Details

Änderungen im Netz: So wollen Alternativ-Anbieter den VDSL-Ausbau vereinfachen

Mit vier verschiedenen Maßnahmen will EWE Tel den Breitband­ausbau vereinfachen und vergünstigen. Wir stellen Ihnen die Maßnahmen vor, über die nun die Bundes­netzagentur entscheiden muss. Der Grund: Drei von ihnen nehmen Einfluss auf das Netz der Deutschen Telekom.
AAA
Teilen

Glasfaserkabel werden verlegtGlasfaserkabel werden verlegt Am kommenden Freitag findet bei der Bundes­netzagentur in Bonn die Anhörung zu einem Re­gulierungs­antrag von EWE Tel statt. Das Ziel des Anbieters: Stellvertretend für die gesamte Branche den Zugang zum Telekom-Netz vereinfachen. Denn auch wenn die Alternativ­anbieter eigene Technik aufbauen und Glasfasern verlegen: Ohne das Telekom-Netz zum Kunden kommen sie in der Fläche nicht aus, um VDSL zu realisieren. Doch genau dieses Netz hat in der Fläche seine Tücken, die EWE Tel nach eigenen Angaben für die Erreichung der Breitbandziele mit einigen Maßnahmen beseitigen will.

Wie bereits Mitte Mai berichtet, hat EWE Tel insgesamt vier mögliche Maßnahmen beim Regulierer beantragt. Alle wären aus Sicht des Anbieters vergleichsweise einfach umsetzbar, bei allen ist man auf die Telekom angewiesen, die nach Angaben des Mitbewerbers aber dazu nicht gewillt ist. Wir stellen die vier Maßnahmen im Einzelnen vor.

Zusätzlicher Kabelverzweiger

Maßnahme 1: Neuer SchrankMaßnahme 1: Neuer Schrank Viele Siedlungen und Dörfer können nicht mit DSL bzw. VDSL versorgt werden, weil die Leitungslängen zu hoch sind. Ist eine Leitung zu lang, kommt kein DSL-Signal mehr an. Diese Dörfer werden jedoch in der Regel über ein zentrales Kabel versorgt. "Würden wir nun am Dorfeingang einen zusätzlichen Kabelverzweiger errichten und diesen mit Glasfaser versorgen, so kann das Dorf mit VDSL versorgt werden", sagt Dirk Brameier, technischer Geschäftsführer von EWE Tel im Gespräch mit teltarif.de. Dabei müssten oftmals noch nicht einmal extra Glasfaserleitungen in die Dörfer gelegt werden, da speziell EWE Tel über ein engmaschiges Netz verfüge, das oftmals schon die Kupferstränge der Telekom kreuze. Man dürfe aber nicht einfach die Leitungen aus der Erde holen und einen Kvz errichten, erläutert Brameier. Das müsse die Telekom als Netzeigentümer machen, diese verweise aber auf eine nicht ausreichende Unterversorgung, die sich allerdings an einer Grenze von 1 MBit/s bemesse.

EWE Tel fordert nun eine Bemessungsgrenze von 30 MBit/s im Down- und 5 MBit/s im Upstream. Zudem solle es dann ein einheitliches Angebot für die Errichtung geben. "Für die Berechnungsgrundlage sind weniger die Anzahl der Leitungen, die auf so einem Kabelverzweiger aufgeklemmt werden müssen, entscheidend, sondern die Tiefbauarbeiten und die Hardware", begründet Brameier, warum sich die Kosten am besten in einer Pauschale abbilden lassen. Das spare das Prüfen und Rechnen und stecke klare Grenzen für die Wirtschaftlichkeit.

Ein VDSL-Schrank für mehrere Kabelverzweiger

Maßnahme 2: Kvz-TAL-DurchleitungMaßnahme 2: Kvz-TAL-Durchleitung Errichtet heute ein Alternativanbieter ein VDSL-Netz, so muss er jeden Kabelverzweiger der Telekom mit VDSL versorgen oder aber eine parallele eigene Kupferleitung vom VDSL-versorgten Kvz zum nicht versorgten Schrank legen, um das Signal hier auf die Telekom-Leitung zu übergeben. "Wir können die Kvz-TAL nicht buchen, wenn die Leitung noch einen weiteren Kabelverzweiger durchläuft", erklärt Brameier. Teilweise handele es sich in etwas besiedelteren Gebieten jedoch nur um wenige hundert Meter zwischen den Verzweigern. Technisch sei eine Versorgung des nachgelagerten Kvz nicht notwendig und wirtschaftlich nicht sinnvoll - das betreffe auch die parallele Verlegung von Kupferleitungen.

