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Digitale Strategie 2025: Gabriel fordert milliardenschwere private Investitionen

Wirtschaftsminister Gabriel fordert in einem Strategiepapier, die Anstrengungen zum Netzausbau zu erhöhen. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu erhalten, seien große Investitionen in die Infrastruktur nötig.
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Auf der CeBIT stellt Bundes­wirtschafts­minister Gabriel die Digitale Strategie 2025 vor. Auf der CeBIT stellt Bundes­wirtschafts­minister Gabriel die "Digitale Strategie 2025" vor. Mit einem milliardenschweren Zehn-Punkte-Plan will die Bundesregierung einen Rückstand Deutschlands beim digitalen Wandel verhindern. Zur Strategie von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehören ein Fokus auf Glasfaser-Leitungen und der Aufbau einer Digitalagentur als Schaltzentrale. Auf der IT-Messe CeBIT warnte die Industrie unterdessen vor Rückschlägen durch zögerlichen Netzausbau und Fachkräfte-Mangel.

Gabriel: Über 2018 hinaus denken

Die "Digitale Strategie 2025" stellte Gabriel zur Eröffnung der weltgrößten IT-Messe CeBIT in Hannover vor. "Die erfolgreiche digitale Transformation unserer Volkswirtschaft ist die Voraussetzung für den Erhalt und die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit", erklärte der Vize-Kanzler. "Unser Ziel ist es, Deutschland zum modernsten Industriestandort zu machen."

Der Industrieverband BDI warnte vor einem wirtschaftlichen Rückstand Deutschlands aufgrund des "dramatisch stockenden" Ausbaus digitaler Netze. Es sei "Gefahr im Verzug", sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. "Unser Land ist von einer hochleistungsfähigen digitalen Infrastruktur weit entfernt."

Auch aus Sicht des Wirtschaftsministeriums darf es nicht bei dem Ziel bleiben, Internet-Anschlüsse auf eine Ge­schwin­dig­keit von 50 Megabit pro Sekunde auszubauen. Bis zum Jahr 2025 müsse ein Gigabit-Glasfasernetz stehen, geht aus dem Strategiepapier hervor.

Mit einer durchschnittlichen Ge­schwin­dig­keit von elf Megabit pro Sekunde surfe man in Deutschland gerade einmal halb so schnell wie in Südkorea, kritisierte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. "Deutschlands digitale Zukunft wird nicht auf dem Kupferdraht entschieden, sondern mit der gigabitschnellen Glasfaser."

"Wir begrüßen ausdrücklich, dass Bundeswirtschaftsminister Gabriel erkannt hat, dass nur zukunftssichere Glasfaseranschlüsse bis zum Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnung (FTTH) unser Land auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft voranbringen können", sagt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers. "Damit macht die Bundesregierung klar, dass kupferbasierte Vectoring-Anschlüsse - wenn überhaupt - nur für einen Übergangszeitraum hilfreich sein können. Schon in den kommenden Jahren werden Unternehmen, aber auch Bürger, hochmoderne Gigabit-Netze benötigen."

Investitionen in Infrastruktur nötig

Die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur bis 2025 werden auf 100 Milliarden Euro beziffert. Diese sollten aus Sicht des Ministeriums vor allem von privaten Investoren kommen. Vorgeschlagen wird aber auch ein Investitionsfonds für Netze im ländlichen Raum. Mit seinem Volumen von rund zehn Milliarden Euro sollen weitere Investitionen ausgelöst werden. Damit mehr Wagniskapital in junge Firmen fließt, sollen die Rahmenbedingungen verbessert werden.

Wirtschaft hadert mit Digitalisierung

Die Digitalisierung löst derweil erste Umwälzungen in der deutschen Wirtschaft aus. Vier von zehn Unternehmen brachten im Zuge des Wandels neue Produkte oder Dienste auf den Markt, erklärte der Branchenverband Bitkom auf der CeBIT. Zugleich musste aber auch jede achte Firma deswegen Angebote vom Markt nehmen.

Zur Digitalisierung gehören unter anderem die Vernetzung von Maschinen und Alltagsgegenständen, die Auswertung ihrer Daten und daraus entstehende neue Geschäftsmodelle. Europa stehe erst am Anfang juristischer Debatten, die sich aus dem Wandel ergäben, betonte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger in Hannover.

Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland lagern IT-Projekte aus, weil sie keine passenden Fachleute dafür finden. In einer Umfrage des Branchenverbandes VDI gaben in diesem Jahr gut 52 Prozent das Outsourcing als Lösung für das Problem an. In der Vorjahresumfrage lag der Anteil noch knapp unter 40 Prozent.

"Das muss uns zu denken geben", warnte der VDI-Bereichsleiter Technik und Wissenschaft, Dieter Westerkamp. Denn so werde gerade das Know-how "über die Dinge, die die digitale Transformation ausmachen", ausgelagert.

Die nächste schnelle Datenfunk-Generation 5G kann Deutschland aber mehr Gewicht im Tech-Geschäft bringen. "Wir haben als Standort Deutschland in der Informations- und Kommunikations-Technologie weitgehend verloren", sagte Bruno Jacobfeuerborn, VDE-Präsident und zugleich Technik-Chef der Deutschen Telekom. "Jetzt bietet sich die einmalige Chance, das mit 5G zu ändern." Ein großer Vorteil sei die Kombination aus Autoindustrie und Erfahrung bei Sensoren.

Auch wir sind vor Ort auf der CeBIT. Unsere aktuelle Berichterstattung können Sie auf unserer Themenseite zur CeBIT 2016 verfolgen.

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