Anga Com

DVB-T2 soll bis zu 60 HD-Kanäle bieten

60 TV-Kanäle in HD-Qualität für einen monatlichen Preis von unter 5 Euro – das könnte DVB-T2 bieten. Auf der Fach­messe Anga Com diskutierten Panel-Teilnehmer über den Nachfolger beim digital-terrestrischen Antennen­fernsehen.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Panel auf der Anga ComPanel: DVB-T2: Endspurt für den Umstieg! Der Nachfolger von DVB-T beim digital-terrestrischen Antennen­fernsehen, DVB-T2, soll je nach Region bis zu 60 TV-Kanäle in HD-Qualität bieten. Obwohl vor allem die privaten Fernseh­programme verschlüsselt werden, soll die Terrestrik weiter der für den Zuschauer günstigste Verbrei­tungs­weg beim Fernsehen sein. Das sind die beiden Kern­aussagen des Panels "DVB-T2: Endspurt für den Umstieg!" auf der Anga Com und eines Hinter­grund­gesprächs von teltarif.de mit Stefan Schinzel, Leiter Produkt­management TV-Platt­formen beim Netz­betreiber Media Broadcast auf der Fachmesse.

Wie Schinzel ausführte, soll es zur Fußball-EM 2016 einen Vorab-Start des neuen digital-terrestrischen Fernsehens in allen deutschen Ballungs­räumen geben. Dieser Vorab-Multiplex sei für den Zuschauer komplett kostenlos, ergänzte Wolfgang Breuer, Vorsitzender der Geschäfts­leitung bei Media Broadcast auf dem anschließenden Panel.

Zu einem festen Stichtag im Jahr 2017 würden dann in den Ballungs­räumen nach einer Simulcast­phase die alten DVB-T-Signale abgeschaltet. Sukzessive wird das Antennen­fernsehen in weiteren Regionen von DVB-T auf DVB-T2 umgestellt. Mitte 2019 ist dieser Prozess abgeschlossen, dann soll es in Deutschland digital-terrestrisches Antennen­fernsehen nur noch über DVB-T2 geben.

Großteil der Kanäle in HD

Laut Schinzel wolle Media Broadcast drei Multiplexe betreiben, dabei sei eine Aufteilung mit zwei Drittel Programmen in hochauf­lösender HD- und einem Drittel in Standard­qualität (SD) vorgesehen. Hinzu kommen Muxxe von ARD und ZDF. Pro Multiplex ist die Ausstrahlung von bis zu sieben TV-Sendern in HD- und 15 in SD-Qualität möglich. Wolfgang Breuer zeigte sich auf dem Panel optimistisch und sprach von bis zu 60 TV-Programmen in HD-Qualität je nach Region. Für die Öffentlich-Rechtlichen sprach Dr. Andreas Bereczky, Produktions­direktor des ZDF auf dem Panel. Er bestätigte, dass das ZDF sein Gesamt­paket – das Haupt­programm, die Digital­kanäle ZDFinfo und ZDFneo sowie die Gemeinschafts­programme 3sat, Ki.Ka, Phoenix und Arte in HD - über DVB-T2 verbreiten zu wollen, kostenlos und unverschlüsselt und damit für alle Zuschauer empfangbar. Gleiches plane die ARD mit ihren Kanälen.

André Prahl, Bereichs­leiter Programm­verbreitung bei der Mediengruppe RTL Deutschland, kündigte die Verbreitung von sechs TV-Kanälen des Medien­unternehmens in HD-Qualität über DVB-T2 an. Allerdings werde man die Programme mit einem Signal­schutz versehen, also verschlüsseln. Prahl verwies darauf, dass man ohne diese Möglichkeit komplett aus der Terrestrik ausgestiegen wäre. Auch der Vertreter der Landes­medien­anstalten, der Direktor der Medien­anstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, Thomas Fuchs, verwies darauf, dass die Medien­anstalten die Verschlüsselung der Privat­sender trotz heftiger Diskussionen akzeptieren mussten, da es hierfür keine Alternative gab. Ansonsten hätten sich die Kommerz­sender komplett aus der Terrestrik als teuerstem Verbreitungsweg für Fernsehen zurück­gezogen.

Stefan Schinzel betonte jedoch, dass es neben den öffentlich-rechtlichen Programmen auch unverschlüsselte Privat­sender auf der Plattform geben soll – etwa Home­shopping­kanäle oder regionale TV-Sender. Pro Region wolle man je ein privates Regional-TV auf der Plattform ausstrahlen.

Wie Wolfgang Breuer auf dem Panel ergänzte, habe Media Broadcast bereits Verträge mit den großen Sender­gruppen ProSiebenSat.1 und RTL abgeschlossen, Gespräche mit vielen kleineren Privat­sendern liefen. Er hofft, auch Sender wie Viva oder Sport1, die bei DVB-T ausgestiegen sind, wieder zurück auf die neue Plattform zu holen.

Angebot erhält signifikantes Branding

Dem kosten­pflichtigen Angebot mit verschlüsselten Privat­sendern will der Plattform­betreiber Media Broadcast in Kürze einen signifikanten Marken­namen geben, verspricht Stefan Schinzel. Vorbild ist SimpliTV in Österreich. Über die Einführung des neuen Logos für das Gesamt­produkt DVB-T2 HD haben wir bereits vorab berichtet. Bei den Abo-Kosten wollten weder Schinzel noch Breuer genaue Preise verraten, diese würden erst Mitte 2016 feststehen. Man wolle sich an Markt­akteuren bei den anderen Verbreitungs­wegen orientieren, dabei aber der preisgünstigste Verbreitungs­weg bleiben. Da das Angebot HD+ über Satellit aktuell 5 Euro pro Monat kostet, wäre also etwa 4 Euro für die verschlüsselten DVB-T2-Programme ein möglicher Einstiegs­preis.

Stefan Schinzel ergänzte, dass man wie die Kabelnetz­betreiber auch kosten­pflichtige und hinzubuchbare Dienste und -pakete mit noch mehr Sendern anbieten wollen, etwa in Bereichen wie Sport oder Film. Diese würden aufgrund der Kapazitäts­engpässe jedoch im Internet ausgestrahlt. Generell wolle man mit DVB-T2 auch das hybride Angebot und die eigene Multithek ausbauen.

Die Abonnenten­betreuung übernimmt die Media Broadcast. Stefan Schinzel hofft, möglichst alle bisherigen terrestrischen Zuschauer zu DVB-T2 mitnehmen zu können. Für das neue Antennen­fernsehen spräche das größere Programm­angebot der Privat­sender in besserer Bild­qualität, das zudem künftig in weit mehr Regionen als bisher verfügbar wäre. Hier haben wir die Regionen bereits vorab genannt.

In Kürze bringt teltarif.de einen weiteren Text zu DVB-T2 auf der Anga Com. Hier geht es um das Verschlüsselungs­system und das Geräte­angebot bis Ende 2016.

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