Nachgetestet

Telefónica bekommt Netz in Berliner U-Bahn in den Griff

Die Nutzbarkeit des Telefónica-Netzes in der Berliner U-Bahn hat sich wieder verbessert. Das hat ein kurzer Test unserer Redaktion ergeben. Selbst zur Rushhour lässt sich das E-Plus-UMTS-Netz nun wieder nutzen.
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Nutzung der Telefónica-Netze in Berliner U-Bahn wieder verbessertNutzung der Telefónica-Netze in Berliner U-Bahn wieder verbessert Im Frühjahr hatte Telefónica im Rahmen der Aktivierung des National Roamings auch in der Berliner U-Bahn das E-Plus-Netz für o2-Kunden freigegeben. Nachdem diese über Jahre in der Bahn faktisch gar nicht surfen, sondern höchstens telefonieren konnten, sollte es das E-Plus-UMTS-Netz auch für diese Kunden richten. Doch schnell machte sich Enttäuschung breit: Das eigens für die U-Bahn errichtete Netz hielt dem Ansturm der Kunden nicht stand. Jetzt aber scheint Telefónica das Problem in den Griff zu bekommen, wie erneute Tests der teltarif.de-Redaktion gezeigt haben.

Nach dem Start des National Roamings in Berlin hieß es nicht nur für Kunden von o2 trotz HSDPA "nichts geht mehr", auch E-Plus-Nutzer konnten das Netz nicht mehr nutzen. Einzig Kunden mit E-Plus-SIM-Karten, die ein LTE-Handy nutzen, konnten das mobile Internet noch nutzen. LTE von E-Plus, das ebenfalls in der U-Bahn ausgebaut wurde, ließ sich uneingeschränkt weiter nutzen.

Deutlich verbesserte Nutzbarkeit

Seit einigen Tagen beobachten wir jedoch beständige Verbesserungen bei der täglichen Nutzung des Netzes. Grund genug für eine explizite Testfahrt durch das Berliner U-Bahn-Netz. Dazu sind wir am gestrigen Dienstag im nachmittäglichen Berufsverkehr mit einer o2-SIM-Karte auf verschiedenen Linien im Berliner Westen unterwegs gewesen. Und in der Tat: Das Nutzungserlebnis hat sich deutlich verbessert.

Während wir vor wenigen Wochen im abendlichen U-Bahnverkehr zwar auch schnell im E-Plus-UMTS-Netz eingebucht waren, aber dann keinerlei Daten (nicht einmal WhatsApp-Nachrichten) übertragen könnten, surften wir jetzt problemlos und bequem weiter. Weder Twitter noch Facebook oder mobile Webseiten stellten ein Problem dar. Alle Daten wurden schnell dargestellt, egal ob wir uns in der fahrenden Bahn oder an einem der Bahnhöfe aufhielten.

An zwei Bahnhöfen ohne Empfang

Auffällig war jedoch die Empfangsqualität. Vor allem im Tunnel der U9 zeigte uns das Handy stellenweise nur noch einen Balken an. Das erklärt sich dadurch, dass E-Plus sein Netz nicht wie üblich über Schlitzkabel an der Tunnelwand, sondern über Antennen an den Bahnhöfen realisiert hat. Gerade bei den langen Tunnelstecken der U9 kann es hier zwischen den Stationen zu einem Abfallen der Sendefeldstärke kommen. Sie wirkte sich aber nicht weiter auf die Qualität der Verbindung aus.

Für uns nicht nachvollziehbar war jedoch, dass wir bei unserem Test zwei Mal komplett das Netz verloren. Einmal, am U-Bahnhof Bismarckstraße, buchte sich das Handy auf dem Bahnhof kurz ins o2-GSM-Netz ein, um beim Wechsel auf die U7 wieder E-Plus HSDPA zu nutzen. Das zweite Mal verloren wir bei unserer Rundfahrt mit den Linien U9, U12 (Baustellenlinie), U7, U3 und zurück mit der U9 das Netz bei der Durchfahrt des U-Bahnhofes Kurfürstendamm. Hier scheint es noch Übergabe- oder Abdeckungsprobleme zu geben.

Starke Speedtest-Schwankungen

Die mittels Speedtest.net gemessenen Datenraten waren anständig, schwankten aber stark. Zwischen etwa 900 kBit/s im schlechtesten Fall und 19 MBit/s im besten Fall war nahezu alles dabei. Ähnlich stark schwankte der Upstream-Wert - zwischen gemessenen 60 kBit/s und 2,6 MBit/s. Generell gilt aber wie immer bei Speedtests, dass diese nur Momentaufnahmen sind.

In der U-Bahn gilt das um so mehr: Ist auf dem gleichen Streckenabschnitt ein zweiter Zug unterwegs oder kommt ein Zug entgegen, verdoppelt sich die Zahl der Nutzer auf einer Funkantenne schlagartig. Dadurch kann es sein, dass ein Messwert binnen weniger Sekunden enorm schwankt. Bei der praktischen Nutzung des Netzes stellten wir jedoch - abseits der beiden beschriebenen kurzen Ausfälle der Funkversorgung - keinerlei Einschränkungen fest.

Berlin ist in den Ferien: Verbesserung dauerhaft?

Bedacht werden muss bei diesem Test allerdings auch, dass er zwar zur Rushhour stattfand, in Berlin aber seit vergangener Woche Schulferien sind und entsprechend auch weniger Pendler unterwegs sind. Bei unserem Test waren die Bahnen jedoch zumeist gut gefüllt - wenn auch vermehrt mit Touristen, deren Nutzungsverhalten sich von Pendlern unterscheidet. Es gilt also abzuwarten, ob das Netz im Berliner Untergrund auch Ende August mit dem Ende der Ferien stabil bleibt und somit auch dem möglichen Ansturm zur IFA Anfang September gerecht wird.

Wenn Sie die technische Umsetzung des Handynetzes in der U-Bahn in Berlin interessiert, lesen Sie unser Feature samt Video-Reportage von einer Presseveranstaltung von E-Plus in der U-Bahn. In einem weiteren Artikel haben wir zudem eine ausführliche Erklärung der Netztechnik per Video für Sie vorbereitet.

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