Nervenkitzel

Entertainment-Shopping: Nervenkitzel im Web-Einkaufskorb

Beim Bieten in "Erlebnis-Auktionshäusern" gewinnt nur einer – und viele verlieren
Von Berti Kolbow
AAA

Darf es etwas weniger sein: Ein iPhone ohne Vertrag für 3,79 Euro, ein 46-Zoll-Flachbild-Fernseher für 20,51 Euro oder das Kultauto Mini One für 104,66 Euro? Nur geschenkt wäre billiger, mag man denken. Das Schnäppchenpotenzial bei Shopping-Webseiten wie Hammerdeal, Swoopo oder Rabattschlacht – Anbietern einer neuen Spielart von Online-Auktionen – klingt verlockend. Viele Auktionsteilnehmer kann der Nervenkitzel aber teuer zu stehen kommen. Die Betreiber verdienen weniger an der Ware und in erster Linie an den Geboten – jedes davon ist üblicherweise kostenpflichtig. Wer seinen Kaufimpuls nicht unter Kontrolle hat, berappt mitunter viel – und geht am Ende doch leer aus.

Was zieht in einer Wirtschaftskrise, wenn Konsumenten mit ihrem Geld knausern, am besten? Niedrige Preise! Damit locken einige neuartige "Erlebnis-Auktionshäuser", die bislang nicht als Internet-Flohmarkt agieren, sondern ausschließlich Neuware vertreiben. Das Grundprinzip funktioniert so: Neben dem Kaufpreis des Artikels bezahlen Teilnehmer jedes Gebot, das in der Regel zwischen 10 Cent und 1 Euro kostet. Jedes Bieten verlängert die Auktion, deren zeitliches Ende also nicht von vornherein feststeht.

Der Haken: Die Teilnahmegebühren werden selbst dann fällig, wenn man nicht den Zuschlag erhält. Das schreckt Spaßbieter, die den Preis hoch treiben, ab. Die Ware bleibt somit meist vergleichsweise sehr günstig. Wer als letzter bietet, macht im Glücksfall ein Riesenschnäppchen. "Aus Nutzersicht ist die Aussicht auf einen sehr günstigen Kaufpreis aufregend", erklärt Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Angebot spreche prinzipiell eher Impulskäufer an. Wer gezielt zum gewünschten Zeitpunkt zu den eigenen Preisvorstellungen einkaufen möchte, ist fehl am Platz. "Das Konzept lebt vom Nervenkitzel", betont Skiera.

Unterschiedliche Verfahren bei Online-Auktionshäusern

Einkaufen im Internet, Foto: Yuri Arcurs/fotolia.de Unterschieden werden prinzipiell zwei Ansätze. Auktionen mit steigenden Preisen finden zum Beispiel beim bekanntesten Anbieter Swoopo, ehemals Telebid, aber auch bei 1234holsdir statt. Daneben gibt es auch die umgekehrte Variante, Rückwärtsauktionen, die mit einem hohen Nominalpreis starten und mit jedem abgegebenen kostenpflichtigen Gebotsklick um eine definierten Betrag günstiger werden. Wenn viele mitbieten, sinkt der Preis mitunter rasant. Häufig sind die Preise zunächst einmal verdeckt und müssen von den Nutzern kostenpflichtig eingesehen werden. Dann kann die Ware zum angegebenen Preis aber häufig auch sofort gekauft werden. So wird etwa bei Luupo, Cooni [Link entfernt] , McEuro verfahren. Der Nachteil bei dieser Variante: "Handelt es sich in der Anfangsphase um unbekannte Anbieter, die nur wenige Besucher haben, von denen noch weniger bieten, bleibt der Preis hoch", erklärt Bernd Skiera. Ohne reizvolle Deals spricht sich aber kein Shop rum und bleibt unattraktiv, so Skieras Beobachtung.

Von diesen beiden Ansätzen gibt es viele Spielarten, die Fantasie der Anbieter scheint keine Grenzen zu kennen. Etwa bei Rabattschlacht fällt der Preis umso stärker, desto mehr registrierte Besucher den Artikel gleichzeitig beobachten. Allerdings muss ein Zeitguthaben gekauft werden, während dessen der Preis aufgedeckt angeschaut werden kann. Bei Hammerdeal [Link entfernt] und Kleinmalig gewinnt das niedrigste, in dieser Höhe einmalig, abgegebene Gebot. Das heißt, 1 Cent zu bieten, macht keinen Sinn, wenn das auch zig andere Teilnehmer tun. Erwischt man jedoch mit 3,23 Euro alleine das niedrigste Gebot, erhält man den Zuschlag für den Artikel. "Unique Bid" wird diese Auktions-Variante genannt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite wie Rechtsexperten und die Verbraucherzentrale die Erlebnis-Auktionshäuser im Web beurteilen und was man beim Bieten auf jeden Fall beachten sollte.

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