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Vertrag mit Telefónica: Drillisch könnte auch echter Netzbetreiber werden

Langfristig könnte Drillisch ein echter Mobilfunk-Netzbetreiber werden - mit Schützenhilfe von Telefónica. Der Vertrag zwischen den beiden Unternehmen sehe einen solchen Weg optional vor.
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Drillisch als echter Netzbetreiber - nicht ausgeschlossenDrillisch als echter Netzbetreiber - nicht ausgeschlossen Drillisch hat seit Juli vergangenen Jahres im Netz von Telefónica eine besondere Stellung. Der bis dato als reiner Provider auftretende Anbieter hat im Rahmen der Übernahme von E-Plus durch Telefónica einen so genannten MBA-MVNO-Vertrag aushandeln können. Damit kann er wie ein Netzbetreiber agieren, Tarife und Produkte gestalten und hat derzeit als einziger MVNO-Anbieter im Telefónica-Netz Zugriff auf LTE. Doch der Vertrag hält noch mehr Optionen bereit, wie Drillisch heute in seinem Geschäftsbericht hat durchblicken lassen. So könnte der Maintaler Anbieter mittelfristig sogar relativ einfach zu einem echten Netzbetreiber werden.

Zugriff auf Netzkapazitäten für bis zu 15 Jahre

Der Vertrag sieht vor, dass Drillisch zunächst für fünf Jahre Zugriff auf Netzkapazitäten des Telefónica-Netzes hat. Dieser Vertrag ist seit 1. Juli vergangenen Jahres gültig und kann zweimal um jeweils fünf Jahre verlängert werden. Derzeit sind es zwanzig Prozent der Netzkapazität, möglich sind bis zu 30 Prozent.

Drillisch habe nicht nur einen vertraglich abgesicherten, uneingeschränkten Zugang zu LTE, sondern auch zu allen darüber hinausgehenden Zukunftstechnologien. "Mit diesen einzigartigen Möglichkeiten können wir wie ein Netzbetreiber agieren, ohne jedoch Milliardenbeträge in den Netzauf- und -ausbau investieren zu müssen", heißt es im Geschäftsbericht von den drei Vorständen Paschalis Choulidis, Vlasios Choulidis und André Driesen. "Mit diesem Modell haben wir uns maximale Flexibilität und Unabhängigkeit gesichert bei zugleich verbesserter Planbarkeit des operativen Geschäfts."

Eigenes Core-Netz denkbar

Doch dabei muss es nicht bleiben. Denn der Wirtschaftsbericht berichtet, dass langfristig aufgrund der geschlossenen Vereinbarung auch noch andere Optionen möglich sind. So hätte Drillisch die Möglichkeit, statt eines Mobile Bitstream Access MVNO zu einem Full MVNO zu werden. Dann würde Drillisch ein eigenes Vermittlungsnetz errichten, eigene Leitungen und Netzzusammenschaltungen errichten und nur noch die Sendemasten von Telefónica nutzen. Ein ähnliches Verfahren nutzt beispielsweise simquadrat.

Doch die Vereinbarung könnte auch darüber hinaus den Schritt zu einem echten Mobilfunknetzbetreiber ermöglichen. Dieser setzt allerdings voraus, dass Drillisch eigene Mobilfunkfrequenzen und somit eine Mobilfunknetzbetreiber-Lizenz ersteigert. Bei der Frequenzauktion im vergangenen Jahr meldete sich Drillisch jedoch nicht öffentlich als Interessent zu Wort. Die nächsten zur Vergabe stehenden Frequenzen dürften die derzeitigen UMTS-Frequenzen sein, die Ende 2020 auslaufen. Zu diesem Zeitpunkt wären die ersten fünf Jahre der Telefónica-Vereinbarung um.

Eigenes Netz zum Start mit National Roaming möglich

Dem Geschäftsbericht zufolge könnte ein solcher Einstieg in den Markt als echter Netzbetreiber ebenfalls in Partnerschaft mit Telefónica beginnen. Demnach kann sich ein solcher Einstieg "anfänglich und mit technischer Unterstützung durch Telefónica ('National Roaming') auch auf einzelne Regionen in Deutschland beschränken".

Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. Schließlich erfolgte die Übernahme von E-Plus durch o2 unter anderem, weil beide Netzbetreiber für sich genommen auf Dauer vermutlich nicht überlebensfähig gewesen wären und durch die Konsolidierung Kosten sparen. Ob Drillisch sich als eigener Netzbetreiber mit eigener Infrastruktur schlanker und kostengünstiger aufstellen könnte, müsste der Markt zeigen. Faktisch dürfte aber in den von Drillisch angebotenen Preisen kaum Luft sein, ein eigenes Netz aufzubauen. Noch bis Ende des Monats bietet der MVNO über die Marke WinSIM eine Allnet-Flatrate samt LTE mit 1 GB Daten für monatlich 6,99 Euro an, die monatlich gekündigt werden kann.

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