Aus Sicht von Brameier wäre diese Maßnahme, da sie rein regulatorisch ist, faktisch ab sofort umsetzbar. Technische Vorarbeiten seien, anders als beim Aufbau vieler neuer Schaltschränke, nicht in dem Maße notwendig.

Leitungsschwenk auf näherliegende Kabelverzweiger

Maßnahme 3: Tal-SchwenkMaßnahme 3: Tal-Schwenk In einigen Orten kann es vorkommen, dass einzelne Häuser oder Straßenseiten über einen anderen Kabelverzweiger angebunden sind als der Rest des Ortes. Oft sind dieses Häuser, die schon deutlich länger existieren als der Rest des Ortes. Die Häuser seien dann von einem entlegenen Verteiler aus versorgt worden, während für die Neubauten von der Telekom ein neuer Verteiler aufgebaut wurde. Die Altkunden blieben jedoch auf dem entlegenen Verteiler. Baue nun ein Anbieter diese Verteiler im Ort mit Glasfaser und VDSL aus, könne das dazu führen, "dass der ganze Ort mit VDSL versorgt ist, nur einzelne Häuser nicht einmal DSL bekommen, weil die Leitungslänge zu groß ist, kommt die Leitung aus einem anderen Kabelverzweiger", erläutert Brameier. "Das ist für die Einwohner oftmals nicht zu verstehen", zeigt er Verständnis, sind Bürger verärgert, wenn ihr Nachbar mit 50 MBit/s surft und sie kein DSL bekommen.

Behoben werden könnte das Problem durch einen Schwenk der Leitungen auf den näher liegenden und versorgten Technik-Schrank. Das verweigere die Telekom jedoch in der Regel, da sie dazu nicht verpflichtet sei. Auch habe EWE Tel oftmals nur rudimentäre Kenntnis über die Leitungsarchitektur. Man kenne zwar die eigene Region und könne sich einiges aneignen, doch die tatsächliche Netzinfrastruktur und somit den Verlauf der Leitungen lege die Telekom nicht offen.

Versorgung aus der "falschen" Richtung

Maßnahme 4: RückeinspeisungMaßnahme 4: Rückeinspeisung Die vierte Maßname ist - einfach ausgedrückt - eine Vermischung der ersten und dritten Maßnahme, gleichzeitig aber eine komplizierte. Die gekürzte Variante im Antrag ist so lang wie die drei anderen Varianten zusammen - EWE Tel bezeichnet sie selbst als Rückeinspeisung. Dabei wird einerseits ein neuer Technikschrank errichtet und gleichzeitig der Kunde über einen anderen Schrank versorgt als der eigentlich für ihn zuständige. Dadurch könne die Bandbreite für die Kunden erhöht werden.

Die Schwierigkeit: Normalerweise gibt es eine bestimmte Signalrichtung, die eingehalten werden muss. Wird sie für einzelne Anschlüsse nicht eingehalten, könnte das zu Störungen führen. EWE will die Signalrichtung aber für Anschlüsse ändern, wenn unter Einhaltung bestimmter Faktoren eine Störung ausgeschlossen werden kann. Für die Kunden, die ihr Signal dann quasi aus der falschen Richtung bekommen, hieße das, dass ihre Anschlüsse schneller sein können, weil sie näher an der aktiven Technik sind als bislang.

EWE-Tel-Antrag gilt letztlich für alle Anbieter

Vor einigen Jahren hat Eifel-net stellvertretend für die Branche den Schaltverteiler regulatorisch durchgesetzt. Er entspricht weitgehend dem Antrag der EWE Tel zur ersten Maßnahme, unterscheidet sich jedoch in der vorausgesetzten Unterversorgung. Nutzen können den Schaltverteiler theoretisch alle Wettbewerber. So wäre es nun auch mit den neuen Vorschlägen der EWE Tel, die hier als Versorger in einem Flächengebiet auch im eigenen Interesse vorangeht.

EWE Tel selbst bezeichnet die möglichen Wege, bei denen man aber auf eine Lösung mit der Telekom angewiesen ist, als pragmatisch. Tatsächlich sind sie augenscheinlich leicht umsetzbar. "Wir vermuten, dass die Telekom solche Maßnahmen für eigene Kunden schon umsetzt, auf Nachfragen der Wettbewerber aber nicht eingeht“, so Brameier.

Teilen

Mehr zum Thema Netzausbau