Editorial: DSL bald kostenlos?
29.08.2010 17:54
Dafür wird die Zusatzpreisliste immer länger
Der Preiskampf um DSL-Anschlüsse
wird immer härter. Und so offeriert
1&1 seit einigen Wochen ein
DSL-Paket inklusive Telefon- und (allerdings auf 100 GB
gedeckelter) Internet- Flatrate
für 19,99 Euro monatlich. Zum Vergleich: 2002 war das der Betrag,
der monatlich für einen nackten DSL-Anschluss (noch ohne separat
zu beziehenden und zu bezahlenden Online-Zugang)
zusätzlich zum analogen Telefonanschluss
anfiel.
Für monatlich 5 Euro mehr (gerechnet wurde hier mit dem
durchschnittlichen Preis während der Mindestlaufzeit von 24 Monaten)
erhält man bei 1&1, Alice und
Vodafone bereits ein ungedeckeltes Paket
mit Doppel-Flatrate,
auf Wunsch inklusive mobiler Daten-SIM und Surfstick, um sofort Onlinezugang
zu haben.
 DSL-Anschlüsse: Preiskampf der Anbieter
Bereitstellungskosten für den Anschluss fallen keine an;
WLAN-Router inklusive DSL-Modem und Surfstick bekommt man stark
subventioniert. Und weil das offensichtlich noch nicht reicht, um
die Kunden zum Abschluss zu bewegen, bieten die beiden letztgenannten
Firmen auch noch eine Rechnungsgutschrift über 50 Euro bei
Online-Bestellung.
Geld verdienen lässt sich damit nicht mehr. Allein die an die
Deutsche Telekom zu zahlende
TAL-Miete beträgt brutto 12,14 Euro
im Monat. Hinzu kommen mindestens 42,48 Euro für die
TAL-Umschaltung. Somit bleiben dem Anbieter
bei einem Kunden, der 24 Monate lang nur die Grundgebühr zahlt und
rechtzeitig kündigt, nur ca. 250 Euro, um die Kosten für Vertrieb und
Service, für den eigenen DSL-Port, für die beim Kunden installierte
Hardware und natürlich für 24 Monate Doppel-Flatrate abzudecken.
Teure Zusatzpakete
Verdient wird über die Zusatzpreisliste: Eine Sicherheits- oder
Fernsehpaket hier,
ein zusätzlicher Mobilfunkvertrag dort. Mobilfunk- und Auslandstelefonate
sind generell teuer; wer's billiger will, muss entsprechende Zusatzpakete
buchen. Wahrscheinlich ist es nicht übertrieben, wenn man annimmt, dass
die durchschnittliche Rechnung der DSL-Anbieter am Schluss im Durchschnitt
mehr als doppelt so hoch ausfällt wie der plakativ beworbene Grundpreis.
Negativ an dieser Entwicklung ist, dass sie die durchaus
sinnvollen Zusatzleistungen
unnötig verteuert. Irgendwo müssen die Anbieter ja ihr Geld verdienen,
und wenn das mit dem Basisprodukt nicht mehr geht, dann halt mit
Zusatzprodukten.
Und so befindet sich der preisbewusste Kunde dauernd auf der Suche nach
Alternativen: Mobil- und Auslandstelefonate über einen
VoIP-Anbieter (oft auf Kosten der Sprachqualität),
Virenschutz über einen der kostenlos herunterladbaren Virenscanner
(aber dabei nicht auf eine Abofalle
hereinfallen!), Filme über YouTube (ebenfalls meist auf Kosten der
Qualität).
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