Digitales Antennenfernsehen

WDR startet DVB-T2-Testbetrieb im August 2015

Der WDR startet im August 2015 seinen Testbetrieb im DVB-T2-Modus. Und Fernsehzuschauer in Süddeutschland können aufatmen: Sie werden die Sender des Österreichischen Rundfunks auch über DVB-T2 sehen können.
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In Berlin sind nun drei TV-Programme über DVB-T2 zu empfangenIn Berlin sind nun drei TV-Programme über DVB-T2 zu empfangen Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) startet seinen seit längerem geplanten Testbetrieb zur neuen Generation des digital-terrestrischen Antennenfernsehens (DVB-T2) im August 2015. Das kündigt der Sender in seiner hauseigenen Zeitschrift WDR Print an. Wie die Kölner mitteilen sollen mehrere öffentlich-rechtliche TV-Programme unverschlüsselt und in hochauflösender HD-Qualität im Großraum Bonn/Köln ausgestrahlt werden. Zum Einsatz kommen zwei Sendeanlagen in Bonn und Köln.

Nach Ablauf der Testphase will die ARD-Anstalt im Jahr 2017 mit dem Regelbetrieb in DVB-T2 starten. Zum Start der Testausstrahlung sollen erste DVB-T2 Geräte erhältlich sein, allerdings nach letzten Aussagen der Endgerätehersteller eher im Hochpreissegment, da die verwendete Videokodierung HEVC in Verbindung mit DVB-T2 zuerst in teureren 4K-Fernsehern anzutreffen sein wird. Wie berichtet will Samsung schon ab März erste Fernsehgeräte mit DVB-T2 und HEVC in den Handel bringen. Besitzer von einigen Sony-Fernsehern aus Berlin haben uns unterdessen mitgeteilt, dass sie nach einem Firmware-Update ebenfalls DVB-T2-Signale empfangen können. Ebenso sei dies wohl möglich wenn Kunden diverser aktueller Samsung-Modelle einen so genannten Evolution Kit kaufen. Mit dem Beginn des Regelbetriebs 2017 sei dann ein ausreichendes Angebot von Empfängern und DVB-T2-tauglichen Fernsehern auch zu niedrigeren Preisen zu erwarten.

Drei öffentlich-rechtliche Programme im Testbetrieb in Berlin

In Berlin testen mehrere Marktakteure den neuen Standard beim digital-terrestrischen Antennenfernsehen bereits seit Ende 2014. Nachdem hier zunächst nur Testschleifen übertragen werden nun die Programme ARD Das Erste, das ZDF und arte sowie eine Testschleife von RTL übertragen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Privatsender verschlüsselt verbreitet werden.

Aktuell werden in einem DVB-T-Multiplex in der Regel vier Programme im Standardauflösung (SD) gesendet, zumeist mit einer Datenrate von 13,27 MBit/s. Das Parameterkonzept von DVB-T2 vergrößert die Datenrate eines UHF-Kanals dagegen auf bis zu 27,6 MBit/s. In Kombination mit HEVC können damit sieben HD- oder 16 SD-Programmen auf einem Kanal zusammengefasst werden. Vor allem kleinere kommerzielle Sender könnten sich die Terrestrik erstmals leisten.

Die Bundesregierung plant, den Bereich von 694 bis 790 MHz für den Mobilfunk zu versteigern. Der verbleibende UHF-Bereich wäre dann essentiell für den Betrieb von DVB-T2. Mit einer noch geringeren Ausstattung an Frequenzen ließe sich das geplante DVB-T2-Angebot nicht realisieren, so der WDR, obwohl der neue Standard den vorhandenen "Platz" besser ausnutzt. Die höhere Effizienz von DVB-T2 bietet außerdem einen weiteren positiven Nebeneffekt: Die Verbreitungskosten für digitales terrestrisches Fernsehen dürften um etwa 15 Prozent sinken, wie der WDR vorrechnet.

ORF 1 und 2 bleiben über DVB-T2 unverschlüsselt

Fernsehzuschauer in Oberschwaben und Südbayern können unterdessen wohl doch länger als erwartet Fernsehprogramme des Österreichischen Rundfunks (ORF) über Antenne sehen. Demnach hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz laut dem Branchendienst "Horizont" vor dem Rundfunkrat angekündigt, die Ausstrahlung der Sender ORF1 und ORF2 auch über DVB-T2 mindestens weitere zehn Jahre unverschlüsselt zu lassen. Auch der ORF will bis 2017 seine TV-Übertragungen via Antenne von DVB-T auf DVB-T2 umstellen. Die bislang ebenfalls noch frei über Antenne empfangbaren Programme ORF III, ORFSport+, ATV, Puls4 und ServusTV werden aber wohl über DVB-T2 verschlüsselt verbreitet.

Gegen die Verschlüsselung gab es nicht nur Proteste aus Österreich selbst, sondern auch von den Freien Wählern in Bayern, die eine Massenpetition ins Leben gerufen haben. Auch die bayerische Staatsregierung und die CSU in Lindau hatten sich zu Wort gemeldet. Viele Zuschauer im Grenzgebiet schauen seit Jahrzehnten die TV-Sender des ORF.

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