Und die Gefahr steigt, dass es noch weiter runtergeht.
Bis Ende diesen Jahres werden insgesamt rund zwei Milliarden Aktien
"entsperrt". Neben Investoren und Managern dürfen vom 15. Oktober an
auch einfache Mitarbeiter ihre Anteilsscheine verkaufen, die sie als
Teil ihres Gehalts bekommen haben.
Damit sind in absehbarer Zeit nahezu alle Facebook-Aktien frei
handelbar. Wie stark wird die Treue der Insider zu Facebook sein?
Zumindest Mark Zuckerberg hat bislang noch keine Anstalten gemacht,
weitere Anteile loswerden zu wollen.
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