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Editorial: Langsam wird die kommende Mobilfunkauktion spannend

Viele Bewerber nicht nur um die digitale Dividende
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Die für das zweite Quartal dieses Jahres geplante größte deutsche Mobilfunk­auktion aller Zeiten wirft langsam ihre Schatten voraus: Zahlreiche Markt­teilnehmer versuchen durch Klagen die Auktionsregeln noch in letzter Minute zu ihren Gunsten abzuändern, oder sie gar ganz oder teilweise aufzuhalten.

Am Mittwoch erklärt Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, einer der besten akademischen Kenner der Szene: "Es wird keinen neuen Mobilfunk-Anbieter geben". Einen Tag später meldet dann die Bundesnetz­agentur, dass sich sechs Bieter beworben haben - also auch zwei potenzielle neue: Doch die Teilnahme an der Auktion heißt ja noch lange nicht, dass die neuen Anbieter auch erfolgreich Frequenzblöcke ersteigern und am Markt platzieren. Genau das schließt Gerpott aus.

Andererseits: Angesichts der hohen Bewerbungs­hürden ist, anders als auf E-Bay, kaum mit Spaß­bietern zu erreichen, so dass den zwei zusätzlichen Bewerbern durchaus ernsthafte wirtschaftliche Interessen zu unterstellen sind. Doch hat die Erfahrung der bei der UMTS-Auktion erfolgreichen, später beim Netzaufbau oder der Vermarktung aber erfolglosen Quam und MobilCom gezeigt, dass neue Netzbetreiber eine bessere Strategie als "me too" brauchen. Zudem müssen ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sein, um nicht nur Lizenzerwerb, sondern auch Netzaufbau und ausreichende Vermarktung stemmen zu können.

Doch gibt es zahlreiche Nischen, über die ein erfolgreicher Marktzutritt möglich sein sollte: Ein günstiger Anbieter von mobiler Sprachtelefonie in Ballungszentren, ein auf weiße Flecken in der DSL-Landkarte optimiertes mobiles Datennetz oder ein die Vermarktungskraft eines großen Handelskonzerns, wie der Metro, nutzender mobiler Vollsortimenter.

Die bestehenden Netzbetreiber können von den mehreren hundert Megahertz an Bandbreite, die zur Versteigerung anstehen, ebenfalls profitieren: Schließlich steigt die für mobile Datendienste genutzte Datenrate derzeit rasant, und nur ein Teil der Steigerung lässt sich durch immer effizientere Nutzung der bestehenden Bänder ausgleichen. "Bandbreite satt" ist zudem das beste Mittel gegen preistreibendes Wettsteigern.

Mangel unten

Doch im Bereich der dank hoher Reichweiten besonders attraktiven Digitalen Dividende stehen nur 2 x 30 MHz zur Verfügung. Das ist die Hälfte des Angebots bei der letzten UMTS-Auktion, bei der sich die Anbieter gegenseitig bis auf 50 Milliarden Euro hochtrieben.

Doch der Mangel kann auch eine Chance sein - wenn die Mobilfunk-Anbieter endlich aufhören, möglichst gleich sein zu wollen. So wird der designierte UMTS-Nachfolger LTE voraussichtlich schon relativ kurz nach dem Start, wenn nicht gar von Anfang an, in mehreren Frequenzbändern zur Verfügung stehen. Für das Geld, das 2 x 10 MHz im Bereich der digitalen Dividende kosten würden, kann ein Anbieter möglicherweise 2 x 30 MHz bis 2 x 40 MHz im UMTS-Erweiterungsband erwerben. Die eignen sich dann zwar nicht zur Breitbandversorgung auf dem Land - aber um so besser für hochbitratige Datendienste in der Stadt.

Selbst der aktuelle Standard HSPA+ erreicht - gleiche Bandbreite vorausgesetzt - ähnlich hohe Bitraten und spektrale Effizienz wie LTE. Vor diesem Hintergrund hat selbst eine Strategie, die rein auf etablierte Technologien setzt, durchaus Erfolgschancen. Denn sie vermeidet die Risiken einer neuen Technologie und eignet sich insbesondere zur Versorgung des lukrativen Smartphone-Markts optimal.

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