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X-pire versieht Fotos im Internet mit Verfallsdatum

11.01.2011
17:00

Kostenpflichtiges Add-on für Firefox funktioniert wie "digitaler Radiergummi"

X-pire versieht Fotos im Internet mit Verfallsdatum
"Digitaler Radiergummi" X-pire für Firefox
Der "digitale Radiergummi" soll ins Internet gestellte Daten mit einem "Verfallsdatum" versehen. Fotos von der letzten Party oder andere im Internet veröffentlichte Informationen zur eigenen Person, die unter Umständen später auf einen zurückfallen können, sollen nach ein paar Wochen automatisch wieder verschwinden. So kann vor dem nächsten Bewerbungsgespräch kein Personalchef die möglicherweise peinlichen Dokumente bei Facebook, Flickr, Picasa oder auf anderen Webseiten finden. Der Entwickler der salopp "digitaler Radiergummi" genannten Software X-pire, der Informatiker Prof. Michael Backes aus Saarbrücken, hat heute im Verbraucherschutzministerium in Berlin das Zusatzprogramm für den PC-Browser Firefox vorgestellt.

"To expire" heißt im Deutschen "erlöschen" oder "auslaufen". Das Firefox-Add-on soll schnell und einfach zu bedienen sein. Der Nutzer kann frei wählen, welche jpg-Fotos mit Hilfe von X-pire ein Verfallsdatum bekommen sollen, dann wird das Bild per einfachem Mausklick verschlüsselt. Nach dem Ende der Verfallszeit seien diese Daten "nicht mehr sichtbar und werden auch nicht sichtbar gemacht werden können", sagt Backes. Er und sein Entwickler-Team wollen voraussichtlich zur kommenden Woche das Programm fertigstellen und dann für monatlich 9,90 Euro den PC-Nutzern anbieten. Alternativ kann es auch eine Bezahlvariante nach Anzahl der bearbeiteten Bilder geben.

Backes wies heute jedoch darauf hin, dass X-pire "kein Freifahrtschein" sein könne, da von den mit X-pire geschützten Fotos andere Screenshots anfertigen und kopieren könnten, solange die Bilderauf Facebook sichtbar seien. Das gilt auch für eine ähnliche Verschlüsselungslösung eines Teams an der Universität des US-Staates Washington, das sogenannte Vanish-Projekt. Diese Entwickler wollen erreichen, dass sich nicht nur Fotos, sondern digitale Daten aller Art nach einer bestimmten Zeit selbst löschen.

Nicht alle Verbraucherschützer beurteilen X-pire positiv

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will sich mit dem vielzitierten Satz "Das Internet vergisst nichts" nicht zufrieden geben: "Wie kann ich gewährleisten, dass Daten vollständig wieder gelöscht werden können?", fragte sie während einer Expertenrunde in ihrem Ministerium die anwesenden Datenschützer, Branchenvertreter und Angehörige der Web-Community. "Gibt es ein Recht auf Vergessen?" Eine Antwort von den Experten erhält die Verbraucherschutzministerin nicht.

"Ich möchte nur ungern eine technische Lösung abnicken, die bei Leuten nicht greift, die es nicht gut meinen", sagt etwa Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club zu X-pire. Der "digitale Ratzefummel" könne mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften, da er Nutzern ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln könne.

Hauptamtliche Datenschützer beurteilen X-pire positiver. "Das ist natürlich kein Allheilmittel, aber ein Vorschlag in die richtige Richtung", sagt der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar und macht deutlich, dass es für ihn drängendere Probleme gibt: Werkzeuge wie der "Friendfinder" von Facebook gingen "weit über das hinaus, was Geheimdienste in ihren Schubladen haben". Es sei ein Riesenproblem, wenn Millionen von Facebook-Mitgliedern dem Unternehmen ihre E-Mail-Adressbücher offenlegten, um neue Kontakte zu finden. Er hoffe, dass es in dieser Frage schon bald eine Lösung gebe. Matthias Ehrlich vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) bringt den Kern der Probleme mit Facebook oder Google auf den Punkt: "Unsere amerikanischen Kollegen denken beim Datenschutz völlig anders als wir." Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen berichtet, dass sich die vielen Facebook-Mitglieder kaum um den Datenschutz kümmern, sondern da hingingen, wo ihre Freunde seien. So könnten auch die von Aigner ins Spiel gebrachte Auswahl unter Anbietern von sozialen Netzwerken mit datenschutzfreundlicheren Regelungen ins leere laufen.

Der Kommentar unseres Redakteurs Björn Brodersen:
Redakteur Björn Brodersen Zahlen für ein Firefox-Add-on, damit selbst hochgeladene Fotos auf Facebook, Flickr & Co. ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr zu sehen sind? Günstiger ist es für den Nutzer, Fotos, die unter Umständen später auf einen zurückfallen könnten, gar nicht erst im sozialen Netzwerk zu veröffentlichen.
 

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mit Material von dpa
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Meinungen und Erfahrungen der Community:

Betreff Autor Datum
RE: Kryptographie, Made in Germany cassiel 25.01.11 20:15
Kryptographie, Made in Germany Blauvogel 24.01.11 17:41
RE: Nicht nur günstiger sondern auch ... cassiel 12.01.11 19:08
RE: Nicht nur günstiger sondern auch ... h0tIc3 12.01.11 17:43
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2012-01, Erwachsene ab 14 Jahre