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Politiker & Medienwächter wollen RTL weiter an Terrestrik klammern

28.01.2013
15:42

Mobile Variante von DVB-T2, DVB-SH und Entertain to go

DVB-T-Handheld von Alan Electronics
DVB-T-Handheld von Alan Electronics
Der RTL-Rückzug aus dem digital-terrestrischen Antennenfernsehen (DVB-T) schlägt weiter hohe Wellen. Politiker, Medienvertreter und Techniker wollen nun alles daran setzen die Privatsender weiter an die digitale Terrestrik zu binden, wenn auch unter anderen Vorzeichen als bisher.

Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, appellierte - auch mit Blick auf zu befürchtende Domino-Effekte bei anderen privaten Sendern - an die Mediengruppe RTL, die Entscheidung über den Ausstieg aus DVB-T nochmals zu überdenken. Er kündigte an, das Thema in der für Medienpolitik zuständigen Rundfunkkommission der Länder zur Sprache zu bringen. Konkrete Lösungsvorschläge hält er jedoch keine bereit, um RTL zu einer Umkehr zu bewegen.

BLM-Präsident plädiert für mobile Variante von DVB-T2

Viel weiter ist Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). In einem Gastbeitrag im Magazin Infosat spricht er sich dafür aus, die terrestrische Fernsehversorgung nicht mehr auf den stationären Empfang des Erstgerätes im Hause zu beziehen, sondern als neuen Zielmarkt den portablen Empfang für DVB-T oder dessen Nachfolger DVB-T2 ins Visier zu nehmen.

Da insbesondere die junge Generation über Smartphones und Tablets intensiv Videoangebote nutze, lohne es sich auch im Sinne einer hybriden Versorgung über Mobilfunk- und Rundfunknetze, darüber nachzudenken, ob es nicht gemeinsame Interessen zwischen den Mobilfunkbetreibern und den Rundfunkanbietern in diesem Marktsegment geben könnte. Wenn der Empfang von linearen Fernsehprogrammen nicht über Mobilfunknetze vermittelt werden müsste, sondern in nahezu jedem portablen Endgerät alternativ über einen DVB-T-Chip zur Verfügung stünde, könnte ein sinnvolles Miteinander von Rundfunk und Mobilfunk und eine wirksame Entlastung der Mobilfunknetze erzielt werden, ohne dem Endverbraucher Nutzungseinschränkungen aufzuerlegen, so Schneider. Außerdem würden sich die Verbreitungskosten der Privatsender massiv reduzieren, da mit weit weniger Bandbreite als bisher gearbeitet werden würde. Nutzbar wären die Signale jedoch nur noch auf Monitor-Größen bis etwa 19 Zoll, was zumindest für kleine LCD-TVs ausreichen würde.

Wie eine Ausarbeitung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) vom Dezember 2012 aufzeige, sei man in Japan diesen Weg schon sehr frühzeitig gegangen. Zwischenzeitlich würden fast die Hälfte aller im japanischen Markt verkauften Smartphones und Tablets mit Chips zum Empfang eines linearen Fernsehangebotes über terrestrische Rundfunknetze ausgestattet.

Auch die Technische Universität Braunschweig unter Leitung von Professor Ulrich Reimers hat bereits verschiedene Szenarien eines Nachfolgers für DVB-T entworfen, die am 29. Januar dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt würden. Laut Reimers seien eine Million Fahrzeuge mit DVB-T-Empfängern ausgestattet und 5,6 Millionen DVB-T-Empfänger in Form von Sticks oder Handhelds verkauft worden. Dies verdeutlicht ebenfalls die Bedeutung des mobilen Empfangs bei der digitalen Terrestrik.

Weitere Alternativen: DVB-SH und Entertain to go

Tobias Schmid von der RTL Mediengruppe machte auf einer Tagung der Technischen Konferenz der Landesmedienanstalten (TKLM) dagegen noch einmal deutlich, dass die Ausstiegsentscheidung der Sendergruppe "endgültig" sei, wie die VDI Nachrichten berichten. Ausstieg aus DVB-T bedeute für RTL aber keineswegs Ausstieg aus der Terrestrik, wie Schmid erneut klar stellte. Offen ist jedoch noch welche Technologie das alte DVB-T hier nach RTL-Vorstellungen beerben soll.

Möglicherweise käme neben einer mobilen Variante des effizienteren Nachfolgers DVB-T2 auch dem Projekt DVB-SH wieder eine stärkere Bedeutung zu. Der Vorteil: Hier würde ein Signal europaweit mit hoher Leistung vom Satelliten ausgestrahlt, das auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, Tablets oder Handhelds zu empfangen wäre. Lediglich in Großstädten würden terrestrische Füllsender, sogenannte Repeater, benötigt. Die Partner Alcatel-Lucent, DiBcom, Eutelsat Communications, Sagem Mobiles, SES Astra, TeamCast und UDcast haben bereits 2009 ein erstes Angebot mit dieser Technologie unter dem Namen Solaris Mobile gestartet. Nennenswerte Neuigkeiten gibt es hier jedoch bereits seit drei Jahren nicht mehr. Ebenso Fehlanzeige sind zum Empfang nötige Endgeräte im Markt.

Hoffnungen auf Kundenfang nach einem RTL-Ausstieg aus der digitalen Terrestrik macht sich auch die Deutsche Telekom: Ihr im letzten Jahr Jahr gestartetes Projekt Entertain to go soll 2013 auf Empfang über Mobilfunknetze ausgebaut und über 40 Sender auf Tablets und Smartphones bringen. Bisher wollen die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sowie die Privatsender der ProSiebenSat.1-Gruppe teilnehmen. Die Mediengruppe RTL ist mit ihren Angeboten nicht mit im Boot - vorerst. Mit einer Wiederbelegung der nicht nur in Deutschland gescheiterten Handy-TV-Technik DVB-H rechnet dagegen niemand mehr ernsthaft.

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