Zu langsam

BNetzA: Viele Nutzer bekommen versprochene Datenraten nicht

Nur 15,7 Prozent bekommen gebuchte Leistung - mehr Transparenz gefordert
AAA
Teilen

Im vergangenen Jahr hat die Bundesnetzagentur eine Messstudie zu Breitbandanschlüssen und deren tatsächlicher Geschwindigkeiten durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studie hat die BNetzA nun vorgelegt. Eine Vielzahl der Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten "bis-zu"-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite sind demnach berechtigt, wie der Regulierer resümiert.

Im Rahmen der novellierten gesetzlichen Transparenzvorgaben hatte die Bundesnetzagentur eine Studie zur Dienstequalität von breitbandigen Internetzugängen in Auftrag gegeben. Teil der Studie war eine bundesweite Messkampagne, bei der Internetnutzer die Geschwindigkeit ihres Breitbandanschlusses messen konnten.

Datenbasis von 250 000 validen Messungen

Viele DSL-Anschlüsse sind zu langsamViele DSL-Anschlüsse sind zu langsam "Der Studie liegt mit knapp einer Viertelmillion ausgewerteter Messungen eine äußerst umfangreiche Datenbasis zugrunde. Dies war nur durch eine rege Teilnahme der Internetnutzer möglich, für die ich mich ausdrücklich bedanke", betonte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Insgesamt gab es sogar fast doppelt so viele Messungen. Allerdings hat die Bundesnetzagentur Messungen, die nicht plausibel schienen, doppelt durchgeführt oder aus dem Ausland kamen nicht berücksichtigt.

Doch dabei blieb es nicht: Die Bundesnetzagentur hat auch die Standardverträge der Anbieter untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass fast alle Anbieter gegenüber den Kunden flexible Angaben zur verfügbaren Bandbreite machen. "Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann. Auch nach Vertragsabschluss und erfolgter Schaltung besteht kein überschwängliches Bemühen, dem Endkunden aktiv einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit des konkreten Anschlusses zu bieten", so Homann weiter. Die Bundesnetzagentur will nun erreichen, dass die Anbieter ihren Kunden gegenüber transparenter machen, mit welchen Datenraten sie rechnen können, wenn sie einen Anschluss buchen.

Dabei geht es auch um die Frage, wie die Anbieter mit Kundenbeschwerden nach der Schaltung umgehen, wenn die Datenrate aktuell nicht dem entspricht, was gebucht wurde. Aktuell, so erläuterte Iris Henseler-Unger, Vize-Präsidentin der Bundesnetzagentur, auf dem Forum Verbraucherschutz Telekommunikation in Berlin, gibt es hier keine einheitliche Regelung. Einige Anbieter würden dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht einräumen, andere ein Tarifdowngrade. In jedem Fall müsse sich aber der Kunde aktiv darum kümmern und könne nicht damit rechnen, dass der Anbieter von sich aus Kulanz anbietet.

Kabel-Kunden bekommen eher zugesicherte Datenrate als DSL-Kunden

Die komplette Studie bietet die Bundesnetzagentur zum Download [Link entfernt] an. Einige Ergebnisse wollen wir jedoch hier kurz vorstellen. So fiel auf, dass nur etwa 15,7 Prozent der DSL-Kunden die zugesagte Geschwindigkeit bekommen. Beim Kabel sind es 41,8 Prozent und bei LTE 20,9 Prozent. Besonders große Abweichungen gibt es dabei im Bandbreitenbereich von 8 bis 18 MBit/s. Hier würden nur 6,9 Prozent der Nutzer die zusagten Datenraten erreichen. Dabei gab es in diesem Bereich mehr als 91 000 Messungen.

Teilen

Mehr zum Thema Studie