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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 26.05.2012 |
BOS: Digitaler Polizeifunk funkt(ioniert) immer noch nicht01.05.2011
12:13 Digitale Technik passt nichtInhaltsverzeichnis:1. Zusammenspiel der Komponenten wurde nicht überprüft2. Mehrfach vermeidbares Drama
Seit mehr als 20 Jahren wird in Deutschland über einen neuen digitalen Polizeifunk, genauer den
Funk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), diskutiert. Die konkrete
Einführung verschiebt sich immer wieder. Dabei galt die Fußballweltmeisterschaft 2006 seinerzeit
als Starttermin. Einen Rückschlag muss der digitale BOS-Funk jetzt in Bayern und
Hamburg hinnehmen: Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung wurde der digitale Versuchsbetrieb schon im Februar diesen Jahres
bei der Münchener Polizei abgebrochen, weil die installierte Systemtechnik "Fehler der
Priorität 1" meldete. Was da genau nicht funkt(ioniert), mag keiner der Beteiligten so
gerne verraten: Der Freistaat Bayern, die eigens dafür gegründete Berliner "Bundesanstalt für
den Digitalfunk" (BDBOS) und der Lieferant der Systemtechnik, die EADS-Tochter "Cassadian",
schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu, dabei geht es um sehr viel Geld. Klar ist
wohl nur, dass die einzelnen Komponenten für sich gesehen schon funktionieren würden, das
Zusammenspiel aber nicht klappt. Offenbar wurde das so auch noch nie in der Realität
getestet.
nächste Seite: Mehrfach vermeidbares Drama
Nicht nur in Bayern klappt der Digitalfunk nicht. In der Freien und Hansestadt Hamburg waren nach jahrelanger Verzögerung am 18. April drei Polizeireviere im Süden Hamburgs und die Hamburger Wasserschutzpolizei mit großen Erwartungen auf Digitalfunk umgestellt worden. Nach wenigen Tagen musste der Not-Aus-Knopf betätigt werden, weil die Funksprüche aus der Einsatzzentrale "nur zerhackt" ankamen, wie das Hamburger Abendblatt vor wenigen Tagen kurz und knapp berichtete. Bis der dafür verantwortliche Fehler behoben ist, werde dort weiter analog gefunkt. Weiter ungeklärte AlarmierungDa das neue digitale Behördennetz Deutschland mangels ausreichender Sendestationen auf absehbare Zeit nicht bundesweit flächendeckend versorgen wird, bleibt die Alarmierung etwa von freiwilligen Feuerwehren, Rettungsdiensten wie dem Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk (THW) ein ungelöstes Problem. Bisher erfolgt die Alarmierung zumeist mit fünfstelligen Selektivruf-Tonfolgen nach ZVEI-Norm mit anschließender Sprachdurchsage auf dem Sprechfunkkanal im 4m-Band (80 MHz), einige Regionen verwenden schon Systeme mit Textübermittlung im 2m-Band (170 MHz). Die Berliner Firma e*message, die einst von der Telekom das "Cityruf"-Paging-Netz übernommen hatte, bietet interessierten Rettungsorganisation seit einiger Zeit ihr e*BOS-System an. Es handelt sich um ein digitales Funkruf-System nach dem POCSAG-Standard bei 450 MHz, worüber nicht nur Alarmtöne, sondern auch kurze Textnachrichten an die Einsatzkräfte übermittelt werden können. Beim Sandsturm auf der Autobahn A19 bei Rostock bestand das in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow kurz zuvor frisch aufgebaute Alarmierungs-Netz seine erste Bewährungsprobe. e*BOS wird aber nur dort aufgebaut und angeboten, wo die regionalen Rettungsorganisationen diesen Dienst gebucht und bestellt haben. Das Netz steht dann ausschließlich Rettungsorganisationen (BOS) zur Verfügung und wird vom privaten Unternehmen e*message aufgebaut, betrieben und den Behörden und Organisationen gegen eine vertraglich festgelegte "Miete" zur Verfügung gestellt. Privatpersonen oder Firmen, die ebenfalls Wert auf Alarmierung legen, können den technisch unabhängig davon betriebenen Cityruf-Dienst buchen, der auf anderen Frequenzen, aber ebenfalls in POCSAG-Technik arbeitet.
Auf der folgenden Seite lesen Sie mehr zum Hintergrund des digitalen
Behördenfunks.
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