Es ist schon auffällig:
Dual-SIM-Handys, in denen zwei SIM-Karten
parallel genutzt werden können, sind hierzulande eher heiß diskutiertes Gesprächsthema als
Verkaufsschlager. Das liegt nicht nur daran, dass die wenigen im hiesigen Handel erhältlichen
Dual-SIM-Handymodelle hinsichtlich Ausstattung und Funktionsumfang nicht wirklich überzeugen.
Offenbar setzen auch die Mobilfunkbetreiber ihre ganze Marktmacht ein, um eine breitere
Einführung von Dual-SIM-Handys in Deutschland zu verhindern – das sagen jedenfalls einzelne
Brancheninsider hinter vorgehaltener Hand. Inzwischen sind unseren Informationen zufolge
entsprechende Beschwerden zumindest eines Herstellers von Dual-SIM-Geräten bei dem
Bundeskartellamt und der EU-Kommission eingegangen.
Vorwurf: Netzbetreiber verhindern die breite Einführung von Dual-SIM-Handys
Der Vorwurf von Seiten der Produzenten von Dual-SIM-Handys: Die deutschen Netzbetreiber
T-Mobile, Vodafone,
E-Plus und o2 hätten die großen Handy-Hersteller
aufgefordert, die Mehr-SIM-Technologie nicht nach Deutschland zu importieren. Ansonsten
drohten den Herstellern Auftragskürzungen um bis zu 20 Prozent. Vertriebspartnern der
Netzbetreiber, die auch mit Herstellern von Dual-SIM-Handys zusammenarbeiten wollten, hätten
die Mobilfunkbetreiber mit Einstellung der Geschäftsbeziehungen gedroht. Auch größere
Mobilfunkprovider würden sich wegen der starken Abhängigkeit nicht trauen, gegen die
Interessen der Netzbetreiber zu handeln. Die Kritiker sprechen deshalb von einer "massiver
Wettbewerbsbehinderung" und von einer "Ausnutzung der Marktmacht bei der Einführung der
Mehr-SIM-Technologie in Deutschland und Europa".

Samsung SGH-D880 DuoS
Es ist durchaus vorstellbar, dass die Mobilfunkbetreiber, die mit sinkenden Umsätzen bei
Mobiltelefonaten zu kämpfen haben, wirklich so handeln. Schließlich wollen sie, dass ihre
Kunden über ihre eigenen Mobilfunkanschlüsse und zu ihren Preisen telefonieren, Nachrichten
versenden oder mobil im Internet surfen. Ein aktuelles Dual-SIM-Handy versetzt dagegen den
Nutzer in die Lage, problemlos auf zwei parallel aktive Mobilfunkanschlüsse von
verschiedenen Anbietern, in verschiedenen Netzen und mit unterschiedlichen Nutzungspreisen
zugreifen zu können. Durch die richtige Tarifwahl könnten die Handynutzer so vergleichsweise
teure Nutzungspreise für bestimmte Dienste – dies trifft zum Beispiel in vielen Handy-Tarifen
auf die Gespräche in andere Mobilfunknetze zu – durch das zweite Tarifangebot umgehen.
Auswahl an Dual-SIM-Handys im deutschen Handel vergleichsweise klein
In der Tat gibt es kaum große Handy-Hersteller, die hierzulande ein von ihnen produziertes
Dual-SIM-Handy eingeführt haben. Samsung ist da eine Ausnahme: Der
koreanische Hersteller hat zumindest mit dem SGH-D880 DuoS
und dem C5212 zwei Dual-SIM-Handymodelle herausgebracht,
die im hiesigen Handel erhältlich sind. Das bisherige Topmodell
SGH-D980 DuoS war eigentlich nicht für deutsche Läden
vorgesehen, einige Online-Händler vertreiben dieses Handy dennoch für Preise ab
240 Euro.
Nur unwesentlich teurer als das Samsung SGH-D980 DuoS ist im Online-Handel das
LG KS660, das der Hersteller LG
zunächst für den russischen und den chinesischen Markt vorgesehen hatte. Das LG KS660
bietet einen großen TFT-Touchscreen mit einer Auflösung
von 240 mal 400 Pixel und - so wie auch das Samsung SGH-D980 DuoS - eine
5-Megapixel-Digitalkamera mit Autofokus. Weitere
Gemeinsamkeit des LG KS660 mit dem Dual-SIM-Handy von Samsung ist das Fehlen der
UMTS-Unterstützung für schnellere Datenübertragungen im
Mobilfunknetz - eines der größten Handicaps der bisherigen Dual-SIM-Handys für
Business-Anwender, wie wir kürzlich aufgezeigt haben.
Ein Dual-SIM-Handy mit UMTS-Unterstützung für Preise ab 470 Euro ohne Vertrag ist
das Acer DX900. Auf der folgenden Seite
lesen Sie, wie Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber den Dual-SIM-Markt einschätzen.
nächste Seite: