Ausstieg?

ProSiebenSat.1 schließt DVB-T-Ausstieg nicht aus

Verbraucherzentrale befürchtet durch RTL-Ausstieg Domino-Effekt
Von mit Material von dpa
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ProSiebenSat.1 schließt DVB-T-Ausstieg nicht ausProSiebenSat.1 schließt DVB-T-Ausstieg nicht aus Der mögliche Rückzug der Mediengruppe RTL Deutschland aus dem digital-terrestrischen Fernsehen (DVB-T) kommt für Branchenbeobachter nicht überraschend, hatte der Konzern bereits in Vergangenheit immer wieder mit einem Ausstieg gedroht und im Falle des Großraumes Nürnbergs sogar schon in die Tat umgesetzt. Das ganze könnte sich jedoch nun zu einem Flächenbrand in der privaten Fernsehlandschaft ausweiten, denn auch der Konkurrent ProSiebenSat.1 mit den Sendern Sat.1, ProSieben, kabel eins und Sixx schließt einen Ausstieg aus DVB-T nicht aus.

"Für uns sind derzeit alle Optionen offen, sowohl der Ausstieg aus der terrestrischen Verbreitung als auch die Verlängerung von DVB-T sowie die Einführung von DVB-T 2", teilte Jasmin Mittenzwei, Senior Referentin Konzernkommunikation bei dem Medienkonzern, gegenüber teltarif.de mit. "Sollte eine Weiterentwicklung der terrestrischen Verbreitung - wie bei DVB-T2 angedacht - funktionieren, dann wäre das der präferierte Weg. Dies setzt aber voraus, dass DVB-T zukünftig wirtschaftlich tragfähig ist und neue Geschäftsmodelle etabliert werden können", so die Sprecherin.

Ein erfolgreiches Einführungsszenario von DVB-T2 sei nur unter erheblichen Anstrengungen und einer Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer von Industrie über Programmveranstalter bis hin zur Medienpolitik möglich. "Ob es überhaupt zu einer Einführung von DVB-T2 kommt beziehungsweise wann sie erfolgt, kann man aktuell nicht abschätzen. Dafür sind noch zu viele Punkte offen. Laut dem jetzigen Stand ist mit einer Umstellung vor 2015 nicht zu rechnen." Da die Kosten von verschiedenen Faktoren abhängig seien, die teilweise noch nicht feststehen, "können und wollen wir derzeit noch keine Kosteneinschätzung abgeben", so Jasmin Mittenzwei.

Bei vielen Zuschauern bliebe der Bildschirm schwarz

Teltarif.de sind zwei Fälle aus dem Rhein-Main-Gebiet bekannt, wo in Wohnanlagen Fernsehprogramme aktuell nur über eine Gemeinschafts-Dachantenne in die einzelnen Wohnungen kommen. Die Bewohner dürfen sich keine Satelliten-Antennen auf Terrasse oder Balkon stellen. Da auch kein Kabelanschluss vorhanden ist, wäre das internetbasierte IPTV die einzige (legale) Möglichkeit um weiter die Programme der Mediengruppe RTL konsumieren zu können. Doch auch hierfür ist zunächst einmal ein Breitbandanschluss Voraussetzung, und längst nicht alle Internet-Provider bieten auch IPTV an. Möglicherweise müssen solche Haushalte so lange auf die RTL-Programme verzichten, bis die Hauseigentümergemeinschaften die Gemeinschaftsanlagen auf Satellitenempfang umgestellt haben. Einen Überblick zu den Alternativen erhalten Sie in diesem Artikel.

Sicherlich wären auch zahlreiche Wohnungen mit Zweitfernsehern von einem Rückzug der Privatsender aus der digitalen Terrestrik betroffen, ebenso wie Zuschauer, die den Verbreitungsweg mobil nutzen, etwa mit kleinen kompakten Handhelds. Laut aktuellem Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten nutzen über fünf Millionen Haushalte in Deutschland aktuell das digitale Antennenfernsehen.

Verbraucherzentrale befürchtet Domino-Effekt

Die Verbraucherzentrale befürchtet, der RTL-Ausstieg könne einen Domino-Effekt auslösen, weil damit die Kosten für die übrigen Sender steigen würden. In NRW nutzen nach Angaben der Verbraucherschützer 14 Prozent der Haushalte DVB-T als ersten Empfangsweg und weitere 5 Prozent für Zweit- oder Drittgeräte. Nutzung und Marktanteil sind allerdings unterschiedliche Messgrößen. Klaus Müller, Vorstand der Düsseldorfer Verbraucherzentrale, forderte die Landesregierung auf, dafür zu sorgen, dass DVB-T erhalten bleibt und weiterentwickelt wird.

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