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E-Plus betreibt Netzausbau unabhängig von Fusion mit o2 weiter

Wie geplant übernimmt ZTE den Netzbetrieb bei E-Plus. In wenigen Tagen gehen bei E-Plus die ersten LTE-Basisstationen ans Netz.
Vom MWC in Barcelona berichtet
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Der E-Plus-CTO Andreas PfistererDer E-Plus-CTO Andreas Pfisterer Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben der Netzbetreiber E-Plus und der Mobilfunk-Ausrüster und -Endgeräte-Hersteller ZTE bekannt gegeben, dass das Netzwerk-Management des E-Plus-Netzes nun durch ZTE erfolgt. Die Migration des Netzwerkmanagements vom bisherigen Anbieter Alcatel Lucent Network Services (kurz ALNS) zu ZTE war bereits vor einem Jahr vereinbart, vor einem halben Jahr angekündigt und "in einer Nacht im Januar" tatsächlich durchgeführt worden. Die Laufzeit des Vertrags beträgt fünf Jahre. Stolz verwiesen E-Plus und ZTE darauf, dass dieser signifikante Wechsel vonstatten ging, ohne dass die Kunden ihn bemerkt hätten.

Im Rahmen des Wechsels des Netzbetriebs wurde die ALNS von Alcatel-Lucent an ZTE verkauft. Hierdurch sind 750 Mitarbeiter neu zu ZTE gekommen, die nun insgesamt 900 Mitarbeiter in Deutschland betreut, davon allein 500 am Standort Düsseldorf. Es sind also weiterhin dieselben Mitarbeiter, die das E-Plus-Netz betreiben, nur das Top-Management der Service-Gesellschaft wurde ausgewechselt. Andreas Pfisterer, CTO von E-Plus, sieht die Synergien vor allem darin, Netzwerktechnik und Netzbetrieb künftig aus einer Hand zu beziehen.

Auf die Frage, wie die Migration des Netzwerksmanagements vor dem Hintergrund der geplanten Übernahme von E-Plus durch den Telefónica-o2-Konzern zu sehen sei, erklärte Pfisterer, dass die Transaktion noch nicht genehmigt sei. Bis zur endgültigen Entscheidung werde E-Plus daher die bisher geplante Strategie weiter ausführen. Wie bereits gemeldet wird E-Plus kommende Woche den schnellen Datendienste LTE in Betrieb nehmen, um in Gebieten mit hoher besonders hoher Netzauslastung zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Anfangs werde man daher auch nur einen Teil der maximal möglichen Bandbreite von 20 MHz für LTE einsetzen; bevor der Upgrade auf 20 MHz Bandbreite erfolgen könne, müsste auch die Nutzung der 1800-MHz-Frequenzen mit GSM reduziert werden.

Pfisterer bekräftigte erneut, dass das Ziel von E-Plus nicht sei, den Kunden LTE mit besonders hohe Peak-Datenraten zu bieten, sondern die Gesamtkapazität zu erhöhen. 80 Prozent des Netzes seien inzwischen mit "dual carrier" HSPA+ ausgerüstet. Die Strategie von E-Plus sei nicht, von den Kunden extra Gebühren für den Zugang zu speziellen Technologien zu verlangen, sondern den Kunden anzubieten, was das Netzwerk kann. Bezahlen müssten die Kunden nur für die tatsächliche Nutzung.

Wer gewinnt den Betrieb des Gesamtnetzes?

Nun wird bereits seit Jahren immer wieder über eine Fusion von E-Plus und o2 spekuliert. Auch steht E-Plus seit Jahren von der Muttergesellschaft finanziell unter Druck. Folglich ist es nicht unwahrscheinlich, dass E-Plus mit ZTE für den Fall einer Übernahme eine Ausstiegsklausel aus dem Service-Vertrag vereinbart hat. Im letzeren Fall würde ZTE das wirtschaftliche Risiko tragen, aktuell eine ganze Menge Technik im E-Plus-Netz aufzubauen, die im Fall einer Genehmigung der Übernahme in ein oder zwei Jahren im Rahmen der Integration der beiden Netze dann wieder abgebaut werden müsste. Von links nach rechts: Betty Cui Jia (VP, ZTE), Dr. Zhao Xianming (EVP, ZTE), Andreas Pfisterer (CTO, E-Plus), Raimund Winkler (COO, ZTE Services Germany)Von links nach rechts: Betty Cui Jia (VP, ZTE), Dr. Zhao Xianming (EVP, ZTE), Andreas Pfisterer (CTO, E-Plus), Raimund Winkler (COO, ZTE Services Germany)

Es ist aber denkbar, dass ZTE dieses Risiko bewusst eingeht, um zu zeigen, wie leistungsfähig der Hersteller ist. Denn nur, weil o2 E-Plus übernimmt, heißt das ja noch lange nicht, dass auch der Hauptausrüster von o2, derzeit wohl Huawei, das gesamte Netz übernimmt. Schließlich musste o2 heute einen erheblichen Umsatzrückgang melden, der sicher auch mit unzufriedenen Mobilfunkkunden zusammenhängt. Bei der letzten teltarif-Umfrage zur Qualität der mobilen Datendienste belegte o2 den letzten Platz. Es ist also durchaus möglich, dass nach der Fusion Kosten und Qualität der beiden Netze nochmals intensiv miteinander verglichen werden, und der Ausrüster des als besser evaluierten Netzes künftig das komplette Netz betreiben darf.

Fraglich ist auch, wie es im Falle der Übernahme mit den beiden Marken "o2" und "E-Plus" weitergeht. Branchen-Insidern zufolge scheint E-Plus-Chef Thorsten Dirks ein Modell zu bevorzugen, bei dem die Synergien auf Netzbetrieb-Ebene realisiert werden, die Marken aber weiter getrennt agieren, insbesondere mit E-Plus als "Herausforderer". Bei o2 wünscht man sich derselben Quelle zufolge hingegen eher eine integrierte Strategie für den Gesamtkonzern.

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