TK-Investitionen

Experten: Internet-Nutzer sollen für Highspeed mehr bezahlen

Wegbrechen klassischer Erlöse muss Netzbetreiber kreativer machen
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Experten: Internet-Nutzer sollen für Highspeed mehr bezahlenExperten: Internet-Nutzer sollen für Highspeed mehr bezahlen Die klassischen Erlösquellen Telefonie, SMS und Internetzugang sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Das große Geld verdienen Apple, Google und Co., doch die müssen nicht Milliarden in Breitbandnetze investieren. Zwei Experten empfehlen den Netzbetreibern in einem teltarif.de zur Verfügung gestellten Positionspapier nun neue Preismodelle.

Bernhard Demuth arbeitet bei Cisco Systems als Senior Consultant Service Provider, Dr. Ekkehard Stadie ist Partner bei der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partner und leitet das Competence Center Telecommunications/IT.

These: Bisherige Flatrate-Preismodelle taugen nicht für Innovation

Die Ursache für die gegenwärtigen Rückgänge bei den Erlösen im Telekommunikationsbereich sehen die beiden Analysten im "Flat-Pricing-Modell". Flatrates im Bereich Sprache, SMS und Datenverbindungen seien noch vor zehn Jahren absolut richtig gewesen. Sie hätten dem Kunden die Sorge über den realen Verbrauch genommen und damit die Marktpenetration neuer Telekommunikationsdienste vorangetrieben. Doch die Tendenz zu immer günstigeren Endkundenpreisen habe die tatsächlichen Erlöse so geschrumpft, dass mit der Beibehaltung der jetzigen Preismodelle zukünftige Innovationen ernsthaft in Gefahr seien. "Mit dieser Tendenz wird sich die TK- Industrie kein weiteres Jahrzehnt leisten können. Eine Refinanzierung neuer Netzgenerationen erscheint mit einem 'weiter so' kaum darstellbar", konstatieren Demuth und Stadie. "Das undifferenzierte Flat-Pricing-Modell gehört für Data ins Museum."

"Ausflüge" in andere "Produktwelten" als Erlösquelle hätten für die Zugangsanbieter keinen Erfolg gebracht. Selbst IPTV, das eine Zeitlang als Hoffnungsschimmer galt, habe zwar Abnehmer gefunden, aber keine nennenswerten finanziellen Erlöse erbracht. "Das Resultat nahezu aller Ausflüge ist ernüchternd, wenn nicht gar alarmierend", konstatieren die Analysten. Die Gründe für den Misserfolg seien "suboptimale Organisation" und "Kernkompetenzferne" in diesen Produktwelten.

In den letzten Jahren ertönte vermehrt der Ruf, die eigentlichen "Verursacher" des Breitband-Traffics, also Inhalteanbieter wie Apple, Youtube & Co. an den Innovationskosten zu beteilige. Diesen Forderungen erteilen die Experten eine klare Absage. In den weiterhin zersplitterten nationalen TK-Märkten sei einem solchen Modell kaum Erfolg beschieden. Außerdem würden die Inhalteanbieter ja gerade die begehrten Anwendungen und damit für die Kunden einen Grund liefern, immer bessere und schnellere breitbandige Angebote zu buchen. "Eine RWE bekommt auch nicht von Miele anteilige Umsätze an Waschmaschinen, weil Miele-Produkte das Stromnetz der RWE nutzen,", fassen Stadie und Demuth zusammen. Von einem "Stellvertreterkrieg" gegen Google, Apple, Facebook und andere Firmen halten die Analysten nichts.

Vielmehr müsse dem Kunden wieder der Wert des Internet-Zugangs näher gebracht werden. "Der Kunde sollte wahrnehmen, dass ein wesentlicher Leistungsanteil schon im Access-Preis eingeschlossen ist."

Mögliche Erlösquellen bei Providern noch lange nicht ausgeschöpft

"Am Horizont aufkommende innovative Access-Paradigmen sind heute noch gar nicht besetzt", formulieren Demuth und Stadie etwas prosaisch. Damit meinen sie beispielsweise den Übergang vieler Anwender von der Sprach- zur Videotelefonie. Auch mobile Techniken müssten anders vermarktet werden als Festnetz-Produkte. Die Digitalisierung von Wohnungen und Häusern würde eine ganz neue Monetarisierung von Netzdiensten erlauben. Zugangsanbieter sollten auch überlegen, ob nicht eine Kombination von TK-Produkten mit dem Strom- oder Wassernetz einen höheren Erlös bescheren könne. Das Ziel müsse eine "horizontale Erweiterung des Kernprodukts" sein. Dazu könnten auch "netzorientierte Sicherheitskonzepte" oder ein erweitertes, kostenpflichtiges Serviceangebot kommen. Der TK-Servicemitarbeiter könnte wieder eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Als erstes müsse der Nutzer aber an den Kosten für Dienste beteiligt werden, die die Bandbreite über Gebühr in Anspruch nehmen. Demuth und Stadie könnten sich vorstellen, breitbandhungrige Anwendungen wie Youtube und Sky zukünftig in ein separates Geschäftsmodell auszuklammern. Gegenüber den Inhalteanbietern und den Kunden könnten die Netzbetreiber für einen gewissen Beitrag garantieren, dass Videoinhalte ganz sicher ruckelfrei ausgeliefert werden. Auch eine Preisstaffelung können sich die Analysten vorstellen, so wie dies beispielsweise im Flugverkehr oder bei der Bahn längst üblich ist. Die Autoren räumen ein, dass derartige Preismodelle zwar weniger einfach und durchschaubar sein werden als Flatrates, allerdings müsse der "always-on"-Gedanke unbedingt beibehalten werden. In jeder Service-Industrie gebe es Kundensegmente, die für Priorität zahlen, und genau diesen Gedanken müsse man dauerhaft in die Telekommunikationsbranche übernehmen.

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