Call-of-Interest

Landesmedienanstalten wollen DAB+ auf den Prüfstand stellen

Mit einem Call-of-Interest wollen die Landes­medien­anstalten den digital-terrestrischen Hörfunk auf den Prüfstand stellen. Vom Ergebnis ist auch abhängig, ob es weitere Multiplexe für DAB+ gibt und ob der erste bundes­weite Multiplex in einen Plattform­betrieb umgewandelt wird.
AAA
Teilen (47)

Autodab-RadioCall-of-Interest für Digitalradio Die Landesmedien­anstalten wollen in naher Zukunft durch einen Call-of-Interest herausfinden, ob es weiteren Bedarf von potenziellen Programm­veranstaltern am digital-terrestrischen Radio (DAB+) gibt. Das erfuhr teltarif.de aus den Reihen der Medien­wächter. Vom Ergebnis der zeitlich befristeten Abfrage ist abhängig, ob die Medien­anstalten in naher Zukunft weitere Digitalradio-Veranstalter oder sogar Plattform­betreiber lizenzieren.

Leerstehende Kapazitäten und Interessenten für zweiten Multiplex

Für den Call-of-Interest gibt es mehrere Hintergründe: Zum einen steht eine Kapazität im bundesweiten Multiplex seit gut einem Jahr leer, seit der Berliner Privatsender Kiss FM seine Verbreitung über DAB+ eingestellt hat. Zum anderen will Media Broadcast künftig selbständig über die Kapazitäten bestimmen. Als Plattform­betreiber könnten potenzielle Programm­veranstalter direkt mit dem Netzbetreiber verhandeln - ohne ein langwieriges Ausschreibungs-Verfahren der Landesmedien­anstalten.

Außerdem gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen für einen zweiten bundesweiten Multiplex durch das Unternehmen "Privates Radio Deutschland". Dieses will eine Plattform mit bis zu 15 themen­orientierten Spartenkanälen zu Themen wie Reise, Automobil, Gesundheit/Wellness oder Hobby über das Digitalradio verbreiten. Der Call-of-Interest soll auch abklären in welchem Rahmen sich potenzielle kommerzielle Programm­veranstalter künftig an DAB+ beteiligen wollen. Gibt es mehr Veranstalter, die keine bundesweite Verbreitung wünschen, sondern lediglich eine Ausstrahlung in Ballungsräumen, könnte es einen zusätzlichen Multiplex für urbane Zentren geben.

Bundesweite Veranstalter wollen wissen, ob sie über DAB+ eingeschaltet werden

Bereits ausgeschrieben hat die Direktoren­konferenz der Landes­medien­anstalten (DLM) eine Reichweiten­erhebung für bundesweite DAB+-Hörfunk­angebote. Bislang fehle es an aussagefähigen Daten über die allgemeine Nutzung von Digitalradio in Deutschland, heißt es in der Ausschreibung. Bekannt ist nur, wie viele Digitalradios verkauft worden sind. Ob diese aber auch tatsächlich für DAB+ genutzt werden oder doch vorrangig das analoge UKW eingeschaltet wird, soll in der Studie untersucht werden, ebenso wie häufig welcher Programmveranstalter im bundesweiten Multiplex über das terrestrische Digitalradio gehört wird. Von der Studie ist abhängig, ob sich die bundesweiten Privatradio-Veranstalter weiter beim Thema DAB+ engagieren.

Deutsche haben 250 Millionen Euro für Digitalradios ausgegeben

Im klassischen Handel wurden im vergangenen Jahr über 720 000 Digital­radios mit DAB+ verkauft. Für dieses Jahr rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit 900 000 verkauften Geräten, wie es im "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk" heißt. Seit der Einführung von Digitalradio im Jahr 2011 wurden in Deutschland insgesamt bereits über 1,7 Millionen Radiogeräte mit DAB+ im Einzelhandel verkauft. Die Konsumenten in Deutschland haben seit der Einführung von Digitalradio im Jahr 2011 über 250 Millionen Euro für Geräte mit DAB+ Radio­funktionalität ausgegeben. Von den Zahlen ausgeschlossen ist jedoch der Onlinehandel und Verkäufe aus dem Ausland. Insgesamt rechnen Experten daher mit inzwischen weit über 5 Millionen Digital­radios in deutschen Wohnzimmern.

Teilen (47)

Mehr zum Thema Internet-Radio